Archiv nach Monaten: November 2008

Als wir dann wie geschildert eine Stunde früher als befürchtet, sogar früher als erhofft in den Bus stiegen, waren wir noch guter Dinge. Das war dann nach 4 von 7 Stunden durchaus anders. Wir lasen, redeten, schwiegen, schliefen, planten unsere Ferien, schmökerten im Reiseführer, aber die Zeit zog sich wieder. Zumindest wenn ich mich an meine Gefühle während der Zeit erinnere. Zurückblickend sieht das jedoch immer anders aus. Da kommt einem alles vollkommen nichtig vor, verglichen mit Tagen an denen man wirklich etwas erlebt und die dadurch viel länger erscheinen als die sinnlos ver-reisten.

Von Lazaro Cardenas fuhren wir dann weiter nach Las Canas. Da Janina Montag und Dienstag aufgrund eines Kurses in Patzcuaro für ihre Lehrer frei hatte, opferte sie sich ihre freie Zeit, um dem Gerücht nachzugehen, dass mein Wohnort eine Schreckenshölle sei. Unglücklicherweise stellte sich später heraus, dass ihre Kollegen zwar den Kurs in Patzcuaro belegten, aber das nicht automatisch – wie es bei mir Gang und Gebe ist (Auch eine eigenartige Redewendung, wenn man es recht überlegt oder nicht?) – deshalb die Schule ausfällt. So war sie also eigentlich nicht freigestellt. Das kümmerte uns jedoch vorerst nicht, da wir ja keine Ahnung hatten, dass der Direktor mit der Hausmeisterin und der Sekretärin zusammen hat Unterricht geben wollen. So war Janina also in Las Canas. Wir kamen am Sonntagabend an und unsere erste Sorge galt der Bettenverteilung. Es gibt zwar ein weiteres Bett in meinem Zimmer, aber bisher wurde uns von der mexikanischen Gesellschaft eindeutig nahegelegt, dass das Schlafen zweier ungleichgeschlechtlicher Personen, also eines Mannes und einer Frau, in einem Zimmer, eine Heirat voraussetzt. So wurden wir auch, als wir uns anfangs, dessen nicht bewusst, wie selbstverständlich die Zimmer zu zweit teilten, öfters schief angeschaut oder zumindest gefragt, ob wir denn verheiratet seien. Dementsprechend verwirrt waren wir, als Gavina auf meine Frage wie wir das denn am Besten mit den Betten regeln sollten, ihrerseits verwirrt, sofort antwortete, dass doch ein weiteres Bett in meinem Zimmer stünde und ob es ein Problem damit gäbe, wenn sie darin schliefe. Es schien für Gavina nicht in Frage zu stehen, wo Janina schläft und auch ihr Angebot, dass sie im (noch leeren) Zimmer der Lehrer schlafen könne, war wohl vielmehr aus der Unsicherheit heraus angesichts unserer seltsamen Frage.

Montags dann machte sie denn „Fehler“ mich in die Schule zu begleiten. Da war das Gepfeife, Gerufe und Geschreie natürlich nicht allzu gering. Zu meiner Beruhigung bestätigte sie mir, dass meine Schüler weniger pflegeleicht und das Unterrichten sehr viel mühsamer ist. Außerdem seien die mir Anvertrauten auch weniger sympathisch, sondern vielmehr apatisch. Zumal es mit 40 Schülern in einer Klasse nochmals schwieriger wird. Heute zum Beispiel (10. November) wollte ich eigentlich eine Stunde lang nur spielen. Wiederholungsaufgäbelchen mit Wettbewerbscharakter, da Männer gegen Frauen. Das Ganze entpuppte sich dann zu einer Riesenschreierei, weil die zur Tafel entsandten sich meist allein nicht zu helfen wussten, was sie zum Unterstützung bei den Hintermännern suchen, zwang, und so zum Brüllkonzert ausartete.

Doch zurück zu dem damaligen Tag. Nach dem wir also einige Rufe und einen „Küss sie“-Chor über uns ergehen lassen mussten (den Janina geschickt mit einem „nunca en publico“ abblockte) verließen wir dann die Schule, um die Zweisamkeit in Einsamkeit genießen zu können.

Der Tag brachte noch einen Flanplan. Wir wollten Flan, eine Vanillekaramellcremespeise zubereiten, doch 2 essentielle Zutaten konnten wir im lokalen Minimarkt nicht finden.

