Den Donnerstagmittag packte ich meine Sachen für die bevorstehende Reise nach Belize. Ich traf mich mit Maren und Janina am Lazaro Cardenas Busbahnhof, um den, verglichen mit den anderen Strecken, die Julia, Janina und ich uns vorgenommen hatten, kurzen Weg nach DF anzutreten. Maren würde/ist von Df dann mit einigen anderen nach Guatemala geflogen. Doch zuvor füllten wir noch unsere Mägen, in dem damals und nach wie vor stilistisch schönsten Gastronomiebetrieb Lcs „El Tejado“. Die achtstündige Busfahrt war mit den Filmen wieder leicht herumzubringen, außerdem hatten die Sitze soviel Beinfreiheit, dass man sie soweit zurücksenken konnte, dass sie fast die Waagerechte erreichten und man trotzdem keine Bedenken haben musste, einen Mitfahrer zu belästigen. Die Bedenken haben Mexikaner zwar eh nicht, aber davon mal ganz abgesehen.

04.04.09 → 20.02.09

Wir mieteten uns in einem Hostel direkt am Zocalo ein, was dementsprechend gehobenerer Preisklasse war. Wir lernten einen anderen deutschen kennen, der gerade dabei war, sein Erspartes auf einer Rundreise in Amerika auszugeben. Ein Informatiker. Ein bisschen verplant, der Gute. Ich half ihm noch Guthaben für sein Handy zu besorgen, (während Janina sich schon zur Ruhe legte) was sich nicht so einfach wie erwartet gestaltete, weil wir erst die Nummer brauchten, die wir nicht hatten, weil das Handy oben im Zimmer auflud und als wir es dann runterholten, ging es wieder aus. Aber warum verkaufen die denn bei Oxxo keine Handykarten, sondern laden es über die Kasse aus. Nur gut, dass ich vorher die Nummer eingespeichert hatte. So konnten wir es dann doch aufladen. Anschließend schlenderten wir noch etwas durch das nächtliche Mexiko Stadt, dass viel mehr Charme hat, als das „tägliche“. Die Straßen sind lang nicht so voll und doch hat man noch das Gefühl ein Bisschen verloren zu sein. Weniger von Angst erfüllt, denn von Faszination, wandelt man in der Riesenstadt umher. Wir begegneten einer Gruppe Tanzwütiger, die zu dem treibenden Klang zweier immenser Trommeln Schrittfolgen synchron „abspulten“. Das Beeindruckende dabei war die Alters- und Schichtenvielfalt. Man konnte sowohl einen Businessman, eine Studentin, ein Kind und eine alte Dame finden. Ausdauernd wurde gehüpft, geschrittet, gedreht.

Am Samstag machten Janina und ich uns auf die leidige Suche nach einer Institution, in der wir unsere Flugtickets umbuchen konnten. Beginnend in dem STA-Travel Büro wurden wir von dort direkt ins Iberia-Büro geschickt. Lange Suche, aber dann verhältnismäßig schnelle und reibungslose Abwicklung unser Anliegen. Unsere Nachfrage jedoch, ob man denn nicht von hier irgendwie Druck auf die Gesellschaft in Spanien ausüben könne, um vielleicht noch ein wenig Entschädigung wegen des „länger“ verschwundenen Rucksacks Janinas, herausschlagen zu können, wurden wir nur freundlich aber bestimmt darauf hingewiesen, dass es vollkommen außerhalb ihres Wirkungsbereichs läge. Offensichtlich hatten wir trotzdem Glück mit unserer Servicedame, da andere aus unserer Gruppe wohl erst mal Geld hinblättern mussten, bevor „sie“ umgebucht wurden.

