Archiv nach Monaten: Oktober 2008

Am Montag, den 20. Oktober brachte ich mal wieder einige (2) nahezu grausame Schulstunden hinter mich. Doch ich habe gerade keinen Nerv darauf genauer einzugehen. Denn was mich eigentlich beschäftigte war die Idee das Wochenende früher als gewöhnlich einzuläuten. Im Normalfall beginnt leider auch hier in Mexiko ein Wochenende nämlich am Freitagnachmittag, Da jedoch aufgrund eines Kurses für die Lehrer am Donnerstag und Freitag in Patzcuaro der Unterricht ausfallen sollte, könne (Konjunktiv der Zukunft in Vergangenheit; Wo ist das Woytowiccionary? (Für die, die es nicht verstehen, folgendes: … Versucht es lieber gar nicht erst!)) ich schon am Mittwoch mein geliebtes Dorf verlassen. Mittwoch? Moment… Was war doch gleich mein Stundenplan für Mittwoch? Notorischer Blogverfolger? Kannst du mir auf die Sprünge helfen? Was sagst du? Nur eine Stunde in der Secundaria? Wirklich? Und du bist dir sicher? Na dann… Welche Idee schwirrte aufgrund dieser Erfahrung dann wohl in meinem Kopf? Natürlich… Ich könnte die eine Stunde vom Mittwoch auf den späten Morgen des Dienstags legen und mich bereits Dienstag aus der dörflichen Verantwortung hinauskomplimentieren. Dafür musste ich jedoch noch die Lehrer der Secundaria von meinen Plänen in Kenntnis setzen. Also machte ich mich auf den Weg zu ihrem gemeinsamen Wohnhaus. Auf dem Weg dorthin traf ich meinen besten Schüler aus dem primero semestre und seinen Onkel bei der Vegetationspflege. (Nein, es gibt wirklich auch einige Pflanzen in dieser Bullenhitze… Warum heißt es eigentlich Bullenhitze? Weil Kuhhitze blöd klingt? Oder ist das wieder so ein Emanzipationsding? Naja… hier in Mexiko sähe ich ein wenig Emanzipation durchaus gerechtfertigt, aber ich schreibe ja gerade in deutsch. Warum also Bullenhitze? Wie heißt die männliche Variante der Emanzipation? Was bleibt uns Männern denn noch, was ausschließlich wir können? Selbst das Samen spenden wird uns dank der geldgeilen Samenspender nach und nach genommen werden und wir Männer verlieren jegliches Fünkchen an Wichtigkeit in der hiesigen Welt. Doch bevor meine Dystopie sich verselbstständigt sollte ich meinen illusorischen Ausschweifungen Einhalt gebieten und mich beruhigen. Also, wo war ich? Ach ja…) Wie ich später bemerkte, waren es auch nicht ausschließlich jene beiden die sich rührend kümmerten, sondern auch andere Dorfbewohner legten Hand an. Ernüchtert musste ich erneut zur Kenntnis nehmen, dass mir hier entweder gar nicht oder zu spät von jedweden Ereignissen berichtet wird. Der Onkel winkte mich zu sich und erzählte mir, dass er gerne Deutsch lernen würde, weil er Sprachen so möge und ihm schon das Englischlernen in USA (gesprochen uusaaah) so Freude bereitet habe. Geehrt über die offensichtlich gute Erfahrung mit mir die der Neffe an den Onkel weitergab (Überbewerte ich die Situation?) erzählte ich ihm, dass ich Donnerstags „immer“ (bereits ein ganzes Mal) Deutschunterricht für einige Schüler und die meisten Lehrer gebe und er gerne daran teilnehmen könne. Er schien erfreut und versprach darüber nachzudenken. Was das wohl auf mexikanisch-denk zu bedeuten hat?

Ich jedenfalls ging dann meines Wegs, um die Lehrer aufzufinden. In ihrem Haus fand ich nun meinen Direktor in der Hängematte dösend und Faulheit ausstrahlend. „Die anderen sind Basketball spielen.“ WHAMS! Schon wieder der „Niemand sagt dir nie nichts, was im Dorf abgeht“- Schlag ins Gesicht. (Wundert euch nicht über die Mehrfachverneinung… Irgendwas muss ich ja wohl aus dem Spanischen übernehmen, wenn schon nicht die Denkweise)

Ich also enttäuscht, dass es mir niemand von sich aus gesagt hat und erfreut, dass ich so (fast zu spät wie bereits mokiert) noch zu etwas Bewegung komme, zum Sportplatz der Secundaria flaniert. .

Dort spielte ich dann 3 mal 2:2 bis 7 und war vollkommen ausgelaugt. Aber ich vertrage auch nichts mehr. Auf jeden Fall spaßig, aber auch deprimierend, weil ich das erste Mal um einiges schlechter war, als (gleich mehrere) Mexikaner. Ach ja… Sie sahen übrigens keinerlei Problem darin meine Stunde zu verschieben und schienen mir auf dem Weg dorthin alles beiseite räumen zu wollen, was sie finden würden. Sehr angenehme Nebenwirkung von mexikanischer Ungeplantheit (in positiv: Spontaneität)…

Ich Dienstag also meine Stunden in der Prepa durchgeprügelt und dann hinüber zur Secundaria. Als mir mein Direktor das Schultor aufschloss, (dass immer abgeschlossen sein muss, damit die Schüler auch ja in der Schule essen… Wenn ihr mich fragt Schwachsinn…) sagte er beiläufig, dass der Direktor der Primaria nachgefragt habe, ob ich denn nicht immer Stunden in der Primaria geben wolle. Eigentlich schon, aber warum sollte ich dafür auf ihn zukommen. Ich finde, dass die Menschen, die etwas von mir wollen in diesem Dorf endlich auch mal auf mich zukommen können. Sie wissen doch alle wo ich wohne. Naja… wahrscheinlich ist das wieder nur eine dieser Beschwerden, die ich mir suche, nur um des Beschwerens willen. Wie auch immer… Was ich gerade sagte, ließ ich auch den Direktor wissen: Falls er mich sprechen mag, der andere Direktor, er wisse wo ich wohne.

Dann also zur Secundaria. Die Berichterstattung der zweiten Stunde Secundaria solltet ihr bereits kennen. Danach wieder einmal zum Restaurant an der Autopista, in dem meine Gastmutter geschäftig ihren Lebensunterhalt verdient und in dem sie so einige Lastwagenfahrer kennengelernt hat. Diese Bekanntschaften bescheren uns jedoch eine billige und gefahrlose (nicht immer ganz zügige) Überfahrt. Meist. Dieses Mal wurde ich jedoch enttäuscht. Trotz 100 Minuten des Wartens tauchte keine Mitfahrgelegenheit für mich an dem besseren Imbiss auf. Ich verlor die Geduld. Ich stellte mich auf eigene Faust an die carreterra. Nach einiger Zeit fand ich dann auch einen Brummidor, der sich bereit erklärte mich mitzunehmen. Anfangs noch etwas wortkarg, stellte er sich als intelligenter, aber intoleranter Macho heraus. Er fragte mich, warum ich denn nicht in Deutschland geblieben sei und die Zeit nutzen würde, um Geld zu verdienen. Für so eine Zeitverschwendung wie Reisen habe er nichts übrig. Wie es seiner Familie gehe? Geht schon… Aber er sieht sie halt selten. Ob er sie vermisse? Naja… Er habe ja in jedem Staat, den er durchfährt, jedes Mal zwei neue Frauen. (Seine Lüsternheit zeigte sich an jedem Maut-Schalter erneut) Warum meine Schwester den Kinderpsychologie studiere, das sei doch kein Beruf mit Zukunft, usw. Ich hätte liebend gerne versucht es auf deutsch mit ihm aufzunehmen. Aber auf spanisch, in freudiger Erwartung eine tolle Woche zu verbringen, war es schlichtweg anstrengend und nervtötend, mich verbal mit ihm zu duellieren.

In Lazaro angekommen, verlor ich nicht viel Zeit und stieg in den Bus in Richtung Caleta, um dann in Chucutitan aussteigend, Janina überraschen zu können. Das ist mir, soweit ich das beurteilen kann, auch ganz gut gelungen. Aus ihren Augen lesend, aus ihrer Umarmung spürend, konnte ich das zumindest kombinieren. Sie war gerade dabei ihren Unterricht für die Primaria vorzubereiten und zeichnete (so wie ich ihr ein Lächeln ins Gesicht zeichnete) Tierköpfe, da das Inhalt ihrer ersten Stunde am nächsten Nachmittag werden sollte. Ich lernte ihre Gastfamilie kennen und zum ersten Mal auch das Gefühl einer verschwindend kleinen Privatsphäre. Immer war ein Familienmitglied in der Nähe. Aber es ist ja nichts Neues, dass mein Unbeschäftigtheit mein Vor- und mein Nachteil zugleich sind. Sie hat nahezu nie Zeit für sich, weil sie immer ein Familienmitglied beschäftigt oder sich um einen nächsten Unterricht kümmert. Wie auch immer… Ich wurde dann zu meinem Schlafplatz geführt. Und geführt ist nicht übertrieben, da es über eine selbstgebaute 4-7 Meter hohe Holzleiter in ein oberes Stockwerk ging, wo ich das erste Mal ungern allein drübergelaufen wäre. Dort wurde mir dann ein wunderbares Lager, aus zwei Decken bestehend auf dem Steinboden hergerichtet. Das ich mit Janina in einem Zimmer schliefe, stand gar nicht erst zur Debatte. Wie sich später herausstellte, war auch schon mein Aufenthalt an sich sorgenvoll betrachtet worden, aber weniger wegen irgendwelcher Moralvorstellungen, als wegen der Verpflegung. Die Familie scheint so arm zu sein, dass es ihr schwer fällt ein weiteres Mäulchen zu stopfen. Trotzdem wurde ich nett behandelt und freundete mich auch mit der kleinsten Gastschwester und ihrer Kusine an. Und dies kam wie folgt: Für den Nachmittag war der Gang zu einem Fluß geplant, um dort zu baden und ich wurde einfach mitgeschleppt. Naja, wie hätten sie mich ausladen können. ;) Der Fluß hatte eine echt starke Strömung, aber da der Boden hauptsächlich von Sand bedeckt war und nur an wenigen Stellen besteint war, konnte man viel Spaß in ihm haben. Der Sohn der Familie und ein anderer Junge tauchten nach Krebsen und anderen Schalentieren, während Schwester und Kusine und 2 Nachbarinnen Spaß am gegenseitigen Nassspritzen hatten. Bald entdeckte man, dass sich Janina prima als Abschleppboot eignete. Die Angst von mir verlor man erst langsam, doch sie kehrte dann auch bald zurück, als ich das Spiel mitspielte und sie ein wenig grimassenziehend nassspritzte. Die vier Mädels wussten größtenteils nicht, ob sie lieber Angst oder Spaß haben sollten, aber der Spaß überwiegte und sie stichelten mich und riefen: Du kriegst mich eh nicht… Alles in allem ein echt schöner Nachmittag. Die Nacht war jedoch auf dem Steinboden weniger bequem… Zumindest von 6-7.30 konnte ich in dem Bett des Bruders schlafen, dass er mir, nachdem er in die Schule zog, zum Schlafen anbot.

