Archiv nach Monaten: Januar 2009

Ich habe keine Lust mehr auf Ferien, Freizeit oder Ähnliches, was darin resultiert nicht richtig was zu tun haben. Klar, ich kann mir Gedanken über meine Zukunft oder mein Studium machen, Reisen planen oder lesen, aber das sind alles Dinge bei denen man keine Resultate sieht. Ich könnte/kann auch weiter reisen und noch mehr von Mexiko entdecken, aber wenn ich ehrlich bin, bin ich dazu zu abhängig von Gesellschaft (nicht „society“, sondern „company“). Ich mag es nicht gerne alleine zu reisen und sämtliche Gefährten sind ja bereits dabei zu arbeiten oder haben selbst Gefährten… Ich jedoch muss noch bis zum 9. oder gar bis 16. Februar rumgammeln bis ich endlich wieder was zu tun bekommen. Und nicht mal dann weiß ich, ob ich mich wohl fühlen werde. Mir ist aufgefallen, dass das Dorfleben, zumindest was Miteinanderleben (Convivencia) anbetrifft sicherlich weniger Hürden aufweist als das Stadtleben. In einer Stadt kennt nicht jeder jeden und man grüßt sich mit allen. Außerdem glaube ich, dass ich in einer Stadt weniger verändern kann, weil dort mehr an allem dran hängt. Ich weiß nicht, ob ich in eine Familie komme, die aktiv miteinander lebt, in der ich die Chance habe, andere Menschen kennenzulernen. Außerdem reisen wir Ende Februar auch schon wieder aus. Das heisst, ich werde allerhöchstens vom 9. (oder 16.) bis 20 arbeiten und mache dann wieder die Biege. Wenn auch unvollständig, belasse ich es bei dem, was jetzt hier steht. Puebla folgt bei Gelegenheit…

(19.01.08 → 01.01.09)

Donnerstagmorgen fuhren wir dann 7 ½ Stunden nach Oaxaca, eine grausame Busstrecke. Kurvig, hügelig und das ganze Paket zudem in einem nicht gerade vertrauenerweckenden Gefährt. Noch weniger, als an einem Rad herumgeschraubt wurde. Mit uns mit fuhr eine Gruppe US-amerikanischer Touristen und es zeigte sich, dass Vorurteile manches Mal nicht aus der Luft gegriffen sind. Laut und rücksichtslos wurde sich unterhalten, Fotos geschossen, Videos gedreht und das Vorurteil unterstrichen. Glücklicherweise beruhigten sich jene während der Fahrt zusehends.

Angekommen in Oaxaca war es früher Abend. Wir nahmen uns ein Taxi zum Hostal, dass Maren zuvor herausgesucht hatte. Das Hostal Casa Don Pablo ist eine wunderschöne kleine Jugendherberge voller Menschen verschiedenster Nationen, kostenlosem Internet, tollem Frühstück inbegriffen und schönen Zimmern, also auf jeden Fall weiterzuempfehlen.

Dort lernte ich Byron kennen, einen US-amerikanischen Mann, der soviel geerbt hat, dass er von dem Geld reisen kann. Er hat mich mit der Idee von Couchsurfing angesteckt. Couchsurfing ist eine Internetcommunity, die dir die Chance gibt, kostenlos in fast jeder x-beliebigen Stadt Anschluss zu finden, weil du bei einem Einheimischen untergebracht wirst. Das ist allemal cooler als zurückgezogen in einem Luxushotel. Zweifler mögen sagen: „Aber das ist doch viel zu gefährlich!“ Nein, ist es nicht. Denn jeder Teilnehmer wird über Kommentare und Empfehlungen überprüft und verifiziert. Mit jenem Byron unterhielt ich mich in der folgenden Nacht über Gott und die Welt. Wir sprachen über Vorurteile und das Vorurteile manches Mal allein deswegen, dass sie existieren zur Wahrheit werden. Ganz wie in Frischs großartigem Drama „Andorra“. Wir sprachen über die Vielfalt des mexikanischen Landes, die Abgedroschenheit der US-amerikanischen Kultur und Religionsfreiheit. Sehr erfrischendes Gespräch!

Am ersten Abend jedoch schauten wir deutschen Freiwilligen uns noch mal den Zocalo an. Dort trafen wir zufällig auf Lucy und ihre Eltern, die uns in Aussicht stellten am Sonntag mit ihnen mit nach Mexico City zu fahren. Alisa und ich wollten schon in Puebla abspringen, aber nichtsdestotrotz lag das auf dem Weg.

(22.01.09 → 02.01.09)

Janina und ich flanierten am nächsten Tag durch die Stadt, die mit zwei wunderschönen traditionellen Märkten und schöner Architektur zu beeindrucken weiß. Außerdem säumen die meisten Straßen kleine Stände, die nochmals Handwerkskunst oder Köstlichkeiten anbieten.

Das Highlight diesen Tages war jedoch die Entdeckung einer Galerie, namens „Raizes“ (oder Raiz es), also Wurzeln (Wurzel ist), in welcher zeitgenössische Kunst ausgestellt war. Wir trafen den Besitzer der Galerie, der uns ein wenig zu seinen eigenen Werken erläuterte, die alle eine persönliche Bedeutung für ihn hatten. Es war eine spannende Begegnung und die Bilder waren durchaus beeindruckend, besonders ein Hyperrealist hatte es mir angetan.