Etwas planlos dümpelten wir im Haus herum, um dann einfach die Zeit zu nutzen und zu schlafen, da ich inzwischen eh gerne schlafe und Janina davon eh zu wenig bekommt in Chucu.

Stop

Kleiner Themawechsel. Wir bleiben bei Chucu, aber verlassen thematisch las Canas, zumindest anfänglich. Der Konzertplan ist inzwischen abgesagt, da ich nicht den Mumm besitze völlig allein im großen Mexiko City auf ein Konzert zu gehen. Außerdem ist sowas alleine meist nur halb so toll. Ich müsste es alleine machen, weil der Direktor von Janina beim besten Willen nicht einsehen will, dass seine zusätzliche Hilfskraft am Tage der mexikanischen Unabhängigkeit, dem 20. November, dem Tag der vielen Umzüge, den Ort des Geschehens verlassen will. Und alleine habe ich wie gesagt nicht die Traute dieses Abenteuer zu wagen. Ich denke das werde ich bereuen, da ich wahrscheinlich nie wieder in meinem Leben die Möglichkeit haben werde, Ska-P live zu sehen, aber was soll’s. Manchmal sollte man seine Ängste akzeptieren. Nun stellt sich die nächste Frage. Wenn ich am 20. schon nicht in Mexico City beim geilsten Konzert des Jahres – Ich mag Übertreibungen müsst ihr wissen – bin, wo dann? In meinem eigenen Dorf und nehme als Friedensflaggenträger unwohl daran teil?Oder nehme ich die Einladung von Jaime aus Chucutitan vollständig wahr und bleibe auch den 20.? Die Einladung bezieht sich auf das 2jährige Jubiläum von der Chucu-cemsad, dass vom 18.-20. stattfinden wird. Seit der Direktor von dort mitbekommen hat, dass mein Direktor nicht den Fleiß einer Biene, geschweige denn den eines ganzen Bienenschwarms, besitzt, hat er sich in den Kopf gesetzt den meinigen zu beeindrucken und zu beeinflussen. Ergo: Der Direktor muss kommen. Der erste Versuch ihn zu überzeugen, nämlich anhand von meinen Überredungskünsten, da der Direktor einfach mit dem Argument, dass ja der Umzug am 20. Zeit bräuchte um organisiert zu werden. Mir kam das zwar eher wie eine Ausrede vor, aber sei’s drum. Dann sollte ich ihm übermitteln, dass er doch bitte Jaime Chacon aus Chucu anriefe. Keine Reaktion… Erst bei dem Foro Ekologico änderte sich die Sachlage. Jetzt werden sich einige von euch, wenn nicht sogar alle kopfschüttelnd reden, wovon ich denn plötzlich rede. Touché. Das steht euch auch ohne Einschränkungen zu, da ich mit meinem „Lucha de los directores“, also der Exkursion den Anniversario betreffend, von der eigentlichen Chronologie abgewichen bin und ihr so noch gar nichts von algún foro wissen könnt.

<<Rewind<<

Nachdem ich schweren Herzens Janina am Dienstag wieder in einen LKW steckte, der sie sicher in Richtung ausgelagertes Heim, vorübergehend zumindest, geleiten sollte, (Was er sehr zufriedenstellend tat, und nicht nur das, sogar selbst zufriedengestellt, dermaßen zufriedengestellt, dass er ihr 100 Pesos als Zeichen der Anerkennung ihrer Arbeit und als Ermunterung das Land dessen Faszination sie teilen, weiter zu bereisen. Sachen gibt’s…) lief ich wieder mal die 3 Km von der Autopista in die geliebte Zuckerrohrzunft.

Nun wird es jedoch wieder schwieriger. Ich habe noch immer das Ziel vor Augen zu jedem Tag, den ich hier verbringe irgendwas zu schreiben. Das Problem dabei ist die Zeit. Der Mittwoch über den ich schreiben will ist morgen 2 Wochen her. Sind das hohe Ansprüche an mein Gedächnis oder nicht? Also ich finde eigentlich schon. Nun denn… Aus eben genannten Gründen kann ich euch über eben jenen Mittwoch nichts weiter sagen als dass ich meine dritte Stunde Secundaria hatte (zu der bis heute keine weitere gestoßen ist, da etwaige Zwischenfälle das Stattfinden weiterer verhinderten) Das zweite wichtige Ereignis war das Wiederkehren des Internets in der Schule, das inzwischen auch schon wieder der Vergangenheit angehört. Ich nutzte es jedoch soweit, dass ich herausfand, dass man über Skype sogar zusammen komponieren kann. Außerdem sprach ich telefonisch fast mit meiner ganzen Familie. Und das aus Las Canas. Eine schöne Abwechslung, die leider nicht von Dauer war.