Da ich mir Spannenderes vorstellen konnte, Unterricht zu verfolgen, den ich nicht verstehe und Janina morgens noch keinen Unterricht gab, wollte ich am Mittwochmorgen erst mal in dem Haus bleiben, um dann später zu Janina dazuzustoßen. Zu „Hause“ wollte ich dann meinen Blog weiterschreiben, da ich auch damals schon und vermutlich eh für immerdar, in der Zeit hinterhing. Es kam jedoch anders. Als ich mit Janina beim Frühstück saß, präparierte die Mutter gerade Essen für den Kindergarten und fragte mich, ob ich denn Lust habe sie zu begleiten. Natürlich hatte ich Lust, da ich eigentlich immer schon ganz gut mit Kindern umgehen konnte. Ihr könnt euch nicht vorstellen, wie niedlich mexikanische Kinder sind. Ich war zwar noch nie in einem deutschen Kindergarten, mal abgesehen von meiner eigenen Kindergartenzeit, aber ich bin mir relativ sicher, dass die Niedlichkeit der mexikanischen Kinder kaum zu toppen ist. Alle schauten mich verstohlen mit großen Augen an, aber nachdem man mich während des Essen stetig beschauen konnte, war die Angst verflogen und ich wurde zum Beispiel gebraucht/verbraucht/missbraucht. Es ist wunderbar, mit wie wenig man so manches Kind zufrieden stellen kann. „Wirf den Ball so hoch du kannst in die Luft“ „Oh ja… Meinen auch!“ Und Ausdauer haben die Viecher. Es ist nicht auszuhalten. ^^ Nach erfolgreichem und ausgiebigen Ballspiel kehrte ich zurück in das Haus, um ein wenig zu bloggen. Doch auch dafür blieb mir nicht lange Zeit, da mich Janina auf dem Telefon anrief, damit ich ihr meine Boxen bringe. „Das Leben ist schön“ ist kein Film, den man ohne Ton schauen sollte. Und da ich wenigen Frauen (und erst recht nicht ihr ;) ) einen Wunsch abschlagen kann, eilte ich natürlich „stante pede“ zu ihrer Wunscherfüllung. Dann setzte ich mich zu der schauenden Klasse in den Raum, um Ablenkung zu verhindern, direkt hinter eine Säule, und setzte meinen Blog fort. Es ist eigenartig beim Schreiben eins Blog übers Blog schreiben zu schreiben, weil man eigentlich wenn man im Präsens schreiben würde, nicht sagen müsste, dass man einen Blog schreibt und wo usw…. Grummel… Sei verflucht, Zeitverschiebung! (Ich meine eine andere als die gewohnte… Die kommt später auch noch)

Nach dem Blog verfolgte ich die Nachsitzstunden der vier schlechtesten Schüler des ersten Semesters von Janina. Es fiel auf, dass die Schlechtesten von ihr genauso gut sind wie meine Besten. Das ist sehr deprimierend und ermutigt mich umso mehr mein Dorf nach den vorgesehenen 6 Monaten zu wechseln. Janina ist nämlich inzwischen recht sicher, dass sie bleiben will, wo sie ist. Bei ihren Bedingungen kann ich das verstehen. Strand, interessierte Schüler, einen treibenden Direktor und sie mit in Aktivitäten einspannende Schüler. Nachteil ist, dass sie keine Zeit für sich hat. Auch nicht, weil sie sich jetzt noch zwei Gruppen von Grundschülern gesucht hat. An diesem Tag war die erste Stunde. Sie war im Anschluss recht verzweifelt, weil man schwer 20 Schüler, die sich angemeldet haben und 20, die einfach so kommen, nach Alter sortieren kann, um sie dann in 2 Gruppen nacheinander zu unterrichten. Wenn man sie versucht sie alle zusammen zu unterrichten wird man bemerken, dass es nahezu unmöglich ist sie alle gleichzeitig bei Laune zu halten. Erst recht nicht alleine. Aber ich hatte ihr ja angeboten, dass ich bleibe. Doch ihre Aufregung war nach ihrer Aussage zu groß, um sich auch noch vor mir beweisen zu können. Dabei hätte ich ihr so gerne unter die Arme gegriffen.

Doch für eine Ablenkung war gesorgt. Wegen der über die Sekretärin vermittelten Schwierigkeiten der Nahrungsfürsorge kamen wir auf die Idee, selbst für das Essen zu sorgen, indem wir nochmals Chiquiliquis fangen würden. Dabei begleiteten uns 3 Schüler von Janina, der Arzt des Dorfes, ein junger, dynamischer Mann, der Freundlichkeit ausstrahlend durch die Welt wandelt; und ein weiterer Dorfjunge. So waren wir genug Hände, um ca 100 Chiquiliquis auszubuddeln. Denn internen Wettbewerb zwischen mir und Janina gewann ich 20:8. Dafür gab sie eine großartige Chiquiauffangstation ab, in dem sie vor uns, der Gruppe an buddelnden Männern stand und alle gefundenen Chiquis, die wir um weiterbuddeln zu können, warfen, mit dem Rucksack geschickt auffing. Das Essen im Anschluß war entsprechend reichhaltig, da alle Chiquis von uns mitgenommen werden durften. Es reicht für 5 Personen und die Hälfte wurde eingefroren. Sehr zufriedenstellende Ausbeute.

Die letzte Woche hatte ich mich sehr auf dieses Wochenende gefreut, da es geplant war nach Colola ein anderes Küstendorf zu ihrem Jubiläum zu fahren. Da es jedoch weitere Drohungen von den Drogenkartellen für Angriffe auf Großveranstaltungen gab, wurde es kurzfristig abgesagt. Obwohl…Kurzfristig? 5 Tage vorher… Was wirklich kurzfristig war, war die Wiederbelebung des Events am Mittwochabend, bei dem uns mitgeteilt wurde, dass nun doch das Fußballteam der Männer und das Frauenvolleyballteam nach Colola führe und wir sie begleiten dürfen. Das war eine Freude sage ich euch.

Pünktlich um halb6, nachdem 5 Uhr angesagt war, verließen wir dann also Chucutitán in 2 Pick-Ups und einem Geländewagen. Das ist mexikanische Packkunst. 35 Leute in 3 Autos. In Deutschland wäre das unter Garantie hochverboten. Janina und ich bekamen die großartigen Luxusplätze auf der Rückbank des Geländewagens mit 2 anderen Jungen. So konnten wir noch etwas Schlaf nachholen.

Als wir dann in Colola ankamen, war erst mal wieder etwas Verwirrung angesagt. Dann gab es kalte Tacos, die nicht so besonders gut geschmeckt habe. Jede Schule wurde bei der Fahnenehrung vorgestellt und musste/durfte eine Ehrenrunde drehen. Jaime, der Vorsitzende der Zone, der Chucutitán und Colola angehören und der gleichzeitig der Direktor von Chucutitán ist, hielt eine Rede, die ich nicht ganz verstand, aber mich interessierten auch mehr die unterschiedlichen Gemeinsamkeiten innerhalb der Schulen. Die Schule Cololas war zum Beispiel sehr viel mehr aufs Äußere bedacht, da es eher touristisch war. Viel Markenkleidung. Ein Schule hatte ihren größte Aufmerksamkeit auf ein gemeinsames, in meinen Augen gleichförmiges (für mich negative Konnotation) Aussehen gelegt, während Chucu eindeutig die sympathischste Ausstrahlung mit sich trug. Nun, das mag an meiner Subjeltivität und Affinität zu Chucu liegen… trotzdem… ich bin überzeugt, dass es auch für Aussenstehende, der ich ja fast bin, so wirkte.

Dann begannen die Sportaktivitäten. Das Tempo beim Volleyball hat mich sehr beeindruckt und auch die Fußballspiele waren echt sehenswert. Und das Teamgefühl der Chucu-Schule war bemerkenswert. Auch mein Kampfschrei „Gebt mir ein Chiqui! Chiqui! Gebt mir ein Chaca! Chaca! Gebt mir ein Chucutitán! Chucutitán“ wurde bereitwillig in den Anfeuerungsfundus aufgenommen. Chucu gewann alles und stand für den folgenden Tag in allen, also 3 Finalbegegnungen.

Am Nachmittag machten Janina, Maren (Caleta), Kaddy (Villa Victoria) und ich uns auf den Weg das ortsansässige Schildkrötencamp ausfindig zu machen um eine Freiwillige aus den USA wiederzutreffen, die wir in Morelia kennengelernt hatten. Da wir aber nur einen in der Hängematte dösenden Mexikaner dort auffanden, kehrten wir über den wunderschönen Strand zurück. Unberührter Strand und überhaupt nicht touristisch. Aber wie auch, wenn das Wasser eine Strömung hat, die einen schon vom Zusehen hineinzieht. Ich liebe Strände…

Als wir dann wieder am Hauptplatz angekommen sind, waren die Vorbereitungen für die abendliche Disco in vollem Gange und alle Stühle wurden platziert und das Volleyballfeld zur Tanzfläche ummodelliert und riesige Boxen wurden angeschleppt. Wir saßen mittendrin, aber ließen uns davon nicht beindrucken. Wir hatten uns zuvor ein Bier und eine Sprite gekauft und genoßen inmitten des Trubels die untergehende Sonne, unsere Gesellschaft, ein kaltes Radler (Wenn ein alkoholisches Getränk, dann dieses!Daran könnt ihr erkennen, dass das exzessive Betrinknis eher nicht zu meinen Vorlieben zählt) und die melancholisch-nachdenkliche Stimmung. So kamen wir dann aber erst wieder an der Schule an, als die anderen bereits wieder zur Fete aufbrechen wollten. Aber wir freuten uns auf den Genuß einer einsamen Dusche. Verlasse dich in Mexiko niemals auf deine Intuition. Wieso eigentlich Dusche?Uns wurde mitgeteilt, dass wir die einzige der fünf teilnehmenden Schulen seien, die sich nicht in sog. Cabanas (einfache Holzhütten) eingemietet hätte und deshalb mit einem großen Wasserkübel bewaffnet, wie gewohnt mit der Mit-einer-Schüssel-sich-begieß-dusch-Variante Vorlieb nehmen müssen würden. Doch damit nicht genug. Wir sollten dann unsere Sachen aus einem abschließbaren Raum zu unserem Schlafraum transportieren und es wurde mir klar, dass ich auf nichts als einer Decke (Erneut!) schlafen müsse. Aber das einem auch nie etwas gesagt wird. Hätte ich damit rechnen müssen? Ich hatte natürlich nichts anderes mitgebracht… Wie dem auch sei… Uns um- und dann zur Party ziehend, genoßen wir die angenehme Wärme. Nicht so drückend wie aus Las Canas gewohnt. Als wir am partygelände ankamen, schallte uns schon trötige, mexikanische Rancheramusik entgegen. Grausam, was meine Meinung anbetrifft. Auch Janina war nicht besonders angetan. Aber die Mexikaner, die wahrscheinlich eher selten die Möglichkeit haben zu tanzen, nutzen die Chance um ordentlich die Sau rauszulassen. Bei dem zwischenzeitlichen Reggaeton fanden wir auch Spaß dabei uns zu bewegen, hätten die Mexikaner sich nur bloß nicht immer in Kreisen gruppiert. Ächz. So fühlt man sich immer so beobachtet und zu irgendwas genötigt. Der Punkt der Beobachtung ging jedoch nicht abhanden, als wir dann plötzlich den Versuch unternahmen zu Ranchera Disco-Fox zu tanzen. Nicht gut, aber unterhaltsam. Lange hielt uns das aber auch nicht bei Laune. Noch ein paar Tacos bei dem völlig überforderten (bei 15 Leuten gleichzeitig zu bedienen wäre ich das auch) Tacomann vor dem Gelände verschlungen und dann zurück zur Schule. Als ich dann im Männerschlafsaal halb blind nach meiner Decke und meinem Kissen tastete, spürte ich nur warme Körper. Grummelnd-verbissen, Kissen entrissen, Janina beschmissen, ihre Nähe vermissend, alleine auf die Decke eines anderen noch nicht anwesenden Schülers gezwängt. Der goldenenen Regel von Konfuzius, Jesus und Buddha von wegen „Was du nicht willst, das man dir tu“-usw-Blabla konnte ich in jenem Augenblick keine Aufmerksamkeit zollen, weil mich der Frust angesichts dieser Dreistigkeit packte. Dementsprechend sch… äh… schaurig schlief ich dann. Zur Besserung meiner Gefühlslage zählte nicht unbedingt das Aufstehen bei strömendem Regen um 7 Uhr morgens. Aber der Direx von Janina ist halt nicht nur was Arbeitssamkeit und Hausarbeitsfleiß geht eine mexikanisch-gesehene Ausnahme. Da wir uns ja um 8 am Volleyballfeld mit den restlichen Schulen treffen würden, werden wir da sein. Regen hin oder her. Als dann endlich um halb10 jemand auftauchte und uns sagte, dass es Frühstück an der Schule gäbe, war meine Laune zumindest nicht mehr ganz so ozeanisch, auch wenn die Umstände eher dafür gesprochen haben.

Das sogenannte Frühstück war eine Suppe aus Innereien, die wir nicht gerade ungern verschmähten. Wir, Janina und ich. Also wir, machten uns dann lieber nochmals auf um die EEAA-Freiwillige Brit im Campamento de las tortugas aufzufinden. Sie zeigte sich auch sehr erfreut uns zu sehen und zeigte sich mit einem fruchtreichen Frühstück erkenntlich. Und Kaffee! Genießenswert…

Wir unterhielten uns ein wenig über die Drohungssituation der Drogenkartelle und diskutieren über die neue Ausgangssituation, aufgrund des neuen – gegen die NARCOS durchgreifenden – Präsidenten. Nun griffen die Narcos-Gruppen nicht nur sich gegenseitig sondern auch die Zivilbevölkerung an um ihre Macht zu demonstrieren, bzw dass sie sich nicht von der Regierung und dem Militär einschüchtern lassen würden. Die Nachricht, dass die Militärs manchmal auch ins Tortuga-Camp des nachtens nach dem Rechten schauen, machte mich etwas stutzig und zaghaft, aber ansonsten war es ein sehr angenehmes Frühstückchen.

Im Anschluß daran schauten wir uns noch das Fußballfinale an, dass Chucu leider 4:3 verlor, trotz erneuter Anfeuerung und das Schachfinale, dass einer Chucutitaner im Patt beendete. Es beeindruckte mich, dass ein Patt auch dann entsteht, wenn sich keine Figur bewegen kann, ohne den König ins Schach zu bringen. So gewann der „Feind“ nur aufgrund des Losens. Und auch bei den Volleyballfinalen war Chucu kein Glück gegönnt, da der Regen die Ausführung derselben verwässerte. Allen Verpflichtungen enthoben, machten wir uns dann vollbepackt auf den Weg nach Manzanillo, einer touristischen Hafenstadt, die sich weiter im Norden, verfolgt man den Pazifik, befindet.