Ein weiterer Pluspunkt für Oaxaca. Kultur im Überschwang! An jeder vierten Straßenecke konnte man eine Musikgruppe aufspielen hören; dazu die visuelle Kultur in Form von Gemalten, wie bereits erläutert ist Oaxaca eine Hochburg von Malern. (So sagte man uns)

(22.01.09 → 03.01.09)

Am Samstag wagten wir es Grashüpfer zu verspeisen. Schmecken wir bitter-sauer-scharfe Chips, wenn man vergessen kann, was man isst. Nicht großartig, aber unbedingt spannend, um seine Körperbeherrschung zu trainieren. :)

Während der Rest der Gruppe dann auf eine kleine Tour in die Stadtumgebung fuhr, zogen Janina und ich es vor weiter die Stadt zu erkunden. Dabei stießen wir auf einen sehr steilen Hügel, den eine Straße hinaufführte; mitten durch eine Wohnsiedlung. Unsere Abenteuerlust war gepackt. Die Blicke, der dort wohnenden Mexikaner waren unbedingt sehenswert. Nie zuvor schien ein „Guerro“ dieses Vorhaben der Besteigung in Angriff genommen zu haben. Es war auch mit ein wenig Anstrengung verbunden, aber es hat sich gelohnt. Der Ausblick war phänomenal. Von oben hinunter ließ sich erneut die Vielfalt der Stadt von wunderschönen Vierteln über heruntergekommene Gegenden zu dem Flughafen in der Ferne erahnen.

Abends feierten wir Kaddys Geburtstag, die sich von unseren geschenkten Grashüpfer durchaus erfreuen ließ. Ich persönlich ersparte mir den anschließenden Tanzmarathon, aber Kaddy und Co gingen dann auf die Piste.

Am nächsten Morgen, bevor uns zu Treffpunkt mit Lucy aufmachten, trafen wir auf noch einen Österreicher, der die Mädels begleitet hatte, der uns erzählte, dass er 25 sei, mit 18 angefangen hat als Ingenieur zu arbeiten, dann gekündigt hat und nun solange reist, bis er keine Lust mehr hat und dann macht er ein Hostel oder so auf. Diese Lebensgeschichte hat mich dermaßen beeindruckt, dass ich wirklich enttäuscht bin, dass ich mich zum Ingenieur nicht so wirklich berufen fühle. Dies ist eine der ersten Lebenspläne, die ich präsentiert bekomme, die sowohl ökonomische, als auch idealistische Zielsetzungen befriedigt.

(22.01.09 → 04.01.09)

Dann nach Puebla! (Alisa und ich zumindest. Lucy, Familie und Janina nach Mexico DF und von dort nach El Rosario, dem Monarchfalterdorf)

(16.01.09 → 30.12.08 )

Um Silvester mit einigen anderen Freiwilligen am Strand zu verbringen, nahmen wir den langen Weg von Zihuatanejo nach Puerto Escondido auf uns. Um 9.35 Uhr von Zihuatanejo los, kamen wir um 1.30 in Acapulco an, wo wir eine Stunde rumgammelten, um dann weiter nach Puerto Escondido zu fahren. Diesem Plan kam dann jedoch eine Panne dazwischen. Wir mussten einen Halt in Pinotepa, einem kleinen Ort irgendwo zwischen Acapulco und Puerto Escondido machen und hoffen, dass uns ein Ersatzbus gestellt werden würde. Als wir nach einer Stunde die Hoffnung schon aufgegeben hatten, konnten wir dann endlich weiterfahren.

Puerto Escondido stellte sich als gar nicht mal so kleiner, aber recht touristischer Ort mit einer schönen Fußgängerzone mit viel mexikanischer Handwerksarbeit heraus. Das Hostel, dass Maren und Steffen (andere Freiwillige, samt eingereisten Partner) für uns ausgesucht hatten, stellte sich zwar als einigermaßen billig heraus, hatte aber auch kein Wasser. Also haben wir noch etwas weitergesucht und sind dann in einem brüchigen Hotel, was zum Verkauf steht, in einem 4er-Zimmer untergekommen. Heißes Wasser und Strandnähe überzeugten uns.

Den Abend streunten wir noch etwas durch die Fußgängerzone und es zeigte sich, dass diese Zeit des Jahres keine Gringotouristenzeit ist. Wir sahen viele mexikanische Touristen, aber eher wenig hellhäutige Menschen.

Um 5 Uhr stießen wir auf das Wohl unserer feiernden Heimat an und begossen das deutsche Neujahr mit Sekt und Apfelmost. In der Jugendherberge, die Hütten vermietete und Platz für Zelte zur Verfügung stellte, änderte sich der Eindruck, was Touristen angeht. Hier fanden wir einige „guerros“. (blond)

Auch als wir am Abend – Silvester – den Strand entlangschlenderten, trafen wir auf Ausländer. Eigentlich auf der Suche nach einer größeren Gemeinschaft, vielleicht auch um ein wenig zu tanzen, hielten wir bei einem großen Lagerfeuer inne und verweilten dort die letzte Zeit. Dort hielten sich einige Franzosen und Us-Amerikaner auf. Im Strand liegend, ein wenig frierend, ein wenig wegen des Feuers schwitzend, sahen wir über uns am Himmel einige beeindruckende Raketen erstrahlen. Gegen die Qualität kann man echt nichts einwenden, wäre bloß die Quantität etwas überzeugender gewesen. Besonders lange konnte man nämlich nichts bewundern. Es war ein nahezu kurzes Spektakel, was mich persönlich etwas enttäuscht hat, da ich in einer Touristen„hochburg“ von etwas größeren Aufwänden ausgegangen war.

Später dann testete man noch mal die Wassertemperatur und entschied das man bettreif sei.

Den Morgen wurde alles wieder ausgeklaubt, was man in einem Tag und einer Nacht verstreuen kann, um sich am Donnerstag auf den Weg nach Oaxaca zu machen.