Ich muss nun wohl erneut zu einer Exkursion ausholen, da ich glaube, dass ich das Thema der Miss CECyTEM noch nicht angeschnitten hatte. Jedes Jahr gibt es ein Mädchen, dass von ihrer Klasse nominiert wird an einem Wettbewerb teilzunehmen. Der Wettbewerb verpflichtet die Mädchen soviel Geld wie möglich zu sammeln. Dieses Geld geht dann an die Schule und das Mädchen, das am meisten Geld sammelt, wird Miss CECyTEM und darf nach Morelia auf irgendein Event fahren, um die Schule zu vertreten. Sie wählt sich dazu einen Mister CECyTEM und los geht die Fahrt. Im Zuge dieses Wettbewerbs bekommt jede Teilnehmerin auch die Möglichkeit Geld dabei zu sammeln ein Essen für die Schule zu organisieren. Normalerweise kümmert sich ja Dona Guerra darum. An jenem Mittwoch war jedoch das Tercero Semestre an der Reihe (Heute das Quinto). Mehr als das Drumherum kann ich eigentlich nicht erzählen, da das Essen an sich recht gewöhnlich war und auch sonst auch von keinen weiteren Vorkommnisse zu berichten ist.

Neben den Essen, die sie organisieren, gibt es diese Woche eine Disco-Musik-Tanz-Veranstaltung, bei der sie sich wohl vorstellen werden, um weiteres Geld zu ergattern oder so Ähnliches. Sie sollte eigentlich bereits letzten Donnerstag stattfinden, aber unser gutster Direktor hat es nicht gebacken bekommen, rechtzeitig eine Erlaubnis beim Administrator des Municipios (oder so ähnlich) einzuholen. Und auch dieses Mal ist es nicht ganz sicher ob es stattfinden wird, da niemand weiß, ob er diesmal für ein Soundsystem gesorgt hat und er sich ja auch erst am Mittwoch bequemt, herzukommen. Ich glaube, wenn ich nicht das Gefühl hätte, Tere, meiner Englischlehrerin, Konsequenz und Rechenschaft schuldig zu sein, würde ich das alles hier auch noch halbherzig beurteilen und genauso wie mein Direktor eher mein eigenes, egozentrisches Ding drehen. Und das Topping auf dem Eiscafé fehlt ja noch. Angeblich soll er ja auch Unterstützungen aus Morelia zur Hälfte in die eigene Tasche stecken. Ich wusste zwar, dass Korruption kein geringes Problem in Mexiko ist, aber es in der eigenen Umgebung hilflos mitzubekommen, ist doch ein anderes Gefühl als das bloße Des-Problems-bewusst-Sein. Auch die Lehrer beschwere sich ziemlich über ihn, aber ich glaube, dass sie resigniert sind, weil sie auf kurze Sicht eh nichts ändern können. Auf lange Sicht lohnt sich aber nicht, weil er schon in seinem letzten Jahr steckt. Nach drei Jahren wechselt man den Standort. Ich habe inzwischen auch herausgefunden wie man Direktor wird. Man kennt jemanden, der Direktor ist. Sehr differenziert und objektiv, nicht wahr?

Am Donnerstag fanden 2 andere Ereignisse ihren Schauplatz.