Doch zum „Äpfelchen“ komme ich im nächsten Blog.

Freut euch auf schöne Gefühle und föne Geschühle!

Bis bald und friert nicht zu sehr im kalten Deutschland!

(Ps: Wenn du, verehrter Leser, jedoch ein Mitfreiwilliger bist: … „Viva Mexiko“ und… schwitz nicht zuviel! ;) Pass ja auf dich auf… ich will dich schließlich nochmal wiedersehen… )

Saludos a todos!

[3481 Wörter]

Der Blogeintrag beginnt am Mittwoch, den 15. Oktober, ist also genau eine Woche her. Außerdem war es der erste Tag einer Stunde, die ich vollkommen alleine „vorbereitet“ hatte. Im Grunde genommen ist der Titel „mal wieder in Morelia“ eigentlich auch noch verfrüht, aber vielleicht versuche ich mich damit anzuspornen schon in diesem Eintrag bis Morelia zu gelangen. Wie dem auch sei. Ich hatte also meine erste Stunde in der Secundaria und eine bunt zusammengewürfelte Gruppe aus mittelkleinen Schülern blickte mich aus großen interessierten Augen an. Ich dachte mir, dass ich vielleicht erst mal – zum Einstieg – damit beginne, dass sie mir Fragen stellen können, die sie interessiert. Komischerweise schienen sie schon alles über mich zu wissen, was man fragen könnte, denn bis auf ein kleines harmloses Fräglein schwiegen sie mit schmunzelnd-aufmerksam-ruhigen Körperhaltungen. Ich fuhr fort mit einer kleinen Auflistung von Adjektiven und den Personalpronomen, da ich mir dachte, dass ein „You are nice“ vielleicht keine so schlechte Basis ist. Das Problem bei dieser Gruppe ist aber, dass ich keine Ahnung habe, wie weit sie schon in ihrem vorherigen Unterricht gekommen sind, da sie alle aus unterschiedlichen Klassen kommen und dementsprechend andere Niveaus haben. Ich weiß jedoch das Niveau von Niemanden. In meinem Unterricht von gestern (Dienstag… Warum Dienstag kommt ca in meinem übernächsten Blogeintrag ;) ), in dem ich Zahlen bis 20, samt Eigenvorstellung (Name, Alter, Herkunft, Familiensituation) versuchte durchzunehmen, war ich auch nicht gerade schlüssig, ob ich sie langweilte, da es ihnen nicht unbekannt schien. Die Antwort auf meine Frage im Nachhinein, ob ich denn nur Bekanntes wiederholen würde, wurde mit einem vagen „Einiges ja, einiges nein“ abgeblockt. Das hilft mir sehr weiter. Aber eines kann ich sagen. Bei ihnen ist das Lehren zumindest angenehmer, da sie wirklich lernen wollen und demnach eine Selektion der Secundaria von den wirklich Englisch-Interessierten, da es nicht verpflichtend ist. Aber bei ihnen ist es – aufgrund ihrer bedingungslosen Schweigsamkeit – auch schwieriger zu erahnen, ob man sie langweilt oder sie es nicht verstehen. Das kriegt man in der Prepa meist ziemlich rabiat an den Kopf geworfen.

Am Abend dann habe ich versucht eine erste Stunde Englisch für die Lehrerschaft zu geben. Auch das hat sich als durchaus nicht anspruchsloses Unterfangen herausgestellt, da hier die Kenntnisunterschiede weitaus gravierender sind als bei den einzelnen Schülern der Secundaria. 2 Lehrer können nichts, zwei schon sehr viel mehr und weitere zwei sind schon echt sehr gut, was Grammatik und Vokabular angeht. Wie kriege ich das nun unter einen Hut? Ich dachte mir, dass ich einfach ein schnelleres Tempo einschlage und die besseren die schlechten schon mitziehen werden. Meine Englischlehrerin bremste mich aber aus und bat mich um der Schlechteren willen etwas ausführlicher zu erklären. Schlussendlich gab ich es auf und bat an, dass ich Einzelunterricht in der Woche geben könne. Sie sollen sich Material besorgen, dass ich mit den Mittleren durchnehmen kann. Die Schlechten kriegen weiterhin Unterricht und mit den Besten wollte ich ein Buch lesen. Ich habe bisher nur noch keine Idee welches ich gut lesen könnte, da ich bei Literaturauswahl nie die Leseschwierigkeit beurteilt habe. Vielleicht kann mir da ein versierter Anglizist ein Tip zusenden. Ein spannendes aber nicht allzu schwieriges Buch für eine grammatikfitte, aber redeungewohnte Gruppe aus zwei Lehrern.

Was ist der nächste Punkt auf meiner Liste? Reunión. So nenne sich die Konferenzen der Lehrer, die sie ca alle 2 Wochen abhalten. Dieses war jedoch die erste an der ich teilnahm. Und wieder einmal war ich geschockt davon, wie sich der Direktor gehen lässt. Als Direktor hält man doch nicht in Unterhemd bei gelegentlichem Aufblitzen, quasi Winken, der Brustwarzen eine Konferenz, bei der Dinge wie Ausflüge oder Festumzüge geplant werden. Davon einmal abgesehen wurden aber interessante Dinge besprochen wie zum Beispiel Fortbildungen der Lehrer, wegen welchen die Schule ausfällt, Feiertage, wegen welchen, die Schule ausfällt, Brückentage, wegen welchen die Schule ausfällt. Im Allgemeinen dachte ich mal, dass ich mich darüber aufregen würde, weil ich gerne soviel machen und erreichen will wie möglich, aber inzwischen rege ich mich eher darüber auf, dass ich mich nicht aufrege. Ich lebe fast nur für die Wochenenden. Das ärgert mich, weil ich nicht weiß, ob ich mich so unterbewusst ausschließe und mir Dinge selbst vorenthalte. Aber andererseits sage ich mir dann immer, dass die Bewohner mich ja auch einfach zu Dingen einladen oder mich einfach mitnehmen könnten, wie sie das bei Janina tun. Ich bin unschlüssig. Schon wieder dieses verachtenswerte Wort, dass mich schon beim Verfassen des letzten Eintrags plagte.

Bei der Reunion sprach ich auch das Thema Müll an. Ich klaute die Idee aus Chucutitan eine Müllpolizei einzurichten, die die Müllentsorgung überwacht. Es wurde eigentlich gut aufgenommen, geschehen ist aber bisher noch nichts.

Donnerstag um 12 war man mit Schülern und Lehrern der Secundaria auf dem Fussbalplatz verabredet. Um dorthin hinzugelangen wurde mir von 3-4 Schülern gesagt, dass sie mich abholen würden, nachdem sie und ich mich umgezogen hätten. Ich zog mich also bei mir im Haus um und wartete. Ich wartete weiter. Doch nichts geschah. Also machte ich mich alleine auf den Weg zum Fußballplatz und wurde dann von einigen anderen mir bekannten Menschen ins Schlepptau genommen. Der Weg führte durch stark bewachsene Flußbetten und über Bahngleise hinweg. Soweit ich das bisher beurteilen kann, ist es der schönste Ort, den man in dem Teil der Welt, den man noch Las Canas nennt, finden kann. Das Fußballfeld hingegen ist gewohnt provisorisch. Nicht ganz eben mit mehr oder weniger sichtbaren Linien und in der prallen Sonne… Ächz… Nach der ersten Halbzeit war ich derart ausgelaugt, dass ich eine Pause wollte. Was ich nicht wissen konnte war, dass ich dann nicht nochmals hab eingewechselt werden konnte, was ich sehr bedauerte. Zu Denken gab mir auch, dass der Spielstand nach der ersten Halbzeit 0:0 und nach der zweiten 5:1 für uns war. Dazu gebe ich aber keinen weiteren Kommentar. Soll reichen zum Thema Fußball.

Abends dann gab ich meine erste Stunde Deutsch. Meine Klasse besteht bisher aus meiner Englischlehrerin, der Naturwissenschaftslehrerin und einem meiner Schüler. Begrüßungen und Personalpronomen. Aber versucht ihr mal eine Person zu erklären, die es im mexikanischen Spanisch nicht gibt. „Ihr“ und „Sie“ sind im MexSpan identisch. Im deutschen sollte man sie jedoch nicht verwechseln. Und das musste ich auch erklären, da die Konjugation später ja völlig anders vonstatten geht. Ansonsten hat es sehr viel Spaß gemacht, vor allem zu sehen, wie meine Schüler sich eine eigene Lautschrift des Deutschen machten. „Nacht = Najd“ Besonders überrascht hat mich das plötzliche Auftauchen zweier Nachsitzschüler des Englischen, welcher zuvor stattfand, in dem Deutschunterricht, da sie vollkommen aufmerksam und bei dem Stoff dabei waren. Faszinierend, was etwas Neuartiges für Reaktionen hervorrufen kann. Wollen wir mal sehen, wie das weitergeht.

Danach rannte ich in den Internetraum weil ich mich mit Janina treffen wollte. Das Internet ist übrigens nervig, weil alles mit einloggen (ICQ, wordpress, email) ca 10 Anläufe braucht, bis man durchkommt. Außerdem sind die Nachrichten dermaßen verzögert, dass man immer nicht weiß, worauf jetzt den eigentlich reagiert wurde. Dabei hatten wir uns soviel zu sagen, weil das Wochenende noch nicht geplant war und es auch auf ihrer Seite Neuigkeiten zu berichten gab. Verzweifelt gab ich das Internet auf und rief sie von einem der drei Telefone im Dorf an. Die Neuigkeit war, dass Iberia, diese unfähigen S*************r, wahrscheinlich den Rucksack von Janina von Morelia wieder zurück nach Mexiko und ob ihrs glaubt von dort auch wieder nach Madrid geschickt haben. Dabei wissen sie doch, dass wir uns hier in der Nähe von Lazaro befinden. Ich verstehe es nicht. Die Auskunft mit Madrid gab ihr ihre Sekretärin, die den Rucksack am Mittwoch ewig nachtelefoniert hatte. Eine andere Information erhielt Janina unglücklicherweise von unserer freundlichen Wichtelfrau bei „Titanic-Reisen“ in Berlin. (Zweifelhafter Name für ein Reisebüro, aber eine überaus liebenswerte und kompetente Truppe) Diese sagte nämlich, dass Iberia das Nachforschen/Suche aufgegeben habe, da bereits 6 Wochen verstrichen seien. Auch das beschwört Wutschwälle und Hassschwaden in mir herauf. Als der Rucksack in Morelia ankam, war Janina sogar noch in Morelia, da sie genau aus diesem Grund später in ihr Dorf fahren sollte. Als sie dann in ihrem Dorf war, erhielt sie eine Nachricht von Alberto, unserem Koordinator, dass Iberia ihn kontaktiert habe, dass der Rucksack nun in Morelia auf sie und niemanden anderes warte. Wir also, wie ihr wisst, am nächsten Wochenende nach Morelia zum Flughafen. Was sagte man uns? Ja, er war hier, das stimmt, aber er ist auch schon wieder weg, weil die Woche ja schon verstrichen ist. Iberia hat so viel verbockt, wo andere schon längst das Problem gelöst hätten. Inzwischen habe ich davon gehört, dass andere Fluggesellschaften dazu verpflichtet sind, verlorene Gepäckstücke einen Tag nach Verlust bei jedweder Adresse unversehrt anzuliefern. Mexispanischer Pustekuchen würde ich sagen! „Pinche Iberia!“ Janina wird jetzt versuchen mit einer Bestandsliste nach Madrid wenigstens Geld zurückerstattet zu bekommen. Aber ein Blatt Papier hat nunmal keinen rationalen Wert. Nieder mit den Materialisten…! Es sollte der ideele Wert ausgezahlt werden. Aber wie soll man Herzblut zurückerstatten?

Das Ende vom Lied sind eine erzürnte, enttäuschte und sehnsüchtige Janina und 70 Pesos fuer 10 Minuten Telefonieren, ein Jonas, der sich schlecht fühlt, weil er ihr nicht helfen kann und eine Nacht, die viel zu lang ist. Ein Plan für das Wochenende war jedoch noch immer nicht festgelegt. Der letzte Stand war, einfach erst mal nach Las Canas zu kommen, um dann zu entscheiden, ob man mit ‘nem Gavina-Ride nach Morelia oder doch nach Zihuatanejo zu einem Touristrand fahren solle. Maren, die auf jeden Fall mit nach Morelia fahren wollte, könne im Notfall ja immer noch mit Nora, der Naturwissenschaftslehrerin riden. Das ist der größte (einzige?) Vorteil von Las Canas: die geographische Lage, die direkt neben der Autopista und zwischen Staatshauptstadt und Küstengroßstadt Anhalter/ride/raite-technisch (Ich hatte eh schon überlegt, ob ich meinen Blog nicht am besten gleich dreisprachig schreiben sollte, um ihn auch ja aktuell halten zu können) gut angebunden ist.