(12.01.09 → 27.12.08)

Zihuatanejo. Wir hatten damit gerechnet, dass es voll sein würde, aber nachdem wir 4 Hotels abgeklappert hatten, verließ uns schon ein wenig der Mut. Eine gealterte Dame wollte uns für 400 Pesos die Nacht, ein Zimmer andrehen, in welchem ihr Mann während wir fragten, den Duschkopf anbrachte. Rundherum war Renovierung im vollen Gange. Wir hatten zwar keine besonders hohen Ansprüche, aber zumindest der Preis sollte bei fehlendem Komfort angemessen sein. Also suchten wir weiter. Angelockt von einem Schild „Renta de cuartos“ erkundigten wir uns bei selbigen Haus. „Nein, ich vermiete nur monatsweise“. Ein Mann schaltete sich ins Gespräch und meinte, dass er uns wo hinbringen könne, wo wir nachtweise bezahlen könnten. Also los! Und immer tiefer ging es ins Viertel hinein. Plötzlich kam uns alles wieder bekannt vor, was den Lebensstil angeht. Ähnliche Vorhöfe wie wir aus unseren Dörfern gewohnt waren, zeigten sich uns. Und in einen dieser Höfe führte uns unsere „Bekanntschaft“. Dort erwartete uns ein bebrillter Mann, dem man ein langes Leben ansehen konnte und der erst einmal wirklich verdutzt war, als wir nach dem Zimmer fragten. Offensichtlich hatte er niemals Gaeste unseres Menschenschlags. Als wir es uns zeigen ließen, stellte sich heraus, dass es kein möbliertes Zimmer war, sondern einfach ein Zimmer. Ein Zimmer mit nichts. Er fügte aber sofort hinzu, als er mitbekam, dass wir nur 3 Nächte bleiben wollen, anstatt Wochen, wie gewohnt, dass er uns ein Matratze ins Zimmer legen könne und einen Ventilator geben würde. Und der Preis stimmte wirklich. 150 Pesos die Nacht. Nun begann das Grübeln. Da wir unser Gepäck noch in einem Coppel gelagert hatten, blieb uns ein wenig Zeit nachzudenken. Auf dem Rückweg fragten wir noch mal in einem Hotel, das wir auf dem Hinweg passiert hatten. 300 Pesos fuer ein süßes, sauberes Zimmer. Nun ging das Grübeln wirklich los. Ein wenig Luxus, Abgeschiedenheit und doppelter Preis oder Wagnis, Abenteuer und Mainstreamferne. Wir überlegten hin- und her und konnten uns nicht entscheiden. Als ich gerade den Entschluss gefasst hatte, das Wagnis einzugehen (mit dem Gefühl, das Janina tendenziell eher diese Option wählen wollte), meinte sie: „Ich fange gerade an die Vorzüge des Hotels zu erkennen.“ Und wir begannen wieder von vorn. Mit einem etwas mulmigen Gefuehl entschieden wir uns dann fuer Willy, den alten Zimmerling. Wir holten unsere Sachen und richteten uns haeuslich bei ihm ein. Im Rueckblick muss ich sagen, dass es die richtige Entscheidung war. Wir haben mit Willy und seiner Frau Maria 2 tolle Gespraeche gefuehrt, die sich inhaltlich zwar etwas aehnelten, aber es war echt irgendwie ein bisschen niedlich dieselben Reaktionen zweifach zu sehen. Aber es war sehr spannend zu erfahren wie er sein Leben gelebt hat und dass er zum Beispiel sein Dorf wegen eines Wirbelsturms, der es zerstört hat, hinter sich lassen musste und dann auf dem Flughafen von Zihuatanejo gearbeitet hat, wovon er sich sein Leben wie es jetzt ist, aufgebaut hat. Außerdem hatte es einfach etwas viel spannenderes in so ein Zimmer zurückzukehren, als in ein Hotelzimmer zu dem man keinen Bezug aufbaut. Wir haben in drei Tagen 6 Filme angeschaut; das ist Rekord und war auch irgendwie nett. Was lässt sich zu dieser Zihua-Zeit noch sagen?

Die Erkundung der Strandlandschaft Zihuatanejos ergab einen recht eindeutigen Sieg für den Playa Principal, da er schlicht und einfach am meisten Charme besitzt, angesichts der überfüllten anderen Strände Madero und Ropa.

Außerdem machten wir viel Gebrauch von dem nahen Supersupermarkt Commercial Mexicana. Dort stockten wir vor unserer Abfahrt auch unseren Alkoholbestand (der zuvor gen 0 war) auf, um uns Silvester wenigstens ein wenig Feiergefühl einzutrichtern, denn eigentlich war es genauso wenig vorhanden wie das Weihnachtsgefühl eine Woche zuvor.

Flanieren in Zihuatanejo ist unbedingt empfehlenswert.

Und nun auf nach Puerto Escondido!

- Dienstag, den 30.12 – 2 h Aufenthalt in Acapulco – 5 nach halb10 bis halb2 Acapulco bis halb3, dann nach Pinotepa

- Mittwoch Silvester am Strand mit den anderen Freiwilligen

- Donnerstag, den 1. 7 ½ Stunden nach Oaxaca gefahren, Byron kennengelernt

- Freitag die Stadt erkundet, Galerie,

- Samstag Grashüpfer gegessen und auf den Hügel gestiegen

- Samstag abends Kaddy verfeiert

- Sonntag früh in der Lucykutsche nach Puebla, Tagsüber Puebla kennengelernt, Zocalo, Catedral, Abends Nicotina

- Leben eines Ingenieurs

- Montag mit Familie telefoniert und dann in einem tollen Kaffee gewesen, Abend Tischtennis und Beavis &Buthead

- Dienstag Cholula, Tunnel, Pyramide, Kirche, Kloster, Museum, Musik, Tischtennis wieder gewonnen

- Mittwochmorgen Ietza und Lorena angerufen. Wechsel nach Guacamayas geht klar.