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Nach dem Umbuchen fuhren wir zum Terminal, um uns dort mit Julia zu treffen. Von dort aus wollten wir dann über Veracruz nach Chetumal fahren. Als wir uns jedoch vor Ort erkundigten, stellte sich heraus, dass wir auch eine Verbindung direkt nach Chetumal fahren könnten. „Schlappe 23 Stunden“, dachten wir uns, „das ist doch gar nichts!“ Problemchen jedoch war die Tatsache, dass der einzige Bus dieser Art um 17 Uhr DF verlassen würde. Ortzeit war 11 Uhr morgens. Tja! Wir also Tickets gekauft und wieder zurück mit unserem ganzen Krams (und es war echt nicht wenig, zumal ich noch den Laptop mitschleppte…Wegs Filmen) zur Metro und ins Zentrum. Da Julia noch eine Spritze prophylaktisch gegen einen möglichen Lungenentzündungsrückfall benötigte, verabredeten wir uns mit Maren im Park. (Ich sage „der Park“, um zu verbergen, dass es ungefähr 4-7 Grünflächen in Df gibt, aber ich mich des Namens nicht entsinne) Maren arbeitet schließlich in dem Medizinzentrum Caletas als Aushilfe, als Vorbereitung für ihr Medizinstudium. Wir spazierten ein wenig in dem Park herum, aßen tolle Erdbeeren mit Sahne, andere Früchte und schlenderten die Ständegasse hindurch. Um den Mittag ausklingen zu lassen, setzten wir uns in einer Essensgasse (mit unglaublich nervigen Angebotsschreierinnen, die dich belagerten bis man sich genervt zu einem X-beliebigen setzte) zu riesigen Tortas. Nach getaner Vernichtung der Nahrungsmittel zückte Julia Spritzutensilien. Die umsitzenden Leute begannen unruhig und neugierig zu werden. Doch Maren zog fachmännisch die Spritze auf und in einem irrsinnigen Tempo sagte sie Julia das Zeug in den Arm. Julia ächzte und seufzte schmerzerfüllt. Verzagt fragte ich, ob das denn normal sei. Ach, ich mach das immer so in Caleta. Julia meinte nur mit gesenktem Kopf:

„Und was ist mit dem Rest?!“ -„Welcher Rest? Das war alles.“

-*keuch* Bitte?! Normalerweise braucht meine Gastmutter ungefähr das Vierfache der Zeit. Vielleicht tut es deshalb so weh“ Später erläuterte mir Maren zerknirscht, dass es wohl daran liegen würde, dass auch der Kolben einen viermal so dicken Durchmesser aufwies.

Chetumal

Nach diesem überstanden Abenteuerchen konnten wir uns dann getrost in das Nächste begeben. Abenteuer Busfahrmarathon. Ihm Nachhinein muss ich sagen, dass es gar nicht soo schlimm war und ich trotzdem ziemlich stolz bin. Soweit ich weiß, haben uns bisher nur Ture und Elli mit 32 Stunden (Wirklich so viel?!) aus Guatemala nach DF geschlagen. Wir kamen dann also in Chetumal an und wurden gleich angequatscht, ob wir denn nicht nach Belize wollten, weil wohl in Kürze ein Bus abfahren würde, aber wir entschieden uns für einen Tag Busfahrtenpause. Ein enormer Busfahrschwarzbär ließ uns die morgigen Zeiten in großartigem JamaicanSlang-Englisch wissen. Zu geschafft uns mit Liniebussystem vertraut zu machen, nahmen wir uns nur ein Taxi und ließen uns von dem Fahrer beraten, wo wir denn gut nächtigen könnten. Außerdem handelte er für uns in dem Hotel einen billigeren Preis heraus. Nach einem kurzen Frischmachen, machten wir uns daran, die Stadt zu erkunden. Und wirklich unglaublich, wieviel die vermeintliche Hauptstadt Quintanaroos aufzuweisen hat. (Nun muss man sich fragen; ist jede deutsche Staatshauptstadt einen Besuch Wert?) Völlig ausgestorben, die Stadt, waren die ersten Menschen, die wir bewusst wahrnahmen, ein Grüppchen spielender Kinder auf einem Spielplatz. Unseren Weg fortführend trafen wir auf das Meer, eine nicht hässliche, aber auch nicht als besonders bemerkenswert zu beurteilende Promenade. Außerdem wurden wir auf einige Schilder aufmerksam, die von einem gewissen Karneval sprachen. Aber ist Karneval nicht als Fest des Lärms und der Freude zu verstehen. Bisher war in diesem Großnest von nichts Dergleichem etwas zu spüren gewesen. Doch wir wurden nicht enttäuscht. Am Abend dann zog ein kunterbunter, leicht abgedrehter Fastenzug an uns vorbei. Von leichtbekleideten Damen über strahlende Kinder zu hochgewachsenen Männern in glitzernden Schmetterlingskostümen konnten wir einiges bestaunen. (Quatsch, wie kommt ihr darauf, dass das lächerlich aussah?)

So hat sich der Aufenthalt in Chetumal doch noch ausgezahlt, nachdem wir zuerst wirklich vollkommen enttäuscht waren.


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