Wie dem auch sei. Wie man das ja schon kennt, kam und kam der Augenblick an dem ich wieder Deutsch mit vertrauten Personen sprechen konnte, nicht, denn je mehr man etwas ersehnt, desto mehr dehnt es sich. Von halb10 bis 12 saß ich also in der Schule (wo wir uns verabredet hatten) und wartete auf sie. Gelegentlich sprang ich auf die Straße, um sie hinabblickend vielleicht leuchtend helle Haut mir entgegen strahlen zu sehen. Doch nichts… Ich zerbrach mir den Kopf, (Ich mache mir sehr schnell zu viele Gedanken) warum sie sich denn so verspäteten und überlegte ob ich sie vielleicht an den Casetas erwarten solle. Dann setzte ich mich einfach an den Haupttienda des Dorfes, um sie dort zu erwarten und notfalls von ihrem Pickup herunterzuwinken. Doch erneut wartete ich vorerst vergebens. Plötzlich winkte mich jedoch ein Mann in einem kürzlich angekommenen Mixta, das sind die Dorffahrdienste, zu sich. Er fragte, ob ich zufällig auf jemanden wartete und dass er mich abholen solle. Ich war verwirrt und meinte, dass sie eigentlich zu mir kommen würden und konnte mir nicht vorstellen, warum das anders sein solle. Aber als er dann ihren Namen nannte, verlor ich mein Misstrauen und wollte schnell nach Hause rennen, um meine gepackten Sachen zu schnappen. Auch wenn ich glaube, dass ich zu Fuß schneller gewesen wäre, (zumindest zum Haus) bestand er darauf, mich zu dem Haus zu fahren. In dem Haus fiel mir siedend heiß Nora ein, die wir ja mitnehmen wollten. Sie hatte jedoch bis 2.30 Unterricht. Ich blickte auf die Uhr. 2.35 Uhr. Hier sind ihre Sachen. Was tun? Ich schnappte mir also fix ihre Tasche und sprang zurück ins Auto. Wir fuhren (da wäre ich zu Fuß nicht so schnell gewesen ;) ) also zur Schule und ich rief Nora atemlos zu: „Die beiden anderen warten an den Casetas, komm her, deine Sachen sind schon im Auro, Los geht’s!“ Sie kicherte (was bei ihr immer lustigerweise hämisch klingt, daran musste ich mich auch lange gewöhnen), kam aber angetrabt.

An den Casetas angelangt, musste ich mir dann erklären lassen, dass sie wegen der Hitze nicht den langen Weg ins Dorf laufen wollten. Ich konnte mir nur vor die Stirn klopfen… Wir sind im Begriff mit einem Anhalter bis nach Morelia zu gelangen und dann denken sie, dass es nicht möglich sei mit einem Ride auch ins Dorfinnere zu gelangen. Aber belassen wir es dabei. Wir warteten dann 20 Minuten und hatten unsere Mitfahrgelegenheit gefunden. Es war jedoch ein Doppelhänger (doble semi-remolque), der unsere Fahrtzeit von 3 gewöhnlichen Stunden auf 5 erhöhte. Aber zumindest war es kostenlos. Um 8 dann in Morelia angekommen, standen wir vor der Entscheidung Gesellschaft, Unhygiene und Spaß, also Freiwilligenhaus oder Zweisamkeit und wunderbare Wohnsituation, also Hostel. Wir entschieden uns für das Hostel, weil viele Menschen im Freiwilligenhaus erwartet wurden und der Schlafplatz unsicher war.

Den Abend verbrachten wir mit Austausch von oberflächlichen Befindensreporten in einer dekadenten Bar mit überlebenshohen Sesseln und piekfein uniformierten Obern. Berauschend war es dennoch nicht. Dafür war es mir nicht heimelich genug. Anders als der folgende Abend, an dem wir in einer sehr viel kleineren Gruppe von 5 Menschen eine kleine Bar besuchten. Nicht nur ein riesiger, schmackhafter Cappuccino verwöhnte uns, sondern auch eine 2-Mann-band mit unterschiedlichsten Instrumenten und unter-die-Haut-gehendem, melancholischem (endlich mal ein bisschen Gefühl und nicht immer nur das überdrehte, übertrieben glückliche Trompetengekreische, das ausgelassen jammerlich singende Mexikaner begleitet… Nennt sich Ranchera…) Gesang. Die Stimmung und die Atmosphäre waren großartig, aber ich vermisste meine eigenen Zeiten des Musikmachens. Entweder mit meiner Band Megrim zu proben und Gefühle einfach aus sich hinausrufen, schreien, oder singen zu können, oder aber mit Jakob und Marvin (Es lebe Amsterdam! ;) ) wild herumzuexperiment- und improvis-ieren. Das fehlt mir hier auch…

Um die Bars vergleichen zu können, habe ich den Samstagtag vorweggenommen, an dem wir ewige Zeit in einer Buchhandlung stöberten und uns von dem Duft alter, da auch antiquarischer Bücher verzaubern ließen. Ich kaufte dann schließlich ein Buch von Coellho, da mich der Alchimist so begeistert hat; Das Bildnis des Dorian Gray, weil ich schon so viel davon gehört habe und glaube, dass es nicht ganz unlesenswert ist; ein Philosophiebuch für Kinder, das ich in Eintracht mit Sofies Welt -Hörspiel lesen möchte; und Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins auf Spanisch um es meiner Englischlehrerin zu Weihnachten zu schenken. Inzwischen musste ich jedoch bemerken, dass ich mich etwas überschätzt habe, was das Leseverstehen angeht, aber ich glaube, dass es mir egal gewesen wäre, wenn ich gewusst hätte, wie schwer sie zu lesen sind, weil ich einfach wieder Stoff brauche, nach Der Alchimist und Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins, die mich nahezu berauscht haben.

Berauschend, aber in nicht ganz so positivem Sinne, wenn nicht sogar negativem Sinne, ist auch Requiem for a dream, ein Film, den Janina und ich uns nach dem Konzertchen noch genehmigten. Ich glaube, dass es von den Filmen, die ich kenne, der ist, der am meisten unter die Haut geht. Die Schicksale und Träume von vier unterschiedlichen Menschen von Drogen zerstört und dahingerafft und das mit irren filmtechnischen Mitteln garniert, ist einen Blicken wert.

Am nächsten Morgen dann konnte ich wieder einmal in den Genuß kommen, ein schnelles Internet kostenlos zu benutzen, da wir in Morelia ja immer in ein ganz bestimmtes Hostel gehen, in dem es „wireless lan“ gibt. Diesen Luxus nutzten wir natürlich schamlos und freudvoll aus und redeten über Skype kostenlos mit unseren Familien und Freunden. Jedesmal ist es aufs Neue zwiespältige Gefühle hervorrufend, einerseits freut man sich über die Unterstützung und den Beistand, das Interesse und die guten Worte, aber andererseits spürt man auch, dass man vermisst wird und was man vermisst. Ich habe zum Beispiel endlich mal wieder mit meinem Psychoheini für schwierige Lebenslagen Nummer 1 sprechen können und gemerkt, dass es mir gefehlt hat, weil so eng meine Beziehung zu manchen Deutschen ist, die hier sind und so gut ich mich mit manchen MexikanerIn verstehe, eine jahrelange Freundschaft ersetzt so schnell nichts und in einer anderen Sprache kann man eh schlecht von Sorgen berichten, zumal Mexikaner generell Traurigkeit entweder ignorieren, vermeiden oder runterspielen; sei es nun die Eigene oder die eines Anderen. Man zwingt sich zur Fröhlichkeit, da sie nie gelernt haben, sich mit ihren schlechten Gefühlen auseinanderzusetzen. In Deutschland lebt man teilweise so im Luxus, das man so erst die Chnace bekommt, sich selbst Probleme zu suchen, Sorgen zu erschaffen, Trauer einzubilden und Melancholie zu genießen. Ich möchte jetzt der Melancholie keine negative Konnotation geben, da ich sie ja gerade hier in Mexiko vermisse, beziehungsweise vermisse sie mit jemandem zu teilen, aber die Frohlock-Kultur Mexikos fasziniert mich auch irgendwie.

Als wir unsere Telefonate beendeten, gingen wir nach unten in die Lounge (^^), also in den Hauptraum des Hostels, um zu frühstücken. Bei uns saß ein unmexikanisch wirkender angegrauter, aber nicht alter Mann, dem wir morgens früh schon die Tür geöffnet hatten, da der eigentliche Türöffner offentsichtlich wieder zu tief schlief. Er brachte jedoch nur ein grummliges „Buen’ dia’“ hervor. Wir dachten uns nichts dabei, aber unterhielten uns leise darüber,woher er wohl kommen möge. Janinas Typ waren die USA und ich vermutete Osteuropa. Ich sagte dann in halber Lautstärke „Wenn es ein deutschsprachiges Land sein sollte, wäre jetzt der passendste Augenblick zu reagieren“, jedoch nichts geschah. Er zuckte nicht einmal mit den Gesichtspartien. („Wimper“ ist so ausgelutscht) Später gesellte sich dann noch die zu dem Zeitpunkt im Hostel arbeitende junge Frau zu uns und seine mexikanische Freundin. Wir unterhielten uns über unsere Projekte und über die Reise des Päärchens. Irgendwann verstanden wir beide ein Wort nicht und schauten uns ratlos an. Dann erhob der Mann die Stimme und erklärte uns in perfektem Österreichisch die Wortbedeutung. Wir wunderten uns ziemlich, sodass wir sehr ulkig dreingeschaut haben müssten. Dass er uns so an der Nase herumgeführt hat, kann ich ihm im Nachhinein nicht ganz verzeihen.

Dann trafen wir uns erneut mit Maren, um das Abenteuer Raite auch mal ohne die Vertrauensversicherung Gavinas zu wagen. Wir stellten uns also an die Autopista, die aus Morelia weg in Richtung Uruapan/Patzcuaro führt und wedelten mit unseren Däumchen. Außerdem mit einem Block mit der Aufschrift unseres Zielortes bewaffnet, dauerte es nicht allzu lange bis wir jemanden fanden, der uns mit bis Uruapan brachte. Von Uruapan wollten wir dann weiter bis Lazaro Cardenas, was uns nur mittelmäßig gelang, weil wir nur eine Mitfahrgelegenheit nach Nueva Italia fanden. Ich dachte mir dann aber, dass ich eigentlich eh noch nicht zurück nach Las Canas wollte und machte einen Abstecher nach Nueva Italia, um meine Englischlehrerin Tere zu besuchen. Maren und Janina fanden dann eine andere Familie, die sie mit nach Lazaro Cardenas mitnahm, die sich wunderten, warum sie denn inzwischen zu zweit seien, da sie uns schon in Morelia um Ride bitten gesehen haben.

Nueva Italia ist ähnlich hässlich wie Lazaro Cardenas, aber die Familie von Tere ist ganz nett. Besonders mit dem kleinen Bruder mit dem ich dann erst einmal eine Runde Gamecube gespielt habe, habe ich mich echt gut verstanden, da er auch mit großer Pfiffigkeit gesegnet war/ist.

Abends dann ging ich mit Tere und einer ihrer Freundin auf den Hauptplatz von Nueva Italia, der das Zentrum der Stadt darstellte. Menschen jeglichen Alters flanierten auf dem großen Platz, der eigentlich echt schön war. Bäume säumten den Weg und Bänke gruppierten sich apart neben Essständen. Besonders für jugendliche Singles schien es eine beliebte Möglichkeit der Kontaktfindung zu sein, da sie in Scharen und Grüppchen um den Platz zirkelten.

Mein Schlafplatz stellte sich als eine große Luftmatratze heraus, die ich mir unter großer Mühe mit einer unhandlichen und schwierig zu bedienenden Pumpe selbst aufpumpte. Ich schlief schlecht. Umso schlechter als die Matratze immer mehr Luft verlor und immer mehr Boden gewann. Das wirkte sich natürlich auf die Härte auf und ich wanderte auf das Sofa, für das ich jedoch zu klein war. Alles in allem eine eher ungemütliche Nacht.

Unter der Schmach leidend es wieder nicht geschafft zu haben in der Gegenwart anzukommen und in dem Bewusstsein, dass es mir eventuell nie gelingen wird, beende ich diesen Blog zumindest an einem Wochenende in der Vergangenheit, sodass der Zeitabschnitt „Woche“ abgehakt ist.

Ich hoffe es geht allen Menschen, die mir wichtig sind, gut und ich freue mich nach wie vor immer über Kommentare. Beste Grüße!

Unschlüssigkeit.