- Dann mit Eltern von Beto in die Stadt gefahren und Haus der Kultur und im Museum Amparo eine großartige Ausstellung gesehen.

- Donnerstag in die City, mit Turibus, dann auf Beto gewartet, Misionero Rafa kennengelernt, tolle begegnung, tolle geschichten, dann piercing

- Freitag Tanzbar, komischer Deutscher, der mich auch komisch fand

- Samstag Cacaxtla und abends Musikkneipe

- Sonntag Mexico City, bei Adrian eingenistet, nur Pläne für Peru gemacht

- Montag mit Miriam getroffen; überwältigt von der Stadt gewesen, aber völlig überfordert und ich habe mich sehr einsam gefühlt

- Kathedrale angesehen, beeindruckend

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(9.01.09 → 25.12.08)

Nachdem wir ewig bei Gabina saßen und auf einen Raite hofften, fragte ich bei Ricardo, ob er uns nicht auch eine Raite vermitteln können, da er ja in den Casetas arbeitet und so alle Gefährte bei ihm durchkommen, die nach Lazaro fahren. Er fragte also alle größeren, eher leeren Wagen, ob sie uns nach Lazaro mitnehmen könnten. Doch das Glück war uns vorerst nicht hold. Doch dann kam ein sehr schicker Wagen, in dem 3 mittelalte Männer und eine Frau saßen. Juxhaft streckte ich dem hinteren Mann meinen Daumen entgegen und der rief dem Fahrer etwas zu. Jener: Wohin solls denn gehen? – Ixtapa. -Springt rein. Fix wurde die dritte Bank von Gepäck befreit und wir reingeschmissen. Es war kaum zu glauben. Wir waren beide etwas baff, weil es so plötzlich und so einfach war. Außerdem war das Auto unglaublich bequem, klimatisiert und die Truppe war zum Schießen. Es stellte sich heraus, dass die drei unterwegs nach Ixtapa waren, um dort die Häuser des Fahrenden an Touristen zu vermieten. (Sein Vater habe wohl auch ein Hotel in Morelia; sie sind also nicht ganz arm…) Begleitet wurden sie von einer Frau, die für die Sauberhaltung der Häuser zuständig war. Typische Rollenverteilung. Die drei Mittdreißiger besoffen sich schamlos mit Bier und fluchten ungehemmt, während die Dame etwas verhalten in einer anderen Ecke saß und schwieg. Angekommen in Ixtapa meinte Poncho, der Besitzer der Häuser, dass wir, falls wir möchten, doch eine Nacht in einem der Häuser bleiben können, da sie dort auch wohnen und es dementsprechend nicht vermieten können. Das Häuschen hatte einen stilvoll eingerichteten Wohnraum mit Küche, 3 große Schlafräume und einen Pool. Dankend nahmen wir das Angebot an, denn wie war das doch gleich mit dem geschenkten Gaul?

Wir machten uns auf Ixtapa zu erkunden. Vorher schon wussten wir, dass es wohl sehr touristisch sein würde, aber eine Stadt, die keine Wohngebiete aufzuweisen hat, sondern nur Hotels hatten wir nun auch nicht erwartet. In den Supermärkten gab es keine Preise an den Produkten. Vermutlich fällt es bei den dort verweilenden Touristen nicht ins Gewicht, ob es nun 30 oder 100 Pesos sind. Auch der Strand war gesäumt von Hotels und völlig überfüllt. Wir schauten uns einen wunderschönen Sonnenuntergang an und ich spielte etwas Beachsoccer. Dann kehrten wir in das Haus zurück und genehmigten uns noch ein Bad im Schwimmbecken. Anschließend gesellten wir uns zu dem erneut fröhlich begießenden Trio, dass inzwischen auf Martell-Cognac mit Cola umgestiegen war.

(10.01.09 → 26.12.08)

Am nächsten Tag brachten uns die Herren, bevor sie zur „Arbeit“ fuhren, netterweise am kleinen Dorfstrand Los Troncones vorbei. Das dazugehörige Dorf hat keine besondere Aufmerksamkeit verdient, aber der Strand ist echt schön und vor allem recht einsam. Und die Steinansammlungen, die immer zum nächsten Strandabschnitt führen, sind unterhaltsame Kletterspielzeuge. Nachdem wir den ganzen Tag dort in der Sonne brutzelten, lasen, Orangen aßen, schwommen und spazierten waren wir dermaßen hungrig, dass wir uns in einem schönen Strandrestaurant verköstigen ließen. Im Anschluss „wanderten“ wir aus dem Dorf ca 5 km zu der Straße, an der wir einen leeren Bus erwischten, der uns mit nach Zihuatanejo. Anfangs noch von 10 Pesos redend, wollte der Busfahrergehilfe (jene, die immer abkassieren) mir am Ende weismachen, dass wir 50 Pesos zahlen sollten und bemerkte nicht, dass ich auf Spanisch mit ihm sprach. Behände versuchte er uns zu bedeuten, dass es 50 seien. Glücklicherweise bedeutete ihm dann der Busfahrer selbst, dass wir ihn verstehen würden und das wir uns gemerkt hatten, dass anfangs von weniger die Rede war. Mit 30 Pesos gab er sich dann zufrieden. Geschafft nahmen wir einen Bus nach Ixtapa und fielen alsbals auch ins Bett.

(10.01.09 → 27.12.08)

Wir lernten noch Liz, die etwas dickliche, aber unglaublich herzliche Frau des einen Mannes, Joel,  kennen und sie lud uns ein sie doch einmal in Morelia zu besuchen. So sammelt man nach und nach Kontakte im ganzen Land.

Wir zumindest packten unsere Sachen zusammen, um dann weiter nach Zihuatanejo zu reisen. Dort wollten wir die Zwischentage genießen, weil uns die Stadt die letzten beiden Male so gefallen hat.