In Morelia wurde der Foro Ekologico , das ökologische Forum eröffnet. Freiwillige wurden zuhauf dorthin mitgeschleppt, da sie aufgrund ihrer europäischen Herkunft sicherlich einiges über Ökologie einbringen können würden. Mich ausgeschlossen, da mein werter oberster Verantwortungstragender der Meinung war, dass ich dort ja nichts tun könne. Also ließ er mich hier versauern. Da am Freitag aber meine Stunden in der Secundaria ausfielen, wie sie es hier regelmäßig tun, weil die Lehrer entweder streiken oder auf irgendwelche Kurse in Morelia fahren, (Inzwischen glaube ich fast, dass es nach dem willkürlichen Prinzip der Lust entschieden wird) fuhr ich am Freitag früh gegen 7 Uhr nach Morelia. Dort versuchte ich dann irgendwie herauszufinden, wie ich zu dem Universitätsgelände komme, auf dem das Forum stattfinden sollte. Das gestaltete sich aber recht schwierig, weil die Adresse, die ich hatte, der eines anderen Staatgebäudes wohl sehr ähnelt und ich dann immer wieder widersprüchliche Informationen und Anweisungen erhielt. Schlussendlich steckte mich ein Polizist in ein Taxi und gab ihm genaue Hinweise. Nach einer halben Stunde Fahrt (Niemals hätte ich erwartet, dass der Campus soweit außerhalb Morelias liegt) kamen wir endlich an einem wichtig aussehenden Gebäude an, dass sich dann auch als korrekt herausstellte. Ich schlich mich in den Seminarraum und entdeckte auch schon eine Reihe Freiwillige. So wirklich auf den Vortrag konzentrieren, konnte ich mich dann aber auch nicht mehr. Später wurde mir erzählt, dass die ganze Veranstaltung sehr aufgebauscht sei und wirklich konsequente Planungen nicht vorgestellt wurden. Und auch die Regenwurmlobeshymne sei etwas wirkungslos verpufft, da diese tollen natürlichen Müllverbrennungsanlagen kein Chilli vertrügen. Der neben der Veranstaltung organisierte Foto- und Malwettbewerb sowie eine Schimpftirade die die Schande, die die Umweltverschmutzung über die menschliche Rasse bringt, hervorhebt, ändert letztendlich gar nichts. Auf der anderen Seite sind Worte immer noch förderlicher als ausschließlich keine Taten. Besser redend informieren als schweigend nichts tun!

>> Fast Forward >>

Nun… Jetzt wisst ihr von welchem Foro ich redete. Auf diesem Foro fand sich auch der Direktor von Janina (samt ihrer Person *grummel*) ein und lud meinen Direktor mündlich zu seinem Großfest vom 17. bis 20. ein. Diese Tatsache wurde mir gottseidank erzählt, denn anfanfgs schien es sogar so, als wolle er diese erneute Einladung unter den Tisch fallen lassen. Wie es bisher aber aussieht, werde ich am kommenden Dienstag zusammen mit 8 Jungen, also einer Volleyballmannschaft nach Chucutitán fahren und den großartigen und sehr wahrscheinlich vollkommen durchgeplanten Geburtstag Chucus feiern. Ob ich dann am 20. November wieder zurück in mein Dorf fahre, um dort den Tag der Unabhängigkeit, samt Umzug und Pyramiden und Marschieren und Trommeln feiere, weiß ich jedoch noch immer nicht, weil ich einerseits dieses Ereignis gerne mit jemand anderem verbringen würde den ich kenne und außerdem ein bisschen frustriert über die Unzuverlässigkeit meines Direx’ bin und es vergelten möchte. *Seufz* Andererseits ist er ja nicht der Einzige im Dorf und die Anderen möchten mich sicher gerne dabei haben und irgendwie gehöre ich ja eigentlich doch zu Las Canas. So ungern ich es zugebe. (Und so unwohl ich mich hier manchmal fühle) Deshalb habe ich mir gesagt, dass wenn Las Canas gegen Chucutitan im Volleyball gewinnt, fahre ich mit zurück. Verlieren sie, bleibe ich in Chucu. Ist das nicht fair? ;)

(13.11.08) Es gibt Neuigkeiten. Angeblich sollen sogar die Jungens vom Fußballteam begleitend nach Chucutitan mitkommen. Aber wer weiß schon, ob das in die Tat umgesetzt wird bei den Arbeitsstrategien (und der Verlässlichkeit) des Direktors. Auch die Disko, samt Krönung, die heute hätte stattfinden sollen, (nachdem sie vom letzten Donnerstag auf diesen verschoben wurde) wurde auf nächste Woche verschoben, da der Direktor es nicht geschafft hat, rechtzeitig ein Soundsystem zu besorgen. Auf den 20. November verschoben. Ausgerechnet… Naja. Die Entscheidung muss ich ja nicht selbst fällen. Das machen ja wie gesagt die Volleyballteams für mich.

Erneut breche ich einen Blog inmitten seiner Entstehung und mit dem Gefühl der Unvollständigkeit desselben ab, zugunsten der Beruhigung von etwaigen besorgten Lesern. Ich hoffe, ihr wisst damit umzugehen und freut euch einfach über den (da ihr ja schon hier angekommen seid, bereits zu Gemüte geführten, dennoch unkompletten ) neuen Lesestoff.