Ich habe diesen Blog so genannt, weil ich dieser Tage oft das Gefühl der Unschlüssigkeit, Unsicherheit und Unentschiedenheit verspüre. Fühle ich mich wohl in Mexiko? Oder nur an den Wochenenden? Würde ich, wenn ich könnte mit Janina das Dorf tauschen oder ist das nur unterbewusstes Sehnen nach ihrer Nähe? Sollte ich in meinen Ferien (in denen ich visatechnisch zur Ausreise verpflichtet bin) nach Peru (Maccu Piccu und andere großartige Sehenswürdigkeiten), Ecuador (Interesse am Land) oder nach Nicaragua (eine andere Freiwillige, die ich sehr schätze besuchen)ausreisen? Fühle ich mich mit meinen Aufgaben unter- oder überfordert? Sollte ich mich mehr in die Dorf“gemeinschaft“ integrieren und mich weniger mit Gedichten, Gefühlen, Blog und Internet beschäftigen? Mache ich mir generell über alles zuviele Gedanken und sollte anstattdessen lieber leben? Sollte ich jetzt meinen Blog vorspulen und das Erlebte nur anreißen oder wie bisher ausführlich schreiben? Zumindest auf die letzte Frage glaube ich antworten zu können, da ich es Leid bin, in der Vergangenheit zu schreiben. Ich werde also die Kurzfassung versuchen. Die Gefühle des Jetzt sind die Entscheidenden und nicht jene, die man im Nachhinein beim Erinnern verspürt. Auch diese sind gewichtig, jedoch tauchen sie ebenso auf, wenn man die Texte über die Gegenwart der Vergangenheit liest. Sie sind also nicht verloren, im Gegensatz zu den Gefühlen, die man während oder kurz nach einem Erlebnis verspürt.

Am 8. Oktober wurde tagsüber eine kleine Exkursion für die Schüler der Primaria in unserer Schule angeboten. Das Thema sollte Wissenschaft und Ökologie sein. Dabei wurde Mülltrennung ein wenig erläutert, ein Experiment über die Leitfähigkeit von Wassern gezeigt und gebastelt. Alles in allem etwas unstrukturiert und unzusammenhängend. Nicht, dass ich unbedingt ein Meister dieser Disziplinen bin und doch war ich nicht überzeugt. Nichtsdestotrotz war es nett auch mal die Kleinen des Dorfes in Augenschein nehmen zu können und zu erkennen, dass wirklich fast ausnahmslos alle mexikanischen Menschen mit Schönheit oder Niedlichkeit oder gutem Aussehen gesegnet zu sein scheinen. Es sind zumindest mehr als die Schönheit des Durchschnittsdeutschen, falls es sowas überhaupt gibt. Nein, es gibt ihn nicht, er wird jedoch erschaffen, um eine Vergleichsmöglichkeit zu haben. Willst du etwas rational beurteilen, musst du es pauschalisieren und auf seine Hauptmerkmale reduzieren.

Am Donnerstag, dem 9. ging ich dann in die Secundaria, um dort mit dem Direktor, um einen weiteren Einsatz meiner Person zu sprechen. Ich einigte mich auf eine Gruppengröße von 10-30 Schülern von 2 zusätzlichen Stunden die Woche. Dabei bat ich darum, dass es wirklich nur die Schüler sind, die es aus tiefstem Herzen lernen wollen. In der Prepatoria geht mir nämlich tierisch auf den Geist, dass man immer wieder zu hören bekommt. „Ich mag Englisch nicht, ich brauche es nicht, ich kann es nicht und ich werde es nicht können“ Das ist in etwa wie wenn man von einer großen Gruppe von Menschen, denen man helfen möchte ins Gesicht geschrien bekommt: „Gib auf!“ So entsteht außerdem ein Teufelskreis. Ich sehe, dass die Schüler keinen Spaß an Englisch habe, werde frustriert, verliere den Spaß an der Unterrichtsvorbereitung, sie wird langweilig und monoton, ergo die Schüler haben noch weniger Lust. Inzwischen sieht fast jede Stunde in der Prepa gleich aus. Grammatik des letzten Themas wird wiederholt. Beispielsätze an der Tafel bearbeitet und eine Aufgabe im Lernheft erteilt. Mir ist bewusst, dass das nicht gerade von pädagogischer Versiertheit zeugt, aber auf der anderen Seite bin ich gedanklich auch nicht immer in der Schule, sondern bereits beim Wochenende. Teilweise schäme ich mich dafür, dass ich vor diesem Frewilligendienst Feuer und Flamme für diese Aufgabe war und mich jetzt so wenig dafür einsetze, aber mir fehlt auch die Anleitung durch meinen Direktor und ich weiß nicht, ob ich mich im Vorhinein nicht (wie in der Einleitung angedeutet) überschätzt habe. Ich weiß es nicht…

Über die Secundaria kann ich jedoch noch sagen, da ich letzten Mittwoch bei ihnen gelehrt habe, dass sie zumindest aufmerksamer und ruhiger sind, als ihre älteren Kollegen. Man merkt ihnen außerdem an, dass sie lernen wollen. Ob sie fähiger, also fixer sind, kann ich noch nicht beurteilen, da ich bisher erst eine Stunde gegeben habe, in der sie Begrüßungen und „I am nice“ gelernt haben. (Aussprache ist auch bei ihnen so eine Sache…. :-/ )

Donnerstag Nachmittag fuhr ich mit zu Ivan, einem ziemlichen Witzbold und Lernfeind der Schule. Im Gegensatz zu ihm ist sein Vater wissbegierig und diskutierte mit mir über die Gleichheit des Menschen und was Rassismus doch für ein Schwachsinn sei, kauderwelschte ein Paar Worte Französisch, die er in Kanada bei einem Arbeitsplatz gelernt habe und genoß den gebratenen Fisch mit mir. Er zeigte mir, dass mein Name in der spanischen Schrift identisch mit dem biblischen Wal-Propheten Jona ist. Außerdem erfreute ich mich an den Tasten seines Keyboards. Es war schön einmal wieder etwas Klavierähnliches berühren zu können. Der nicht ganz kleine Wermutstropfen war die Erkenntnis, dass ich bereits an Fingerfertigkeit eingebüßt habe. Um diese Fähigkeit habe ich Angst, da mir das Klavierspiel in meinem bisherigen Leben oft auch guter Freund gewesen ist. Ich habe ihn nicht oft zu Rate gezogen, aber wenn, dann war auf ihn Verlaß. Ich möchte den Kontakt zu ihm nicht verlieren. Seine Sprache spreche ich bald genausowenig wie Französisch, dass mir auch zu entgleiten droht, wie ich bemerke.

Im Anschluß an meine mehr schlechtes, als rechtes Vorspiel, zeigte er mir sein Können. Technisch nicht allzu schlecht, spielte er mir ein paar mexikanische Klassiker, die auf jede schrecklich Alleinunterhalterfeier gepasst hätte. Für den Stil war es schlecht, aber einfach nicht meine Musik. Das sagte ich ihm dann auch. Das mir eigentlich englischer Rock besser gefiele und das ich auch in einer Band in Deutschland den Sänger gemimt habe. Er schien sehr interessiert, also zeigte ich ihm einige Songs. Von ihnen echt angetan bat er darum, dass ich sie ihm brenne. Außerdem gestand er mir, dass er viel lieber so etwas spielen würde, aber das er keinen Absatz für jene Musikrichtung findet und deshalb auf den Festen das übliche Gedudel spielen muss. Geknickt erzählte er mir auch davon, dass alle in der Umgebung und sogar seine Familie ihn wegen seiner Musikleidenschaft für einen mäßig Verrücken halten. A propos Familie. Ivan sprach während meines ganzen Aufenthalts ungefähr 20 Worte. Die meiste Zeit schwieg er und schaute in sein Essen. Und das, obwohl ich ihn sonst als einen der Lautesten kennengelernt habe. Ich frage mich, ob sein Vater ihn so unter Druck setzt oder diszipliniert (Es ist ja leider bekannt, dass häusliche Gewalt in Mexiko noch gebraucht wird. Ich habe glücklicherweise davon noch nichts als Augenzeuge mitbekommen, aber andere Freiwillige erzählten von unmittelbaren Konsequenzen von derartigen Übergriffen), dass er zuhause völlig eingeschüchtert und zurückhaltend ist und das in der Schule zu kompensieren sucht.

Am Freitagmorgen fuhr ich, wie inzwischen schon gewohnt, per Anhalter nach Lazaro. Da Janina erst gegen 15.°° Uhr hat kommen sollen, nutzte ich die Zeit, um ein Paar Dinge zu finden. (Wie drückt man denn die Zukunft in der Vergangenheit aus?!) Ich kaufte also ein spanisch-englisches Wörterbuch, eine Pinnwand (Meine Güte, hat es ewig gedauert, das zu erklären), Pins für die Pinnwand und Tafelstifte. Ich habe die Pinnwand kaufen wollen, um sie in meinem Zimmer aufzuhängen und anhand der Karte, die ich mir die Woche zuvor gekauft hatte, einen Überblich über meinen Standort und den anderer Freiwilliger sowie Orte, die ich noch besuchen möchte, zu verschaffen. Die Freiflächen sollten für Fotos genutzt werden. Um sie aufzuhängen, kaufte ich mir letzte Woche ein Paar Nägel. Variante Nummer 1: Fehlschlag. Die Mauer ist so hart, dass ich mit den Nägeln nichts ausrichten konnte. Also kaufte ich Klebeband. Variante Nummer 2: Fehlschlag. Der Kork ist so schwer, dass das Klebeband nicht genug Klebekraft hat, um sie an Ort und Stelle zu halten. Variante Nummer 3 folgt nach der Wochenendbeschreibungsvollendung. Nachdem ich Janina, sie mit einem Banenmilkshake begrüßend, abgeholt hatte, schlenderten wir noch ein wenig durch die Stadt, um dann mit einem Bus nach Caleta de Campos zu fahren, einem Küstendorf, in dem Maren, eine weitere Freiwillige, die ich bereits vorher schon mal erwähnt habe, arbeitet.

Caleta ist nicht mit Las Canas zu vergleichen. Caleta hat einen wunderschönen Hauptplatz, an dem sich alles was Rang und Namen hat, trifft und auf den Bänken schwatzt, palavert, neueste Gerüchte austauscht, flirtet, lebt. Caleta hat mehr als eine geteerte Straße. Caleta hat eine Bucht! Das Wasser ist wunderbar angenehm und die Strömung ist angenehm aufregend. Den Strand bewunderten wir aber erst am Samstagmorgen. Zuvor genoßen wir die Ruhe des Hauses, das wir mieteten. Zu wunderbar günstigen 150 Pesos die Nacht, umgerechnet 5 Euro, bekam man 3 Zimmer + Küche + Bad mit 6 Betten. Unglaublich, nicht wahr?

Aber Maren wohnt auch nicht gerade heruntergekommen. Die Küche ist so groß, wie bei uns der größte Raum, außerdem ist alles gefließt. Zumindest im zweiten der drei Stockwerke. Auch da packte mich wieder der Neid. Außerdem lernt sie gerade Purhepechas-Geige, was ich auch durchaus für beneidenswert halte.

Samstag packte uns außer dem Neid, der mich packte, die Furcht vor einem Zyklon, der uns von Marens Gastmutter angekündigt wurde. Außer einem starken Regen- und einem nicht weniger starken, sprich langanhaltenden Stromaus-Fall, suchte uns gottseidank jedoch nichts heim. Wir entdeckten jedoch, dass wir ohne Elektrizität nicht kreativ genug sind, uns sinnvoll zu beschäftigen. Sehr ernüchternd.

Sonntagnachmittag erwarb ich dann noch ein sanftgelb-kitschiges Moskitonetz in Caleta und war fortan mit blauem Plastiksack und Pinnwand bewaffnet.

Da wir (Janina und ich) keine große Lust verspürten, die Stadt bereits am Sonntag nachmittag zu verlassen, entschlossen wir uns kurzerhand und ohne groß (weiter) darüber nachzudenken, einfach bis Montag morgen zu bleiben. Dies hatte dann einen sehr gekürzten Nachtschlaf zur Folge, da wir um 4 Uhr aufstanden. Aber wir kamen beide rechtzeitig in unseren Dörfern an. Ich glaube das Schlimmste in der Woche sind die Busfahrten zurück ins Dorf nach einem erneut sehr genießendswürdigen Wochenende und der darauffolgende Montag. Ununterbrochen fragt man sich, warum denn die Wochenenden so kurz sind und wie lange es noch dauert bis das nächste anbricht. So ist es zumindest, wenn ich aus meiner Sicht spreche. So weiß ich auch diesmal nicht, was ich Erzählenswertes an jenem Montag gemacht habe. Und auch heute (Montag, der 20. Oktober) ist bisher nichts Spannendes geschehen.

Am Dienstag freute ich mich Jose, den anderen Sohn von Gavina, meiner Gastmutter, zu Hause anzutreffen. Mit ihm wagte ich mich an die Operation Pinnwand und Moskitonetz. Dazu kaufte ich neben den Nägeln auch etwas Schnur, um das Netz aufzuhängen. Doch wie erwähnt hatte ich mit den Nägeln kein Glück. Und auch das Moskitonetz erwies sich als widerspenstiger als gedacht. Erst bekam ich die Schnur nicht über den Deckenbalken und dann schien es zu klein zu sein. In der Zwischenzeit macht mir die Kombination aus Ventilator und Netz Probleme, da der Luftstrom entweder das Netz in mein Gesicht oder den Eingang aufweht. Ich bilde mir jedoch ein, dass ich seit ich es habe, nicht ganz so mückengeplagt bin, weshalb ich die Nebenwirkungen in Kauf nehmen kann.