 

(09.01.09)

Das Warten hat ein Ende. Ich weiß nun endlich, wo ich meine zweiten 4 Monate verbringen werde. Vorgestern sprach ich mit der Mitarbeiterin CECyTEMs, die für den Einsatz von auslädnischen Freiwilligen in der CECyTEM-Sparte zuständig ist. Zuvor unterstand ich ja immer dem Urteil von Ietza, die jedoch nur für die CEMSAD-Schulen, also die „Larga Distancia“-Sparte. Da ich jedoch das Dorfleben etwas satt hatte und außerdem die Dorfalternativen entweder Drogenkartell La Ruana, weiterhin Las Canas oder als aehnlich deklariertes Dorf, Serrano, eher missbilligte, erkundigte ich mich in der Lazaro Cardenas-Schule „Cecytem Guacamayas“, ob sie denn nicht dort auch Freiwillige benötigen könnten. Der Subdirektor bejahte diese Frage und Lorena meinte nun, dass sie sich sicherlich nicht dazwischen stellen würde, wenn beide Parteien zufrieden seien.

Nun komme ich zu den Nachteilen. Ich habe die Angst, dass die Anonymität in Lazaro Cardenas so groß sein wird, das ich anfangs eine ähnliche Einsamkeit erfahren werde wie in Las Canas. Die Problem plane ich jedoch zu umgehen, in dem ich meiner Freizeitgestaltung Aufmerksamkeit widme, indem ich entweder einem Tischtennis-, Basketball- oder Fußballverein oder einem Chor beitrete oder einen Kampfsport beginne. Außerdem meinte die Englischlehrerin mit der ich mich bereits in Guacamayas unterhielt, dass die Studenten der örtlichen Universität auch nach Hilfe gieren. Innerhalb des Studienfachs moderne Sprachen wird auch Deutsch angeboten, womit ich nach eigenem Empfinden nachhilfetechnisch durchaus dienen könnte.

Ein weiterer Nachteil ist mein Gewissen, welches mir gelegentlich enttäuscht zuzischelt: „Glaubst du wirklich die Städter brauchen deine Hilfe? Die kennen doch die Welt außerhalb Mexikos schon. Ist das denn wirklich ein kultureller Austausch? Und wolltest du dich nicht eigentlich entwickeln?Glaubst du, du entwickelst dich, wenn du unter ähnlichen Umständen wie in Deutschland lebst?“ Dem kann ich nur entgegenbringen, dass ich glaube, dass der Austausch auch in der Stadt stattfindet. Was seine Schwere anbetrifft, hat mein Gewissen wahrscheinlich recht. Ich würde mehr dazulernen und mitnehmen, hätte ich den Mut ein weiteres Semester in der „Wildnis“ mein Dasein zu fristen. Aber wozu gibt es denn Wochenenden, in denen man aus spartechnischen (oder anderen) Gründen nicht weit verreisen will, in die Schreimat zurückkehren kann. Die Dinge, sprich menschlichen Wesen, die ich vermissen werde (Gabina, Daniela, Tulo, Ricardo, Jose, Aida, Lidio, Mauricio, Ulises) sind eh viel zugänglicher am Wochenende.

Miedo Numero tres: weltwaerts. Ich meine mich zu erinnern, dass weltwaerts mein Projekt erst legitimieren, also absegnen muss, bevor das Geld fließt. Nun ist meine Angst, dass ich aufgrund des Wechsels nicht mehr den Bedingungen entspreche und der Hahn zugedreht wird. Auf der anderen Seite bin ich der Meinung, dass für die Überprüfung dieser Begebenheit meine ansässige mexikanische Organisation zuständig ist. Auf der anderen Seite ist die Verlässlichkeit mexikanischer Institutionen nicht gerade krisenerprobt und empirisch eher als mau zu bezeichnen. Warten wirs ab…

Was noch dazu kommt, ist mein Ferienpensum. Heute sprach ich mit dem schon kennengelernten Subdirektor Guacamayas’, in der Hoffnung er würde sagen: „Wir erwarten, dass du am 1. Februar pünktlich um 8 Uhr bei uns erscheinst, da wir das Semester vorbereiten wollen. Wir müssen überlegen an welchen Tagen du Vorträge hältst, wie wir dich am besten in die Schule integrieren und wie wir dich sonst noch verwenden/benutzen/gebrauchen/missbrauchen/beschäftigen können“ (1. Februar wäre immer noch 2 Wochen später, als die CEMSADler beginnen… Auch deshalb fühle ich mich schlecht. Es kommt mir so ungerecht gegenüber meinen Leidensgenossen vor… :( ) Doch ich hätte wissen müssen, dass ich so viel Tatendrang nicht erwarten darf. „Am 9. Februar beginnen die Unterrichtsstunden, doch bis wir eine Familie gefunden haben, die bereit ist, dich aufzunehmen und das Organisatorische geklärt ist, verstreicht bestimmt wieder eine weitere Woche. Also stelle dich erst mal auf den 16. Februar ein. Und ruf mich Montag noch mal an, ja?“

Na klasse… Ich war mir schon unschlüssig, wie ich die Zeit bis zu meinem gedanklichen Fixpunkt 1. Februar hätte herumkriegen sollen, ohne jemandem auf die Nerven zu gehen und nun das…

Zumal wir am 21. Februar ausreiseverpflichtet sind. Das heisst ich würde am 16. kommen, am 21. wieder fahren, am 9. März wiederkommen, 3 Wochen arbeiten und im April zu Ostern wieder wegzischen. Sehr verantwortungsbewusst und fleissig, nicht wahr? *Gnarf* Es ist ja nun auch nicht so, dass ich es nicht abwarten kann, mich in Arbeit zu stürzen, aber ich wollte auch ein wenig Herausforderung, um weiter an meiner geistigen und disziplinbezogenen Kapazität und Verfassung zu schmieden.