[2276 Wörter]

Meinem PC geht es wieder gut… Alle Daten sind gesichtert… Der Defibrilator, namens Beto, wohnhaft in „Lazaro Cardenas“, der ihm die letzten beiden Tagen Unterschlupf gewährt hat, hat ihn wieder aufgepäppelt und neues Leben eingehaucht. Aber davon sollte ich ja eigentlich nicht erzählen, da mir immer noch Manzanillo und so fehlen. Ich bin nur wirklich sehr erleichtert, dass ich weder auf Daten, noch auf die weitere Nutzung meines Lieblings verzichten muss. Dann bin ich mal gespannt wie lange der Akku meines Guten ausreicht oder wieviel man auf einer Busfahrt schreiben kann.

Also… Manzanillo. Doch ich fange besser wie gewohnt von vorne an. Wenn meine Erinnerung mich auch ja nicht verlässt. (Meine Güte sind Busklimaanlagen kühl…Habe ich keine, beschwere ich mich über die Hitze… Es ist doch echt nicht auszuhalten mit meiner Jammergier) Wir befinden uns im Jahre 2008, im vorherigen Monat Oktober und springen auf den 24. Tag. Wir hatten gerade das anstrengende Colola-Fest hinter uns gebracht und stiegen von dort in den Bus nach Manzanillo. Nach ewigen Kurven und einigen Übelkeitsanfällen kamen wir dann ca 4 Stunden später in Manzanillo an, wenn mich nicht alles täuscht. Wir stiegen aus dem Bus aus und freuten uns über die angenehme, aber nicht drückende Wärme. Das Terminal sah aus wie alle mexikanischen Terminals, also eine weitläufige Halle, voller Schalter. Dieses verlassend, waren wir vorerst etwas unsicher, wie wir denn weiterkämen, also Mimikry-Taktik, Nachahmung hat schon viele Lebewesen vor dem Tod bewahrt. Und auch wir fanden auf diese Weise einen Bushaltepunkt. Wie sich dann herausstellte, wären wir zu Fuß definitiv lange unterwegs gewesen, da sich der Terminal weit außerhalb des Stadtkerns befindet. Als wir dann ins Zentrum gelangten, fragten wir den Busfahrer nach einem Hostel. Seiner Beschreibung, bzw groben Richtungsanweisung folgend, fanden wir eine wunderschöne Hafenpromenade, die sehr nach stadtzugehöriger Touristenzielscheibe aussah. Samt Brunnenanlage, großer Plätze, schön eingerahmter und gesetzter Vegetation und Statuen zuhauf, kam es dem Idealbild eines Touristenherzens sehr nahe. Doch wir sind keine Touristen! Unserem Reiseinstinkt trauend, fanden wir nahe dem Wahrzeichen, einem monströsen Flügelfisch, ein kleines Hotel, das zu einem guten Preis, ein heißes, aber wie gesagt gut gelegenes, Zimmer, zur Verfügung stellte. Es hatte nichts mit dem Hotel zu tun, dass uns empfohlen wurde, aber das war auch gut so. Wie Janina später herausfand, war unsere „Empfehlung“ ein Hotel, das schon von außen nichts Angmessenes versprach. Und wehe jetzt wirft mir jemand Oberflächlichkeit vor. (Wer ist eigentlich auf die idotische Idee gekommen, einen Film anzumachen? Wer kann denn bei dem Geflimmer ordentlich Blog schreiben?) Wie dem auch sei. Als wir abends bei wunderschönem Sternenlicht nochmals über die Promenade schlenderten, boht sich ein tolles Licht- und Wasserspektakel. Wenn ich bei solchen „Attraktionen“ bloß nicht immer daran denken müsste, dass sie im Grunde vollkommen unsinnige, geldverschwendenderische Augenwischerei sind, dann hätte ich auch dieses absolut genießen können. Kaskaden von Wasser, Fontänen von H2O und Wellentürme von geschmolzenem Eis formten sich mit klassischen Klängen zu einem Augenschmaus. Eindeutig nicht unsehenswert! (Es ist jedoch eindeutig ein komisches Gefühl, wenn dich plötzlich ein Militär misstrauisch im Bus beäugt, so wie vor einem Augenblick… Ob das auch augenschmausige Augenwischerei des Augenblicks ist? Zumindest fühle ich mich abgeschreckt, womit das Hauptziel ja erreicht ist, nicht wahr?) Nun denn… Weiter im Text… Der Abend brachte -soweit ich mich entsinne- nur noch 7 leckere Tacos, ein tolles, salziges, frisches (das Beste bisher) Brötchen und einen Film zum Einschlafen. Am nächsten Morgen entdeckten wir die Shoppingmeile, in der es wunderschön, luftig-locker-leicht anmutende korallenbeige Flatterklamotten gab. Janina tobte sich aus, aber das machte mir nichts, da ich gerne kritisiere. (Muss ich dazu sagen, dass kritisieren in seiner ursprünglichen Bedeutung keine unbedingt negative Konnotation hat?) Was fanden wir noch? Ein verschlossenes Postzentrum. Oder war das Sonntag? Und gebackene Bananen, die Bauchschmerzen verursachen. Oder war das Sonntag? Und eine Lions-Club, der wohl gerade im Aufbau war (Was ist ein Lions-Club…? Es sah einfach total pompös aus) Oder war das Sonntag? Naja… Was jedenfalls ganz sicher Samstag war, war wieder mal eine absolut frustrierende Begegnung mit den Wirrungen der mexikanischen Computer/Internetverlässlichkeit. Der Computer, der sich meinen vorgeschriebenen Word-Doc-Blog schmecken ließ, stürzte nach weniger Zeit ab. Das Problem, was sich inzwischen diesbezüglich abzeichnete ist, dass ich zu dem Zeitpunkt bereits bei Skype eingeloggt war und nun jedesmal, wenn jemand den PC dort anstellt, dieser Zugang zu meinem Account hat und versucht meine Freundinnen und Verwandten kennenzulernen. Nervig, sag ich euch… Der zweite PC, davon mal ganz abgesehen, hatte jedenfalls kein Word und ich versucht irgendwie anders an meinen Text zu kommen. Ich gab den Stick mit dem Dokument einem anderen Kunden, der meinte, dass er ihn mit seinem Linux-PC-Open-Office öffnen könne und dass er es mir dann schicken würde. Die Zeit verging. Als er dann hochgeladen war, war er schwarz. Die Formatierungsvariationen, die wordpress meinen Einträgen zugesteht, kann ich auch nicht ganz zuordnen. Mal gibt es gar keine Absätze, mal ist ein Absatz drei, dann sieht man keine Schrift, schwarze Schrift. Naja… Ganz zu schweigen von den Fotos, die sich auch nicht allzu leicht integrieren lassen. Naja, naja, na…ja… Wird schon irgendwie lesbar sein… ( Und an alle, die im Allgemeinen Schwierigkeiten damit haben weiß auf schwarz problemlos zu lesen, ich werde es wahrscheinlich nicht mehr ändern, weil mir das Eisblau auf dem Schwarz so gut gefällt. Es ist auch ganz einfach zu umgehen, indem man die Texte markiert und in ein Word-Dokument kopiert. Dann kann man sie sogar ausdrucken und zum Geburtstag oder zu Weihnachten, zusammen mit einem netten Gedicht weiterverschenken… Oder auch das Buch „wort.reich“… Bestellen auf www.keineag.de…)

