Hallo Freunde, Familie, Kumpanen und Interessierte!
Nach längerer Zeit melde auch ich mich wieder. Wir schreiben den 6. Januar 2009, Tag der Könige. Ich befinde mich im Zuge meiner Halbjahresferien auf Durchreise Mexikos und momentan bin ich in Puebla, der sogenannten Stadt der Engel. Ich habe mich hier bei Roberto, dem ehemaligen Austauschschüler Patricks, meinem besten Kumpel, einquartiert. Jener hat nämlich über eine Freundin von uns beiden im November mitbekommen, dass ich mich in Mexiko befinde und war erzürnt, dass ich mich noch nicht bei ihm gemeldet hatte. Das holte ich nach und wir verabredeten für die jetzige Zeit einen Besuch. Doch bevor ich beginnen kann meine Erlebnisse in der Kolonialstadt Puebla zu schildern, habe ich noch zwei ereignisreiche Wochen zu reproduzieren.
Ich sage nur Las Penas Strandspaß, Solera de Agua Quinzenera, Chucutitan Echsenjagd, Las Canas Weihnacht, Ixtapa Touristenhochburg, Los Troncones Rückzugsoption, Zihuatanejo Abenteuer Zimmermiete, Acapulco unbequeme Bänke, Puerto Escondido feuriges Neujahr, Oaxaca Kunst und Tradition, Puebla wunderbares Wiedersehen. Also auf ins Erinnerungsgetümmel…
(6.01.09 → 20.12.08)
Nachmittags verließ ich Lazaro Cardenas, um mich auf den Weg nach Las Penas zu machen, in welchem ich Janina treffen wollte. Von dort aus sollte es dann an diesem Abend nach Solera de Agua gehen, um endlich einmal einem Quinzenera, also einem 15. Geburtstag einer Jungdame beizuwohnen. Las Penas ist ein Dorf weiter als Chucutitan, liegt direkt am Strand und ist wohl ein Geheimtipp für Touristen. Jedenfalls war es recht voll und ich hatte ein wenig Mühe Janina und ihre Angehörigen zu finden. Dabei handelte es sich sogar nicht nur um ihre Gastfamilie, sondern auch um einen ehemaligen Arbeitskollegen ihres Gastvaters, der mitsamt einer Viererbande Enkel, seines angetrauten Eheweibes und ihres Sprößlings, aus Guadalajara angereist war. Nachdem ich all jenen vorgestellt wurde, entschuldigte ich mich, um mich mal wieder dem kühlen Nass des Meeres anzuvertrauen. Bald jedoch fuhren wir auch schon wieder zurück nach Chucutitan, da die Aktivitäten des Tages schon ein Ende gefunden hatten. Die Bühne, der wohl zu Belustigung von den angereisten Touristen aufgebaut war (und zuvor auch genutzt) war inzwischen leer. Die gesammelte Mannschaft schmiss sich in Schale, um auch einen guten Eindruck zu machen. Janinas Gastbruder Edgar zog sich einen ganz besonders schicken Anzug an, aber das wird noch später erläutert. Erneut fuhren wir mit ca 12 Personen auf dem Pickup los. Der Sportplatz von Solera de Agua war mit Luftballons ausgeschmückt und etliche Tische waren um die „Tanzfläche“ drapiert. Wir wurden aber gleich von einer Schülerin/Freundin von Janina geschnappt und mit an ihren Tisch gezogen. In ihr hatte Janina aber gleich eine Verbündete gefunden, was den Tanzboykott anging. Ich muss ja zugeben, dass die Musik noch immer nicht zu meiner favorisierten Lautmaschinerie gehört und doch, ich finde inzwischen Spaß daran mich dazu so zu bewegen, dass es Tanzen ähnelt. Oder zumindest dem, was der Durchschnitteinheimische als solches bezeichnet. Doch zurück zu der