So habe ich genug Zeit, um mir Gedanken über meine berufliche Zukunft zu machen und Pläne zu schmieden. Klingt auch nicht schlecht, nicht wahr…? Ihr jedenfalls seid herzlich eingeladen meine Orientierungsphase in eine bestimmte Richtung zu schubsen, wenn ihr gute Ideen habt, zu welchen Schandtaten ich mich eigne.

(8.01.09 → 22.12.08 – 25.12.08)

 

In Lazaro Cardenas nisteten wir uns noch ein wenig bei Beto ein, bekamen leckere Doritos, kauften Kopfhörer (die inzwischen schon wieder kaputt sind, weil der geflickte Kabelbruch sich wieder gelöst hat. So ein Betrug, dass sie bereits einmal kaputt gewesene Kopfhörer nochmal verkaufen und wie doof, dass ich darauf reinfalle.), ein Handtuch und setzten uns dann in den Bus nach Las Canas.

 

Was erlebten wir dann in Las Canas? Wir waren auf 3 weiteren Posadas, die sich alle sehr schön gestalteten, auch wenn der Anteil von Beten sehr einnehmend ist und ich nach dem 5. Ave Maria keine Aufmerksamkeit mehr aufbringen kann.

Wir schauten uns Las Canas von einem Hügel an. Nicht zu vergleichen mit einer Stadt von oben, aber immerhin ein Rückzugsort.

Am Weihnachtsmorgen brutzelten wir in der Sonne, nachdem wir Internetdinge gluecklicherweise erledigen konnten Janina telefonierte mit ihrer Familie und ich schrieb Blog.

Von Weihnachten selbst jedoch war ich etwas enttäuscht. Der Gottesdienst war nicht besonders anders als die, die ich bereits gesehen hatte. Bei vier Familien eingeladen nahm ich nur drei von den Einladungen wahr, weil es sonst zu viel gewesen wäre. Bei Don Melitón war es unterhaltungstechnisch sehr nett, aber es kam nicht so richtig Harmonie auf, weil im Hintergrund die ganze Zeit Spielautomaten dudelten und die Mitglieder der Familie immer wieder aufstanden und aßen wann sie wollten. Das passt nicht in mein Bild von Weihnachten, bei dem man so lange zusammen sitzt, bis auch der letzte fertig ist. Die Ziege, die wohl frisch geschlachtet worden war, ließ sich auch nur mühsam runterkriegen, was wohl an den Innereien gelegen haben mag, die das Fleisch begleiteten. Wir ließen uns aber wenig anmerken und aßen nur, was wir nicht einem Organ zuordnen konnten.

Einladung 2 war bei den sog. Tanten, die nebenan wohnen. Es gab leckeren Punsch und angenehme Gespräche. Hier war das Weihnachtsgefühl schon größer, weil die Wohnung geschmückt war und etwas gemütlicher (da luxuriöser) ist. Blöd, dass ich Reichtum mit Weihnachtsgefühl verbinde. Aber eigentlich eher mit Gemütlichkeit und diese wiederum mit Weihnachten. Hier fanden wir auch die Erklärung, warum man in Mexiko nicht an die deutsche Geschenktradition gewohnt ist. Wenn man 30 Verwandte hat und nicht nur 5-7 ist es sehr kosten- und mühenintensiv für jeden etwas aufzutreiben.

Die dritte Einladung hatte ich bei Aida, die ich sicherlich schon einige Male erwähnt habe. Als ich um Viertel nach 12 bei ihrem Haus ankam, stand die versammelte Familie vor dem Guadalupe-Altar und betete. Patzcuala führte durch das Gebet. Patzcuala ist dieselbe Dame, die ich auf ihrer Ranch auf einem Hügel besuchte, falls ihr euch erinnert. Sie hat mich glaub ich ziemlich ins Herz geschlossen. Sie begrüßte mich mit einem sanften Lächeln und stellte mich erst mal jeder Person aus ihrer nicht gerade kleinen Familie vor. Dann packte mich der erbarmungslose Griff von Imelda, einer Tochter von Patzcuala, die mich auch schon an der Hochzeit mehrmals entführte. Sie meinte, dass wenn ich sie nicht zum Tanz auffordern würde, müsse sie es eben selbst machen. Und so auch diesmal. Die Familie saß in einem großen Kreis auf Plastikstühlen im Vorhof und lauschte der Musik aus der Anlage. Und sie tanzten… Auch eine interessante Variante eines Weihnachtsfests. Aber nicht meine…

Wie dem auch sei… So verstrich mein Weihnachten nahezu unbemerkt.

 

Wir blieben noch einen weiteren Tag und „entspannten“ uns beim Wäsche waschen. Wir warteten 3 Stunden vergebens auf einen Raite nach Lazaro Wir wollten von dort nach Ixtapa weiterfahren. Anstattdessen fanden wir einen Raite, der uns direkt nach Ixtapa mitnahm, direkt nach Ixtapa, doch dazu mehr in „Ferien III“.

 

 

Hallo Freunde, Familie, Kumpanen und Interessierte!

Nach längerer Zeit melde auch ich mich wieder. Wir schreiben den 6. Januar 2009, Tag der Könige. Ich befinde mich im Zuge meiner Halbjahresferien auf Durchreise Mexikos und momentan bin ich in Puebla, der sogenannten Stadt der Engel. Ich habe mich hier bei Roberto, dem ehemaligen Austauschschüler Patricks, meinem besten Kumpel, einquartiert. Jener hat nämlich über eine Freundin von uns beiden im November mitbekommen, dass ich mich in Mexiko befinde und war erzürnt, dass ich mich noch nicht bei ihm gemeldet hatte. Das holte ich nach und wir verabredeten  für die jetzige Zeit einen Besuch. Doch bevor ich beginnen kann meine Erlebnisse in der Kolonialstadt Puebla zu schildern, habe ich noch zwei ereignisreiche Wochen zu reproduzieren.