Nun jedoch zurück zur Pinnwandaktion. Klebeband nicht, Nägel nicht und nun habe ich heute versucht es mit dem Bindfaden an einem Nagel, der bereits hängt, aufzuhängen. (Das an dem Nagel ein Jesuskreuz hängt, verschweige ich mal.) Auch dieser Versuch scheitert, da sich die Wand durch ihr Eigengewicht biegt und die Ecken zur Mitte streben. Dabei habe ich doch die Karte so schön mit Pins und Fotos präpariert.

Zur Feier des Kommens (Vielleicht auch nur aus Spaß an der Freude) von Jose fuhren Yvonne,Tere, Sofia (eine Schülerin und die Exfreundin von Jose), Ricardo, Jose und ich jenen Abend in einen anderen Ort, um dort zu Abend zu essen. Ich war völlig aus dem Häuschen als ich dort Handyempfang entdeckte. Das musste ich ausnutzen. Sofort schrieb ich eine Sms an Janina und es war ein tolles Gefühl spontane Kontaktmöglichkeit zu haben. Außerdem klingelte ich sie spielerisch an. Ihre Sms zu empfangen war ebenso toll wie eine schreiben zu könne, weniger toll jedoch war ihre Frage, warum ich denn Netz habe, da ich das ja in der Sms erläutert hatte. Ich schrieb also noch eine. Da daraufhin aber keine Antwort kam, entschloss ich mich sie anzurufen. Es stellte sich heraus, dass es nur möglich war, zu telefonieren, Sms’ jedoch nicht ihren Empfänger erreichten. Trotzdem fühlte ich mich nicht besonders gut, in das Dorf ohne Außenwelt zurückzukehren. Naja, immerhin habe ich Internet. Trotzdem ist es das, was mir mit am meisten fehlt, glaube ich. Spontaneität. Die Möglichkeit kleine Nettigkeiten zu versenden oder zu empfangen und so Dämpfer des Schlechtfühlens zu erschaffen.

Ich hole auf wie ihr seht. Noch bin ich nicht ganz in der Gegenwart angelangt, aber ich komme voran. Bis bald… Ich vermisse die meisten, die das hier lesen… Passt auf euch auf!

[2100 Wörter]

Nur noch 7 Tage zu erzählen, bzw 10 Spiegelstriche. Damit ich auch ja nichts vergesse, was für euch Leser von Relevanz sein könnte, schreibe ich mir inzwischen schon Listen mit Dingen, die es zu erwähnen gilt. Unglücklicherweise kann ich mich nicht entsinnen, wie mein letzter Montag aussah und da ich mir auch nichts aufgeschrieben habe… Höchstwahrscheinlich wird es gewesen sein wie alle Montage. Ich frage mich, warum ich überhaupt ins Dorf zurückgekehrt bin bis ich mich das nächste Mal gut unterhalte oder herzhaft lache. Bis zu dem Zeitpunkt aber, möchte ich meist dahin zurück, wo ich das Wochenende über war oder zumindest weg. Das ist der Schmach der Montage, der echt nicht ganz einfach zu behandeln ist. Naja, vielleicht legt sich das ja, wenn ich soviel zu tun habe, dass ich keine Zeit zum Sinnieren habe. Das bezweifele ich jedoch, da sich mein Direx um so gut wie nichts kümmert und ich mir im Moment eigene Beschäftigungen suche.

Also machen wir weiter mit dem Dienstag. Als ich in der Schule ankam, wunderte ich mich, da eine sehr festliche Stimmung herrschte. Außerdem wurde auch am Morgen dieses Tages schon über einen gewissen „Acto Civico“ geredet. Da ich mir aber unter diesem Begriff nicht wirklich etwas vorstellen konnte, war ich sehr gespannt, was mich erwarten würde. Zunächst wurde der Sportplatz vor der Schule blankgefegt. Ich stand etwas abseits und schaute mir verwundert die Szenerie an. Als mir dann plötzlich ein Gurt um die Schultern gelegt wurde, wuchs meine Verwunderung. Es stellte sich heraus, dass der Gurt eine Traghilfe für ein Flagge war. Mir wurde die ehrenvolle Aufgabe übertragen die Friedensflagge zu tragen. Da ich nie die Chance hatte, einen Nationalstolz zu tragen (Das Problem der deutschen Vergangenheit, dass ihr sicher gut kennt (Ich sehe mal von der WM 2006 ab, ja?)), war auch die Ehrung einer Flagge etwas Neues für mich und das Tragen einer Flagge selbst, erst recht. Dementsprechend ungewöhnlich war das Gefühl plötzlich als Statussymbol gesehen zu werden. Die Schüler gruppierten sich an 2 Seiten des Platzes. Mein hochgeschätzter, fleißiger und über alle Maßen innovativer Direktor (-.-) trat vor und richtete das Wort an die versammelte Schülerschaft. Glaubt bloß nicht ich hätte alles verstanden, aber es ging wohl wie ich später erklärt bekommen habe, um den kommenden Monat, um die Werte der Institution CECyTEM und Ähnliches. Da im kommenden Monat, genauer gesagt in der kommenden Woche, ein Nachmittag mit Schülern aus der Primaria, zum Thema Ökologie und Wissenschaft geplant war, wurden dann die wichtigsten Daten bezüglich weltbewegender Erfindungen vorgelesen. Im Anschuß daran wurde die Fahne der mexikanischen Republik ehrenvoll in das Zentrum des Platzes transportiert. Eine Gruppe von millitärähnlich uniformierten Schülern marschierte einmal um den Platz und brachte sie dann unter Kommandos einer Marschführerin (Heisst das so?) in den Mittelpunkt. Dorthin wurden dann einige Schüler gerufen, die besondere Aufgaben hatten, nachdem sie die Flagge gegrüßt und salutiert hatten. 2 Schüler begannen die Nationalhymne, woraufhin der Rest des Platzes einfiel. Ein anderer hatte die Aufgabe den Ruf zu erfragen. „Welches ist unser Weg?“ (Cual es nuestro rumbo?) Der versammelte Haufen schrie: „La Excelencia!“ „Como?“ „LA EXCELENCIA!“ Ähnlich beeindruckendes Gefühl wie bei der Fiesta de las Patrias, am Tag des Anschlags. Und dann sollte auch ich eine Runde um den Platz patrouillieren. Erneut sehr seltsames Gefühl eine Aufgabe zu übernehmen ohne sich damit wohl zu fühlen, auf der anderen Seite dachte ich mir, dass Frieden eine angemesse Botschaft für einen Freiwilligendienstler im Ausland ist. Naja; langsam bin ich das Gefühl ja gewohnt, dass mehr als 10 Augenpaare auf mir ruhen… Nach meiner Runde zerstreuten sich die Schüler und der Tag nahm seinen Lauf. Auf mich kam jedoch noch ein innerer Konflikt zu (der sich ganz nebenbei immer noch nicht ganz aufgelöst hat). „Jonas, du wirst doch am 20. November, dem Tag der mexikanischen Unabhängigkeit, während unseres Festumzugs durchs Dorf erneut die Friedensflagge tragen, oder?“ Klingt erstmal nach einem ehrenvollen und verlockenden Angebot, nicht wahr? Wäre da nicht der unglückliche Zufall, dass ich mich, seit ich weiß, dass ich nach Mexiko reisen werden, darauf freue am 20. November auf das Wiedervereinigungskonzert von Ska-P nach Mexiko City zu fahren. Was schlagt ihr mir vor?

Am Abend dieses Tages musste ich erneut erkennen, dass auch hier nicht alle Menschen ausschließlich von Sensibilität und Neugierde geprägt sind. Ich hatte eine mehr oder weniger unbequeme Begegnung mit einer Gruppe von Halbstarken im Alter vor 20-25, mit denen ich eine Runde Basketball spielte. Es fielen jedoch viele derbe Sprüche und es fiel mir schwer die Grenze zwischen Ernsthaftigkeit und Spaß zu erkennen. Dann kamen Fragen auf, die inhaltlich an Derbheit nichts verloren. Ob es denn keine Polygamie in Deutschland gebe und warum ich denn nicht mehrere Freundinnen hätte? Eine in Deutschland und mehrere hier? Warum ich überhaupt hier sei und nicht das Leben in Deutschland auskoste? Was ich hier wolle? Dann kam man zum Alkohol. Ob ich denn nicht beizeiten Bock hätte, mir mit ihnen ordentlich einen hinter die Binde zu kippen? —

In einigen Bereichen sind glaub ich die Menschen überall gleich… Mit dem mexikanischen Humor kann ich (noch) nicht richtig umgehen. Zumindest nicht mit dem Humor der Straße, ohne das abwerten betonen zu wollen.

Wie ich jetzt mehrmals erwähnt habe, bin ich bisher nicht richtig zufrieden mit meiner Auslastung. Ich gebe, bzw unterstütze Tere, die Englischlehrerin, dabei von 6 (+1 für mich) Stunden Englisch zu geben. Diese gebe ich in der CECyTEM-Schule der CEMSAD Las Canas, Plantel No 35 , Schulform Prepatoria, wie die deutsche Oberstufe. Jeweils am Montag, Dienstag und Donnerstag im Primer Semestre und Tercer Semestre, was vergleichbar mit 11. und 12. Klasse ist. Dazu gebe ich dem Quinto Semestre eine Stunde alleine. Das wäre dann in Deutschland eine 13. Klasse. Anders als in Deutschland beschäftigt man sich aber in der 12. Klasse noch nicht mit Themen außerhalb des Spracherwerbs, auf Englisch, wie zum Beispiel Genmanipulation, Kurzgeschichten oder Ähnlichem, sondern steckt mittendrin in der Phase des Lernens. Mein Thema zur Zeit in der „12.“ sind zum Beispiel einfache Relativsätze mit “IF + simple present, (komma) will- Future + verb in infinitive form“. Wie dem auch sei. Das hat mir irgendwie nicht ausgereicht. Deshalb habe ich mir überlegt, was ich noch machen könnte. Mein erster Gedanke waren die anderen Schulformen, die es hier zu finden gibt, sprich Primaria (Grundschule?) und Secundaria (7.-10?) und ich habe mich erkundigt, was es denn in der Primaria bisher für Angebote an Englisch gibt. Dazu habe ich natürlich erstmal den Direktor der Primaria kontaktiert und ihn gefragt, was er davon halte, dass ich 1-2 Stunden pro Woche Englisch in der Schule gebe. Der Direktor der Primaria schien recht angetan von der Idee zu sein. Also kam ich letzten Mittwoch, den 8. Oktober, bereit eine Klasse zu unterrichten, in die Schule. Zu meinem Erstaunen aber war sie vollkommen leergefegt. Wie meist, war ein Grüppchen von kleineren Menschen jedoch nicht allzu weit und ich fragte, wann denn die Stunden weitergingen. Er meinte: „Morgen früh gegen 8“ Ich kramte nochmals in meinem Gedächtnis, ob ich vielleicht zum falschen Zeitpunkt (16.30 Uhr) aufgetaucht bin, doch eine andere Information fand ich nicht. Also bat ich den Jungen mich zu dem Direktor zu bringen, da ich mir nicht denken konnte, dass ich weit weg wohne. Falsch war meine Vermutung in der Tat nicht und trotzdem blieb mir eine kleinen Überraschung nicht erspart, als sich plötzlich ein mir wildfremder Mann als Direktor vorstellte. Als ich ihm verwundert versuchte zu erklären, was mein Anliegen ist, meinte er, dass er auch nicht wüsste, warum der Direktor nicht da sei, er habe ihn den ganzen Tag noch nicht gesehen und es stellte sich heraus, dass es 2 Durchgänge in der Secundaria gibt und so auch 2 Direktoren. Und ich hatte – zeitbedingt, morgens war ich ja nahezu immer mit CECyTEM beschäftigt– mit dem Direktor des Nachmittagsdurchgangs gesprochen. Zu dem Zeitpunkt befand ich mich aber beim Direktor des ersten Durchgangs. Unglücklicherweise kommen alle Schüler, samt Direktor aus einem entfernten Dorf, weshalb ich den richtigen Direktor nicht erwischen konnte. Ich bat also den Direktor, dass er seinem Kollegen sagt, dass ich ihn suche und noch immer Interesse an dem „Job“ hab. Wenn ich jetzt im jetzt schreiben dürfte/würde, könnte ich euch sagen, dass er sich bisher nicht nochmals gemeldet hat und ich auch nicht weiß, ob ich es noch immer will, da andere meiner neuen Aufgaben sich auch als schwieriger und zeitaufwendiger erwiesen habe, als ich dachte, aber darauf komme ich hoffentlich auch innerhalb der nächsten Ewigkeit zurück.

Auch wenn es mich wieder tierisch stört einen Blog in der Vergangenheit abzubrechen, tue ich es erneut. In der nächsten Ausgabe meiner Internetzeitschrift „Gefangen in der Vergangenheit“ werde ich euch über meine Erfahrungen mit Ökologie in Mexiko, den Unterricht in der Secundaria und einsame Wunderlinge mit Leidenschaften erzählen. Gehabt euch wohl! Que se cuidan!