Veranstaltung. Ein Quinzenera ist die Präsentation einer jungen Frau vonseiten ihrer Familie. Sie ist nun in heiratsfähigem Alter (Ansichtssache… *hust*) und wird deshalb der Gesellschaft vorgestellt. Dementsprechend pompös ist ihre Aufmachung. Sie sieht aus wie eine Märchenprinzessin. Ein breites, buntes Kleid in einer grellen Farbe und Stöckelschuhe lassen den Eindruck entstehen sie sei bereits jenseits von Kindheit. In unserem Fall war es ein knalliges Rot. Der Hauptakt des Abends ist ein Tanz von der „Prinzessin“ und den vorher angeworbenen Bewerbern unter denen auch Janinas Gastbruder zu finden war. Es verhält sich nämlich folgendermaßen. Da ein Quinzenera eine Fest in der Größe einer Hochzeit ist, kommt einiges an Kosten zusammen. Deshalb hat man sich mal überlegt, dass einfach jede Familie einer Dorfgemeinschaft etwas zum Fest beisteuert. Eine stellt das Essen, eine andere Getränke, wieder andere die Torte usw. Und Edgars, sprich Janinas Familie musste eben Edgar einem Brautumwerber entsprechen, was bedeutet, dass er einen teuren Anzug kaufen oder mieten muss. Außerdem muss er die Zeit aufbringen einen Tanz einzustudieren. Bei diesem Tanz balzen die Bewerber um die 15.-jährige herum und sie kokettiert mit ihnen. Das Ganze zu dem kitschig-romatischen Takt von drei Vierteln, welche Tatsache die Diskussion aufwarf, ob das für die Bezeichnung dieses Abendpunkts verwendete Wort „vals“ (wieauchimmer geschrieben) nun Walzer oder Balz heißen möge. Des Weiteren bekam die aus dem Traum der Kindheit Erwachende eine Krone aufgesetzt, womöglich die Krone des Wandels von Prinzessin zur Königin, ihr letztes symbolisches Spielzeug: eine kniehohe Puppe und ein Überraschungsgeschenk: ein Handy. Dann wurde die Tanzfläche freigegeben und man konnte das bekannte Gehampel belustigt beobachten oder daran verschwinden, um selber einer beschämenswerten Freude nachzugehen.
Der Höhepunkt des Abends für mich persönlich war es sich mit Janina zusammen tanzend über die mexikanische Tanztradition lustig zu machen, indem wir sie imitierten und völlig überzogen darstellten. (Zu dieser Unterhaltung kam ich aber auch nur, weil die ebenso tanzunfleissige Gastmutter meinte, dass sie auch nur tanze, wenn Janina uns die Ehre gäbe).
Weiterhin war es sehr lustig mit anzusehen, wie der traditionelle Biss der Torte, ausgeführt von der Gefeierten, wie gewohnt, auch diesmal, in selbiger endete. „Gebt mir endlich ein Taschentuch, anstatt so idiotisch zu lachen“ Wohl noch in der Pubertät, die Gute…
Eine absolute Enttäuschung des Abends, um wieder aufs Tanzen anzuspielen, war es, dass uns der DJ auch nach dreimaligem Bitten keinen anständigen Reggeaton gönnte. Aber wahrscheinlich dachte er sich, dass man es mit mir ja machen könne.
Davon einmal abgesehen war es aber ein wirklich eindrucksvoller Abend, den man mindestens einmal nach ähnlicher Tradition miterleben sollte.
Die Nacht war nicht ganz bequem -auf einem durchgelegenen, zu kurzen Sofa platziert- aber es lässt mich ungefähr den Begriff Couchsurfing nachvollziehen und außerdem zeihe ich ein bisschen Unbehaglichkeit dem Verpassen eines Events, wie einen 15. Geburtstag, vor.