Ich sage nur Las Penas Strandspaß, Solera de Agua Quinzenera, Chucutitan Echsenjagd, Las Canas Weihnacht, Ixtapa Touristenhochburg, Los Troncones Rückzugsoption, Zihuatanejo Abenteuer Zimmermiete, Acapulco unbequeme Bänke, Puerto Escondido feuriges Neujahr, Oaxaca Kunst und Tradition, Puebla wunderbares Wiedersehen. Also auf ins Erinnerungsgetümmel…

 

(6.01.09 → 20.12.08)

Nachmittags verließ ich Lazaro Cardenas, um mich auf den Weg nach Las Penas zu machen, in welchem ich Janina treffen wollte. Von dort aus sollte es dann an diesem Abend nach Solera de Agua gehen, um endlich einmal einem Quinzenera, also einem 15. Geburtstag einer Jungdame beizuwohnen. Las Penas ist ein Dorf weiter als Chucutitan, liegt direkt am Strand und ist wohl ein Geheimtipp für Touristen. Jedenfalls war es recht voll und ich hatte ein wenig Mühe Janina und ihre Angehörigen zu finden. Dabei handelte es sich sogar nicht nur um ihre Gastfamilie, sondern auch um einen ehemaligen Arbeitskollegen ihres Gastvaters, der mitsamt einer Viererbande Enkel, seines angetrauten Eheweibes und ihres Sprößlings, aus Guadalajara angereist war. Nachdem ich all jenen vorgestellt wurde, entschuldigte ich mich, um mich mal wieder dem kühlen Nass des Meeres anzuvertrauen. Bald jedoch fuhren wir auch schon wieder zurück nach Chucutitan, da die Aktivitäten des Tages schon ein Ende gefunden hatten. Die Bühne, der wohl zu Belustigung von den angereisten Touristen aufgebaut war (und zuvor auch genutzt) war inzwischen leer. Die gesammelte Mannschaft schmiss sich in Schale, um auch einen guten Eindruck zu machen. Janinas Gastbruder Edgar zog sich einen ganz besonders schicken Anzug an, aber das wird noch später erläutert. Erneut fuhren wir mit ca 12 Personen auf dem Pickup los. Der Sportplatz von Solera de Agua war mit Luftballons ausgeschmückt und etliche Tische waren um die „Tanzfläche“ drapiert. Wir wurden aber gleich von einer Schülerin/Freundin von Janina geschnappt und mit an ihren Tisch gezogen. In ihr hatte Janina aber gleich eine Verbündete gefunden, was den Tanzboykott anging. Ich muss ja zugeben, dass die Musik noch immer nicht zu meiner favorisierten Lautmaschinerie gehört und doch, ich finde inzwischen Spaß daran mich dazu so zu bewegen, dass es Tanzen ähnelt. Oder zumindest dem, was der Durchschnitteinheimische als solches bezeichnet. Doch zurück zu der Veranstaltung. Ein Quinzenera ist die Präsentation einer jungen Frau vonseiten ihrer Familie. Sie ist nun in heiratsfähigem Alter (Ansichtssache… *hust*) und wird deshalb der Gesellschaft vorgestellt. Dementsprechend pompös ist ihre Aufmachung. Sie sieht aus wie eine Märchenprinzessin. Ein breites, buntes Kleid in einer grellen Farbe und Stöckelschuhe lassen den Eindruck entstehen sie sei bereits jenseits von Kindheit. In unserem Fall war es ein knalliges Rot. Der Hauptakt des Abends ist ein Tanz von der „Prinzessin“ und den vorher angeworbenen Bewerbern unter denen auch Janinas Gastbruder zu finden war. Es verhält sich nämlich folgendermaßen. Da ein Quinzenera eine Fest in der Größe einer Hochzeit ist, kommt einiges an Kosten zusammen. Deshalb hat man sich mal überlegt, dass einfach jede Familie einer Dorfgemeinschaft etwas zum Fest beisteuert. Eine stellt das Essen, eine andere Getränke, wieder andere die Torte usw. Und Edgars, sprich Janinas Familie musste eben Edgar einem Brautumwerber entsprechen, was bedeutet, dass er einen teuren Anzug kaufen oder mieten muss. Außerdem muss er die Zeit aufbringen einen Tanz einzustudieren. Bei diesem Tanz balzen die Bewerber um die 15.-jährige herum und sie kokettiert mit ihnen. Das Ganze zu dem kitschig-romatischen Takt von drei Vierteln, welche Tatsache die Diskussion aufwarf, ob das für die Bezeichnung dieses Abendpunkts verwendete Wort „vals“ (wieauchimmer geschrieben) nun  Walzer oder Balz heißen möge. Des Weiteren bekam die aus dem Traum der Kindheit Erwachende eine Krone aufgesetzt, womöglich die Krone des Wandels von Prinzessin zur Königin,  ihr letztes symbolisches Spielzeug: eine kniehohe Puppe und ein Überraschungsgeschenk: ein Handy. Dann wurde die Tanzfläche freigegeben und man konnte das bekannte Gehampel belustigt beobachten oder daran verschwinden, um selber einer beschämenswerten Freude nachzugehen.

Der Höhepunkt des Abends für mich persönlich war es sich mit Janina zusammen tanzend über die mexikanische Tanztradition lustig zu machen, indem wir sie imitierten und völlig überzogen darstellten. (Zu dieser Unterhaltung kam ich aber auch nur, weil die ebenso tanzunfleissige Gastmutter meinte, dass sie auch nur tanze, wenn Janina uns die Ehre gäbe).