(Blöd, dass ich mit einer Klammer aufgehört habe, bevor ich den Bus verließ, aber ich muss wohl mit einer Klammer weitermachen, um zu sagen, dass der Rückweg von der Autopista zum Dorf echt gut war, da mich der Polizist an der Caseta drauf aufmerksam gemacht hat, dass die Patrouille wohl gleich vorbeikäme und ich doch einfach bei ihr mitfahren solle. So ersparte ich mir auch die (gefühlten) 5km-Laufweg ins Dorf. Als ich mich dort auch noch in eine nette Runde aus 3 Schülern, samt Familienanhang des Einen hineinschmuggelte und eine Einladung zum Essen für morgen ergatterte, kam es mir fast so vor, als könnte alles gut werden. *seufz* Doch zurück nach Manzanillo)

Neben der Post und der Shoppingmeile fanden wir außerdem endlich eine Multiphon-Telefonkarte, nach der ich schon ewig suche, um auch von meinem Haus aus telefonieren zu können. Es ist ja schon selten, dass die Bewohner meines Dorfes Telefone besitzen, aber meine Familie besitzt sogar eines, das Anrufe empfangen kann. Zumindest konnte es das mal. Ich wollte es immer schon mal aufladen, um auch anrufen zu können, doch habe nie die richtige Karte erworben. Nach dem dritten Versuch ist mir das zumindest gelungen. Aufladen kann ich das Mistviech doch immer noch nicht, weil man um aufzuladen irgendwo anrufen muss. Logisch, oder?