(1433 Wörter)

Es ist echt unsagbar schwierig immer eine Woche zurückzuhängen mit dem Schreiben, aber wenn auch immer was passiert, kann ich ja nicht beschleunigen. Ich stehe jetzt mit dem Erzählen am Samstag der letzten Woche, dem 4. Oktober. Heute ist jedoch schon Montag, der 13. Oktober. Ich weiß nicht, wann ich das alles beschreiben und erzählen soll. Außerdem ist es nicht gerade einfach sich an alle Dinge detailliert zu erinnern, wenn neue Begegnungen und Emotionen die Erinnerungen verblassen lassen. Doch anstatt mich zu beschweren, sollte ich einfach beginnen. Also… der letzte Samstag:

Da wir uns am vorherigen Tage mit einem von Janinas Schülern, Abner zum Fischen verabredet hatten, konnten wir zu unserem Leidwesen nicht ausschlafen. Wir standen also gegen 9 Uhr in La Mira auf und fuhren mit dem Camión nach Chucutitan, wo wir uns mit Abner und dem Doktor des Dorfs, Jesús, an der Dorfklinik trafen. Nachdem die beiden ihr Frühstück beendet hatten, stiefelten wir los. 30 Minuten durch etwas unwegsames Gelände mit vielen Büschen und Gestrüpp, über ausgetretene Wege und einige Hügel. Dabei die gesamte Zeit von Palmen umgeben. Als wir dann am Strand ankamen, war ich etwas enttäuscht. Er war voller Treibgut und dementsprechend unansehnlich. Doch die Aufregung dem Fischen gegenüber machte die kurze Enttäuschung wieder wett. Wir entledigten uns also unserer Schuhe und Abner zog sein Netz aus dem Rucksack. Vielleicht ist wichtig zu erwähnen, dass wir nicht fischen fahren wollten, sondern nur von Strand aus das Netz in die Brandung warfen, aber das hätte ihr ja auch aus dem folgenden Absatz erlesen können. Na, wie dem auch sei… Abner wickelte sich also das Netz geschickt um die Arme. Später erkannte ich, dass das nötig ist, um einen möglichst großen Bereich mit den Netz abzudecken. Da es in der Mitte ein Gewicht hat, zieht es sich zusammen, wenn man es dann aus dem Wasser zieht. Aber bevor man es einzieht, muss es natürlich genug Raum abdecken, um Wesen einzufangen. Und dazu teilt man es mit einem nicht ganz unkomplizierten Vorgang und legt es sich um die Ellenbogen. Ihr könnt euch nicht vorstellen, wie schwer so ein Netz ist. Man mag meinen, dass diese Anhäufung Stoff doch nichts wiegen wird. Weit gefehlt… Nach 3 Versuchen das Netz ebenso gekonnt wie Abner ins Meer zu schleudern, taten mir die Arme dermaßen weh, dass ich das Netz erst einmal wieder abgeben musste, um es später erneut zu versuchen. Außerdem steht man mit dem Netz in einer sehr starken Strömung, die die Körperbeherrschung nochmals beansprucht. Nicht zuletzt kann es auch sehr gefährlich sein, da man sich ohne Probleme ja selbst im Falle eines Falles in dem Netz verfangen kann. Wir waren jedoch weitesgehend unversehrt.

Wir wanderten dann den Strand entlang und warfen immer mal wieder das Netz ins Wasser. Unser Fangglück war beschränkt. Mit dem Netz fingen wir 6 Kreaturen (3 davon ich, wie ich stolz vorzuweisen habe) genannt Chiquiliquis, von denen ich bezweifele, dass irgendjemand ihnen einen deutschen Namen gegeben hat. Es sind kleine Krustentiere, die wirklich sehr abstoßend aussehen, wie braun-graue, kompakte Käfer, ungefähr Zeigefingergroß. Das Interessante ist jedoch, dass man sie eigentlich anders ergattert. Abner erklärte mir, dass sich das zurückziehende Wasser sich anders kräuselt, wenn sich im Sand darunter Chiquis befinden. Dann steckt man einfach auf gut Glück und mit viel Überwindung seinen Unterarm in den Sand und zieht, falls man etwas berührt, eines dieser Viecher an die Oberfläche. Ihr werdet es nicht glauben, aber auch dieser Variante erwies ich mich als fähig und überwand mich zweimalig mit Erfolg. Es ist echt ein eigenartiges Gefühl seine Hände ins Ungewisse zu strecken, nur in der Hoffnung sich zu erschrecken, wenn man etwas sich Bewegendes berührt, um es dann zu bergen. Wirklich seltsam…

Zwischendurch legten wir uns in einen ruhigen Abschnitt des Wassers, in dem ein Fluß aus dem Landesinneren und das Meer einen kleinen See gebildet hatten. Es war sehr angenehm. Dann jedoch kamen mit die Erzählungen der Einwohner in den Sinn, die besagen, dass die Krokodile nur in den ruhigen Gewässern leben und mir wurde es doch etwas mulmig zumute. Allein die Vorstellung, dass irgendwo in mehr oder weniger unmittelbarer Nähe diese absolut tödlichen Tiere leben könnten, war Grund genug sich nicht wohl zu fühlen. Doch ich ließ mir nichts anmerken, war dann aber erleichtert als wir uns wieder aufmachten.

Die nächste Station unseres Ausflugs war ein umzäunter Bereich voller Kokospalmen, wovon wir uns einige zu Gemüte führen wollten. Das Problem dabei war jedoch, dass wir nach wie vor barfuss wanderten. Und in diesem Bereich der Palmen eine Pflanze heimisch ist, die wie eine Kreuzung aus Klette und Distel wirkt. Klettengroße, stachelige Bälle, die sich bei der kleinsten Berührung in die Haut heftet. Schmerzhaft. Abner und ich versuchten mithilfe von Holzstücken eine kleine Brücke über die Stachelviecher zu bauen, aber trotzdem war es nicht angenehm. Deshalb gingen Janina und Jesus zurück, um unsere Schuhe zu holen. Währenddessen versuchte ich an einer kleinen Palme mein Glück als Klettermax. Das Hinauf war überraschend einfach, umso schwerer war das Hinab. Von Palmrinde aufgeschabte Haut ist auch nicht angenehm. Die Kokosnuss, die ich dabei ergatterte war jedoch Lohn genug. Zufriedengestellt wäre ich aber vollständig erst dann gewesen, wenn ich sie hätte probieren können. Unglücklicherweise war es jedoch eine ohne Milch. Ich resignierte. Abner indes versuchte mit einem starken Palmwedel Nüsse von den Bäumen zu schlagen oder zu stoßen. Dabei hatte er jedoch auch Probleme wegen der Beeinträchtigung der Agilität wegen der Fußgefahr. Doch als dann Janina und Jesus mit den Schuhe eintrafen, war seinem Übermut kein Einhalt zu gebieten. Innerhalb von 20 Minuten schlug er 6 Kokosnüsse in allen Größen von den Bäumen und ihr könnt euch sicherlich auch nicht vorstellen, wie schwer es ist eine Kokosnuss von ihrem Mutterbaum zu trennen. Schwer. Und obwohl mir bei den bisherigen beiden Versuchen Kokosmilch nicht wirklich schmackhaft gemacht werden, fand ich diesmal Gefallen daran. Auch nicht in den Unmengen wie Abner sie zu sich nahm, aber eine trank auch ich allein. Als wir dann alle gesättigt waren, machten wir uns langsam auf den Heimweg.

Den Heimweg begleitet ein stetiges Prusten und Pusten, da meine gesamten Begleiter versuchten, das Geheimnis des 2/4-Finger-Pfeifens zu ergründen. Janina hatte eindeutig den meisten Erfolg, aber sie konnte ihren guten Lehrer auch schon länger unter Beschlag nehmen. Dieser Wettbewerb artete dann darin aus, wer die meisten Geräusche mit dem Mund machen kann. Von Schnalzen über Wassertropfen bis zu Eule und Grashalmpfeifen war einiges dabei.

Zurück in der Klinik lud Abner uns ein, unseren Fang bei ihm zu schmausen. Jesus konnte uns nicht begleiten, da er eine Patientin zu behandeln hatte. Wir machten uns also auf ins Abenteuer Chiquiliquis jetzt auch noch essen, obwohl das Anschauen schon schwierig ist. Und das war auch der entscheidende Punkt. „Das Auge ist mit“. Zumindest dann wenn es dazu in der Lage ist. Rolle das wiederliche Viech einfach in einen Tortilla ein und stecke es in den Mund. Wenn man dann von dem Knacken absieht, sind sie wirklich sehr schmackhaft. Besonders mit Mayonaise kann man wirklich Gefallen daran finden. Aber wie gesagt, nur dann, wenn man die Chance hat zu vergessen, was man da eigentlich isst.

Beim Händewaschen im Garten, bemerkten wir eine riesige Ansammlung von Hähnen. Abner erzählte uns, ob stolz oder nicht, ist nicht klar zu deklarieren, dass sein Vater Hähne für den Hahnenkampf züchte. Man bekäme sehr viel Geld für einen Sieg. Als Abner uns dann auch noch die Klingen zeigte, die man den Kampfhähnen an die Krallen schnallt, damit sie ihren Gegner auch töten können, wurde uns erneut etwas mulmig, ob der Tierquälerei. Die Vorstellung finde ich ungemein grausig und grausam. Aber Traditionen muss man ja bis zu einem bestimmten Grad achten. Und ich glaube nicht, dass eine Beschwerde in der Situation weder angebracht noch wirkungsvoll gewesen wäre.

Der Restsamstag zurück in La Mira wurde sehr besinnlich, denn wir spürten den Tag eindeutig in den Körpern. Nur noch etwas Klönen zu zweit und genießen des weichen (für einige hart genug) Bettes.

Der Sonntag wurde zum Ausschlafen verwendet. Eigentlich wollten wir ja schon an diesem Tag in unsere Familien (ich in mein Dorf) zurückkehren. Aber da mein Direktor nicht der Regelgetreueste ist, dachte ich mir, dass ich auch ein wenig zu spät kommen könne und entschied mich dafür erst am nächsten Morgen den Bus nach Las Canas zu nehmen. Dann riefen wir beide mit den Karten, die wir mit Auroras Hilfe in Lazaro Cardenas erworben hatten, unsere Großmütter an. Es war wirklich schön mal wieder eine vertraute Stimme zu hören. Bei mir war sogar die Verbindung sehr klar (bei Janina nicht :( ). Es war schön, aber es war zugleich etwas schmerzhaft, weil man unweigerlich auch mit den Dingen, die man vermisst, konfrontiert wird. Ich frage mich wirklich wie das Freiwillige ertragen können, die nicht das Glück einer so großen Gruppe aus Mitleidenden/Mitgenießenden zu haben, in der man an den Wochenenden Zuflucht finden kann. Vielleicht bin ich ja auch zu wehleidig. Naja… Einatmen. Ausatmen. (Zitat „Kammerflimmern“)

An diesem Tage erfuhren wir etwas über die mexikanische Variante der Kommunion/Konfirmation, der „Encerrada“. Das gesamte Wochenende über, war nämlich Maria-Elena junior in einem Raum eingesperrt. Ich habe nicht genau verstanden, ob die ganze Zeit in demselben und ob immer alleine, aber ich weiß, dass die Zeit wohl als Besinnungs- und Betzeit verstanden wurde. Geschlafen wird auf dem nackten Boden. Es soll außerdem dazu dienen, sich bewusst zu werden wie gut man es hat. Das kommt einem alles – in weniger extremer Ausführung – nicht allzu unbekannt vor, aber nun kommt das Besondere. Am Samstag werden auch die Eltern in die Kirche eingeladen und werden zu zweit in einen Raum gesperrt mit Schweigegelübde und Bibel. Von Zeit zu Zeit kommen „Encerrados“ des letzten Jahres in den Raum und flüstern Dinge, wie „Du bist mir wichtig“ in die Ohren der Eltern und küssen sie auf die Wange. Ich stelle mir das als eine sehr intensive Erfahrung vor. Am letzten Abend dann, am Sonntag kommen alle Eltern in die Kirche und erleben mit ihren Kindern einen gemeinsamen Gottesdienst und jedes Kind darf über ein Mikrophon seinen Eltern etwas sagen. Dankesworte oder Entschuldigungen. Maria-Elena hat zumindest etwas verstört gewirkt, als sie angekommen ist, aber froh wieder zuhause zu sein. Ich hätte gerne noch mehr von dieser Veranstaltung erfahren, aber meine Fragen sind mir ausgegangen und ich glaube, dass mein Verständnis der spanischen Sprache auch noch nicht ausreichend ist.