(7.01.09 → 21.12.08)
Den nächsten Tag hatte ich Chance eine Horde Kinder in Action zu erleben. Spannend, lustig, aber kann auch sehr anstrengend sein. 2 raufende Jungen im Zimmer sind eher hinderlich, wenn man ein besinnliches Gespräch führen möchte. Der Älteste der Bande, ein metalbehangener, junger Mann von 16 Jahren hatte am Vortag jedoch eine Echse gefangen, welche die Raufbolde zeitweise in ihren Bann zog. Nun ergab es sich, dass er neben der schlanken schwarzen Echse (Wer weiß schon, ob man sie Leguane nennt oder die noch größer sind…) noch eine weitere Grüne bezwang. Ich dachte ich wär in der Urzeit gelandet. Nicht gerade unbeeindruckend, die Viecher. Ihr werdet euch sicher fragen, was er denn mit diesen Biestern anstellen wollte. Auch ich war etwas überrascht als es dann hieß, dass er sie für gutes Geld in Guadalajara an den Mann… perdon… an den Mensch bringen würde. Angesichts dieser Aussicht war das Geschreie natürlich groß, als sich die Monströsere der Beiden, der Gründrache, mithilfe eines gewagten Sprunges in den Nachbargarten rettete. Sie muss geahnt haben, dass dieser Spannung die Schnur nicht standhält. Also ging das große Rennen los. Ab in den Nachbargarten, in der Hoffnung ihr noch nachstellen zu können. Doch vergebens… Die Hoffnung wurde aufgegeben. Doch zu früh verzagt. 1 Stunde später hieß es von der Nachbarin. „ Es sitzt in meinem Schlafzimmer an der Wand. Kommt schnell!“ Und das ließ sich Toni natürlich nicht 2mal sagen. Und nun wurde es natürlich sorgfältig und fest verschnürt, auf dass es sich nicht nochmals befreien könne.
Der weitere Tag strich mit dem Herunterholen von Kokosnüssen vorrüber. Doch leider nicht auf die aus Erzählungen schon beeindruckende Affenweise, sondern mit Leiter und Seil. Leiter ran, Leiter hoch, Seil um großen Strunk, mit Machete Strunk trennen, vom Assistenten Gefahr bannen lassen, da der Fall vom Seil beendet wird.
Dann ging es erneut nach Las Penas, weil diesen Abend ein weiteres Touristenfest veranstaltet werden sollte. Die Schildkrötenfreilassung von Muttertieren und Schildkrötchen war faszinierend, aber zugleich sehr mitleiderregend, da die Menschenmassen sicherlich nicht gerade furchtmindernd waren. Die Gruppe, die dann aufgespielt hat, war nicht schlecht, aber da auch mir heute die Lust zu Tanz fehlte, konnte ich mich nicht von der Richtung ablenken, der meiner nur bedingt antsprach. Und auch der im Anschluss angesetzte Bikinitanzwettbewerb war etwas unspektakulär, da sich nur 2 Teilnehmerinnen finden ließen und so keine richtige Stimmung aufkam. Aber mich hat es sowieso nicht gereizt. Der Sonnenuntergang war dann jedoch ausgleichend.
Ein wichtiges Detail des Rückblicks der Chucu-Zeit, das ich noch nicht angesprochen hatte, ist die Alkoholhaltung der anwesenden Männerschaft. Nicht ohne Grund treffen sich Domingo und Miguel nur einmal im Jahr. Wahrscheinlich würden ihre Leber sonst dem Druck nicht standhalten können. Morgens wird mit Bier angefangen und nachts mit Tequila pur abgeschlossen. Platz 1 in Sachen Unbehagen in dieser Zeit war die Beobachtung eines ganz besonderen Cocktail- Schmankerls. Tequila mit Schildkröteneiern. Erneut packte mich das Mitleid, durchwoben von Ekel.
Was lässt sich noch über die kurze Zeit in Chucutitan sagen. In den 2 Tagen sind mir die Bälger/Blagen (Ne, Käse?) ziemlich ans Herz gewachsen, auch wenn ich weiß, dass ich keine 4 Jungs aufziehen möchte. Sie haben eine ganz andere Art von Energie als Mädchen. Nichtsdestotrotz freue ich mich darauf die Einladung Miguels nach Guadalajara wahrzunehmen und sie wiederzusehen.
(7.01.09 → 22.12.08)
Den nächsten Morgen dann brachen wir mit Sack und Pack aus Chucu auf, um unserem Weihnachten in Las Canas entgegenzustreben.
(Siehe Ferien II)