Manzanillo liegt direkt an einer Meerenge, aber ist außerdem von Hügeln oder sind eher Klippen oder Berge, ich kann es nicht direkt benennen, umgeben. In die dadurch entstehenden Hänge sind unzählige kleine Häuschen, Häuser und Wohndinger gebaut. Also ich hätte immer Angst ich würde bald vom Berg rutschen. Um diese Häuser zu erreichen, sind alle 30 Meter Treppen in die Schrägen gebaut. Sehr versteckt und misstrauenerweckend. Trotzdem erweckte die Aussicht auf eine tolle Aussicht eine Abenteuerlust in uns, die uns die Vorsicht vergessen ließ. Wir erklommen also mit kaltem Kaffee/Kakao und dem obligatorischen Brötchen einen Haufen Treppen, um uns dann an den Grundmauern eines halbfertigen Hauses niederzulassen. Der Blick auf die einschlafende Stadt bei beginnender Nacht war wunderschön. Im Hafen, die Boote und Schiffe und der Hauch eines Horizonts aus großer Höhe ist nicht zu verachten. Dummerweise lag meine Kamera sicher im Hotel.

Genauso sehenswert wie eine einschlafende Stadt ist übrigens (um mal ungeschickt abzulenken) eine aufwachende Stadt wie am Sonntag, als wir uns gegen 9 aufmachten, um auch ja genug einen Bus nach Lazaro zu erwischen. Auf dem gleichen Weg wie wir hinkamen – also Ewigkeiten im Bus – fanden wir auch zurück zum Terminal. Wir erfragten am Schalter, wann denn der nächste Bus direkt nach Lazaro führe. Warum Geld für eine etappenweise Ankunft zahlen, wenn das Direkte weniger als der Weg nach Morelia kostet.Man sagte uns, dass um 9.20 und um 13. Uhr die Busse nach LAZ CAR führen. Blöd, dass meine Uhr (mein Handy) schon 10 zeigte. Fluchend drehten wir uns ab. Die Dame fragte uns hinterher, ob wir denn nun Tickets für die Fahrt in 20 Minuten haben wollen und wies dabei auf die Bahnhofsuhr, die klar und deutlich (So deutlich analoge Uhren nur sein können) 9 Uhr anzeigte. Wir waren genau am Tag der Zeitumstellung zu früh aufgestanden. Aber es passte ja alles… Ich jedenfalls fand es eine sehr nette Geschichte zum Erzählen. Damit reichts dann aber auch erst mal wieder… Ich will euch nicht zu lange warten lassen…

(Inzwischen sitze ich wieder in dem Internetraum, da das Internet in der Schule noch weniger lange durchgehalten hat, als ich mir in meinen Albträumen ausgemalt hatte. Naja… Hier ists ja auch gut…. *hust*)

Mein Rueckgrat, mein Rueckhalt in schlechten Tagen, ein Freund, auf den ich mich immer verlassen konnte, einer, der mich versteht unter Hunderten, die meine Sprache nicht koennen,  liegt im Sterben. Mein Laptop scheint sich einen so gravierenden Virus eingefangen zu haben, dass keine meiner Daten zu retten sind. Das mag grade lustig oder laecherlich klingen, aber ich fuehle mich wirklich als bestuende der Tod eines guten Freundes bevor. Ich hat mich bisher nie im Stich gelassen und jetzt nistet sich diese bescheuerte Krankheit, dieser Virus bei ihm ein. Verzeiht, dass ich diesem praesentischen Aerger den Vorrang vor Geschichten ueber Manzanillo, dem Fest der Toten und einem Altarbauwettbewerb gebe, aber ich muss irgendwie meine Trauer kompensieren. Ich kann euch auch nicht sagen, ob ich den Blog ueberhaupt weiterfuehren kann, weil ich ohne meinen Laptop die Chance verliere, zuhause fortzusetzen…

Schickt mir Beileid oder noch besser Antibiotika! (Infos, die mir weiterhelfen)

Mein Mitgefuehl und meine Angst ihn (und damit all meine Daten) zu verlieren, bringt mich schier um!