Weiterhin war es sehr lustig mit anzusehen, wie der traditionelle Biss der Torte, ausgeführt von der Gefeierten, wie gewohnt, auch diesmal, in selbiger endete. „Gebt mir endlich ein Taschentuch, anstatt so idiotisch zu lachen“ Wohl noch in der Pubertät, die Gute… ;)

            Eine absolute Enttäuschung des Abends, um wieder aufs Tanzen anzuspielen, war es, dass uns der DJ auch nach dreimaligem Bitten keinen anständigen Reggeaton gönnte. Aber wahrscheinlich dachte er sich, dass man es mit mir ja machen könne.

Davon einmal abgesehen war es aber ein wirklich eindrucksvoller Abend, den man mindestens einmal nach ähnlicher Tradition miterleben sollte.

Die Nacht war nicht ganz bequem -auf einem durchgelegenen, zu kurzen Sofa platziert- aber es lässt mich ungefähr den Begriff Couchsurfing nachvollziehen und außerdem zeihe ich ein bisschen Unbehaglichkeit dem Verpassen eines Events, wie einen 15. Geburtstag, vor.

 

(7.01.09 → 21.12.08)

Den nächsten Tag hatte ich Chance eine Horde Kinder in Action zu erleben. Spannend, lustig, aber kann auch sehr anstrengend sein. 2 raufende Jungen im Zimmer sind eher hinderlich, wenn man ein besinnliches Gespräch führen möchte. Der Älteste der Bande, ein metalbehangener, junger Mann von 16 Jahren hatte am Vortag jedoch eine Echse gefangen, welche die Raufbolde zeitweise in ihren Bann zog. Nun ergab es sich, dass er neben der schlanken schwarzen Echse (Wer weiß schon, ob man sie Leguane nennt oder die noch größer sind…) noch eine weitere Grüne bezwang. Ich dachte ich wär in der Urzeit gelandet. Nicht gerade unbeeindruckend, die Viecher. Ihr werdet euch sicher fragen, was er denn mit diesen Biestern anstellen wollte. Auch ich war etwas überrascht als es dann hieß, dass er sie für gutes Geld in Guadalajara an den Mann… perdon… an den Mensch bringen würde. Angesichts dieser Aussicht war das Geschreie natürlich groß, als sich die Monströsere der Beiden, der Gründrache, mithilfe eines gewagten Sprunges in den Nachbargarten rettete. Sie muss geahnt haben, dass dieser Spannung die Schnur nicht standhält. Also ging das große Rennen los. Ab in den Nachbargarten, in der Hoffnung ihr noch nachstellen zu können. Doch vergebens… Die Hoffnung wurde aufgegeben. Doch zu früh verzagt. 1 Stunde später hieß es von der Nachbarin. „ Es sitzt in meinem Schlafzimmer an der Wand. Kommt schnell!“ Und das ließ sich Toni natürlich nicht 2mal sagen. Und nun wurde es natürlich sorgfältig und fest verschnürt, auf dass es sich nicht nochmals befreien könne.

Der weitere Tag strich mit dem Herunterholen von Kokosnüssen vorrüber. Doch leider nicht auf die aus Erzählungen schon beeindruckende Affenweise, sondern mit Leiter und Seil. Leiter ran, Leiter hoch, Seil um großen Strunk, mit Machete Strunk trennen, vom Assistenten Gefahr bannen lassen, da der Fall vom Seil beendet wird.

Dann ging es erneut nach Las Penas, weil diesen Abend ein weiteres Touristenfest veranstaltet werden sollte. Die Schildkrötenfreilassung von Muttertieren und Schildkrötchen war faszinierend, aber zugleich sehr mitleiderregend, da die Menschenmassen sicherlich nicht gerade furchtmindernd waren. Die Gruppe, die dann aufgespielt hat, war nicht schlecht, aber da auch mir heute die Lust zu Tanz fehlte, konnte ich mich nicht von der Richtung ablenken, der meiner nur bedingt antsprach. Und auch der im Anschluss angesetzte Bikinitanzwettbewerb war etwas unspektakulär, da sich nur 2 Teilnehmerinnen finden ließen und so keine richtige Stimmung aufkam. Aber mich hat es sowieso nicht gereizt. Der Sonnenuntergang war dann jedoch ausgleichend.

            Ein wichtiges Detail des Rückblicks der Chucu-Zeit, das ich noch nicht angesprochen hatte,  ist die Alkoholhaltung der anwesenden Männerschaft. Nicht ohne Grund treffen sich Domingo und Miguel nur einmal im Jahr. Wahrscheinlich würden ihre Leber sonst dem Druck nicht standhalten können. Morgens wird mit Bier angefangen und nachts mit Tequila pur abgeschlossen. Platz 1 in Sachen Unbehagen in dieser Zeit war die Beobachtung eines ganz besonderen Cocktail- Schmankerls. Tequila mit Schildkröteneiern. Erneut packte mich das Mitleid, durchwoben von Ekel.

            Was lässt sich noch über die kurze Zeit in Chucutitan sagen. In den 2 Tagen sind mir die Bälger/Blagen (Ne, Käse?) ziemlich ans Herz gewachsen, auch wenn ich weiß, dass ich keine 4 Jungs aufziehen möchte. Sie haben eine ganz andere Art von Energie als Mädchen. Nichtsdestotrotz freue ich mich darauf die Einladung Miguels nach Guadalajara wahrzunehmen und sie wiederzusehen.

 

(7.01.09 → 22.12.08)

Den nächsten Morgen dann brachen wir mit Sack und Pack aus Chucu auf, um unserem Weihnachten in Las Canas entgegenzustreben.

 

(Siehe Ferien II)