Alles in allem muss ich zu den 5 Tagen in Chucutitan und La Mira sagen, dass sie mir sehr gut gefallen haben und ich einige Dinge beneide. An oberster Stelle steht der Direktor. Im nächsten Monat wird er eine dreitägigen Jubiläumsfeier zu Ehren der 2 Jahre existierenden Schule organisieren. Dazu sind mehrere Schulen eingeladen und alles steht unter dem Stern „Spielen und Lernen“. Außerdem fährt die Schule bald zu einer Schildkrötenaufzuchtsstation. Er hat bereits einen Mülltag organisiert, an dem die Schüler aus Müll Spielzeuge mit den Kindergartenkindern gebastelt haben. Diese Innovation und Wissbegierde vermisse ich bei meinem Direktor. Ich will mich nicht beklagen, aber manchmal komme ich mir etwas allein gelassen vor. Janina hingegen hat bald zuviel zu tun. Da sie einen eigenen Stundenplan hat, bleibt ihr kaum noch Zeit selbst den Tag zu planen. Ich hingegen habe „bisher“ (siehe nächster Blog) meine 7 Stunden Englisch pro Woche und sonst keinerlei Verpflichtungen. Trotzdem habe ich auch keine Chance richtige Erfolgserlebnisse zu haben, da ein einem Erfolg immer einer Herausforderung vorausgehen muss.

Des Weiteren beneide ich, dass sie ein Telefonnetz hat. So verwöhnt es klingen mag, ich bin Anschluss zur Außenwelt gewöhnt und fühle mich auch ein wenig abhängig davon. Wie gerne würde ich Janina oder einem anderen der Freiwilligen einfach mal eine Grußsms schreiben, aber wie soll ich das tun ohne Funknetz? Und Festnetztelefone gibt es 4, von denen 2 nur Anrufe empfangen können.

Ich denke, das reicht vorerst bezüglich des Wochenendes. Morgen oder heute abend, werde ich mich dann daran setzen, die letzte Woche, samt dem gestern beendeten Wochenende, aufzubereiten. Wünscht mir Erfolg und Ausdauer! Alles Gute euch!

(Huhuhu!)

[1979 Wörter]

Erzählzeit ist Montag, der 6. Oktober 2008. Erzählte Zeit ist Mittwoch, der 1. Oktober 2008, an welchem ich das letzte Mal in „Las Canas“ war, dem Dorf, wo ich mich zur Zeit im „Internetcafe“ befinde und wo ich aller Voraussicht nach auch die kommenden 5 Monate arbeiten werde. Nun jedoch zu Mittwoch.

Mittwochs machte ich mich auf zu einem weiteren Abenteuer „Anhalter“. Da ich jedoch eine gute Anlaufstelle habe, war es nicht schwierig eine MItfahrgelegenheit nach Lazaro Cardenas ausfindig zu machen. Mit der „guten Anlaufstelle“ meine ich meine „Gastmutter“, bzw die Dame, Donia Gavina, die für meine Unterkunft zuständig ist (Eine wiederum andere, Donia Guerra) kümmert sich um mein leibliches Wohl. Besagte Gavina arbeitet nämlich in einem Restaurant – nach mexikanischen Vorstellungen von Restaurant – direkt an der Autopista. Insofern hat sie viele Kontakte zu trailleros, Brummifahrern und findet meist auch zügig eine Aufspringoption für uns. So auch diesmal. Binnen eines Zeitraums von 10 Minuten saß ich zu Seiten eines schnurrbartbewehrten Vollblumexikaners, der mir dann auf der Fahrt nuschelnd mitteilte, dass er schon mal in Amerika gearbeitet habe. Wirklich unterhalten haben wir uns nicht, aber das war auch nicht nötig. Ich habe genauso viel Zeit wie mit dem Bus gebraucht und nichts bezahlt. Was will ich mehr?

Dann in Lazaro angekommen, stratzte ich zum Busterminal. Das Glück schien mir gewogen, denn ein Bus mit dem Ziel Caleta de Campos, ein Dorf hinter Chucutitan, wo ich ja hinwollte, wartete unschuldig am Abfahrtsplatz. Ich also flugs hineingehopst und wenige Minuten später war ich auf der ‘Walz’. Chucutitan stellte sich als hügeliges, nicht idyllisches, aber auch nicht hässliches, kleines Fleckchen Erde dar, dass zumindest 2 passable Volleyballfelder vorzuweisen hat. Nach 3 Nachfragen hatte ich dann die Schule gefunden. Verglichen mit unserer Schule, die in einem Himmeblau erstrahlt, ist jene Schule trist und grau, wie die Direktion, in der ich zuerst habe leben sollen. Sie hat 3 Räume, von denen 2 durch ein Stockwerk und ein dritter durch eine Straße getrennt ist. Die Räume sind ziemlich dunkel. Dafür sind die Klassen klein und die Schüler kommen mit fixer vor. Dazu kommt dass Janinas Englischlehrerin versucht Englisch auch verbal in den Unterricht einzubringen. Bisher hat Janina fast nur assistiert. Der eigenständige Unterricht wird wahrscheinlich diese Woche beginnen. Weiterer Vorteil. Außerdem hat sie weniger Idioten, die ihren Unterricht durch Pfeifen oder Desinteresse manipulieren werden. So wirkte es zumindest. Was fällt mir noch an Unterschieden ein? Unsere Toilletten in Las Canas sollten wohl mal eine sinnvolle Investition sein. 5 Schüsseln, 5 Pisseoirs und 3 Waschbecken klingt auch erst mal sehr sinnig, nicht wahr? Aber dadurch, dass 2 der 5 Kabinentüren kaputt sind, es weder Papier noch Mülleimer gibt, die Toilletten immer unter 2 cm Wasser stehen, und die Wasserhähne zu kurz sind, um die Hände unter ihnen zu waschen, ist es keine Freude in der Schule einem Bedürfnis nachgehen zu wollen. Anders ist es in Chucutitan. Das Klo ist in der simpelsten, möglichsten Ausführung. Ich korrigiere mich. Es hat anders als die „canasischen“ Klos eine Klobrille. Das ist schon fast Luxus. Aber wenn etwas einfach ist, ist es auch schwer es zu verschandeln oder versucht mal eine graue Mauer mit Edding hässlich zu kritzeln. Demnach wirkt das Klo sauber und es gibt keine Probleme damit. In Las Canas ist es abstoßend, dort nur grundlegend…

Zurück zum Geschehen. Da Janina grade in einer Art Elternabend steckte, beschränkten sich meine ersten 3 Stunden aufs Warten. Da ich jedoch meinen Roman griffbereit hatte, war es zu ertragen. Außerdem war es sehr amüsant zu beobachten, wie die Tochter der Kioskbesitzerin, in welchem ich wartete, ein kleines Wesen ,von ungefähr einem Jahr, nicht wusste, welchem Gefühl sie nun stattgeben solle, distanzierter Furcht oder faszinierter Neugierde. Und wie gesagt, dazu kam mein Büchlein, dass inzwischen fast zu meiner persönlichen Bibel geworden ist. „Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins“ von Milan Kundera. Man könnte sich pausenlos Gedanken herausschreiben, um zu anderem Zeitpunkt darüber zu diskutieren. Dieses Buch verquieckt Literatur, also Sprachgewalt mit metaphysischer Phisolophie und etymologischen Abhandlungen. Man kommt aus dem Denken nicht heraus, aber trotzdem ist es nicht schwergängig. Wegen seiner Achronologie kann man zumindest mental an jeder Stelle des Plots einsteigen. Allein das Bewusstwerden der Handlung wird dadurch erschwert. Klingt plausibel, nicht? Ich wartete also, versunken in gedanklichen Windungen. Als Janina mich daraus hervorzerrte, fuhren wir zunächst in das Haus, in welchem sie ihre nächsten Wochen verbringen sollte. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte sie ihr Dasein noch in einem anderen Haushalt gefristet. In 2 Zimmern zu 5 Leuten und einem Kaninchen (bevorzugter Köttelort ist Rucksack von Fremdlingen) ist aber auf Dauer nicht sehr angenehm, noch weniger, wenn man nicht einmal in der Nähe seiner Arbeitsstelle leben kann (Das Haus war noch ein Dörfchen weiter als Chucutitan und nicht zu Fuß erreichbar) und sich so in das eigene Dorf integrieren kann. Doch davon sollte sie ja nun erlöst werden. Der Zufluchtsort wurde im Anschluss begutachtet. Ein recht großes Wohngebäude mit, wenn ich mich recht erinnere, 5 Zimmern wurde uns vorgestellt, samt zweier sympathischer Gastgeschwister. Das Zimmer war niedlich, wie gewohnt gespickt von einigen religiösen Symbolen, aber zumindest hat es eine Tür und ein eigenes Bett. Janina strahlte…

Über das Wochenende sollten wir doch erst mal bei ihrem Direktor Jaime einquartiert werden. Jener ist ein drahtiger Mittvierziger mit disziplinierter Ausstrahlung, aber den Schalk in den Augenwinkeln gefesselt. So war seine erste Assoziation zu meinem Alter auch „Niniito“, Kindchen. Toller erster Eindruck…

Wie dem auch sei… Nachdem wir also 2 von Janinas Wohnorten besichtigt hatten, einen ehemaligen und einen zukünftigen, fuhren wir ins Heim des Direktors. Dort wurde uns der Teil der Familie, der noch im Hause lebt, vorgestellt: Das jüngste Mitglied Modesto, genannt Mode macht seinem Namen alle Ehre, da er wenig zeigt, was er eigentlich auf dem Kasten hat. Zwischendurch mal ein verlegenes Grinsen und eine plötzliche Übersetzung ins Englische sind schon viel. Naja… modesto heisst bescheiden…Wen wundert’s dann? Das nächste Kind ist Maria-Elena, genannt Minna. Ein aufgewecktes junges Weibchen, das gerade dabei ist die 15 Jahre vollzumachen, doch dazu später noch mehr. Malen/Zeichnen ist ihre Leidenschaft und sie möchte gerne noch 2 Sprachen lernen.

Der nächste im Bunde ist Jaime Junior, genannt Pelón, der bezüglich des Alters stolze 19 Jahre vorzuweisen hat… wie ich… Großgewachsen, braungebrannt, muskulös und Surferstyle, aber diesmal rede ich nicht von mir… Er scheint sich mehr oder weniger von den Fesseln der elterlichen Disziplin lossagen zu wollen und verschreibt sich der Surfleidenschaft. Die Partizipation an 2 oder 3 Surfwettbewerben wurde uns auch anhand von Fotos grinsend präsentiert. Er ist großer Fan von spanischem Reggae und hat eine sehr nette SpanischSoftrockSammlung, bei der ich bei Gelegenheit noch mal einiges abstauben muss. Und dann die Mutter. Eine sehr drahtige Frau, die Lebensfreude versprüht. Mit ihrem Mann teilt sie ihren sarkastischen und manchmal echt recht bösen Humor. Ich muss sagen, dass ich beim verbalen Prügeln mit ihr teilweise echt Federn gelassen habe. ;) Die Familie hat uns wunderbar aufgenommen, andauernd mit Essen versorgt und die ewigen Späße haben das Wochenende viel zu kurzweilig gemacht. In Deutschland werde ich diese enorme Gastfreundlichkeit sehr vermissen. Nun zu den weiteren Ereignissen im Einzelnen.

Da wir am Mittwoch erst recht spät beim Direx in La Mira, der nächstgrößeren Stadt (nach Lazaro Cardenas) in Strandnähe, ankamen, geschah auch nicht mehr viel. Wir gingen bald schlafen, da Janina auch am nächsten Tag um 7 in der Schule hat sein müssen. Sie hat nämlich auch einen Stundenplan bekommen, damit sie sich nicht langweilt und sitzt dann in den Stunden. Da sie aber nicht gerade alles versteht, fühlt sie sich dadurch eher ein wenig überfordert, zumal es sehr anstrengend ist. Ich hingegen soll/muss nur bei meinen eigenen Stunden teilnehmen: Englisch, 7mal die Woche. Und sie hat halt jeden Tag von 7 bis 15 Uhr was zu tun…

Donnerstag Nachmittag ließen wir uns dann von Pelón zum Strand mitnehmen. Zuvor jedoch zeigte er mir, wo ich einen Mehrfachstecker kaufen konnte und Kopfhörer. Billig und auf den ersten Blick vertrauenswürdig, war keines der beiden Produkte, wie ich erzürnt in Las Canas feststellte funktionstüchtig. Aber schnell weiter zum Strand… Der blaue Strand „Playa Azul“ ist wirklich schön und das Meer ist atemberaubend. Die Strömung ist so heftig, dass man wenn man nicht mit beiden Beinen fest auf dem Boden steht, innerhalb eines Augenzwinkerns das Gleichgewicht verliert. Deshalb haben wir uns auch nicht weiter hineingewagt als Stehhöhe. Wir verbrachten eine sehr lange Zeit am Strand und genoßen die Atmosphäre der Symbiose von Macht des Wassers und Sicherheit der Erde. Als dann noch die Sonne begann unterzugehen und die fußballspielenden Jungspunde, samt Surfer am Horizont in ein goldenes Licht getaucht wurden, war der Kitsch nahezu perfekt.

Dann die Heimfahrt. Da wir erst gegen 9 den Strand verließen, fanden wir nur noch einen Camion/Micro/Büschen vom Strand nach La Mira, jedoch nicht vom La Mira Zentrum zum Haus, also mussten wir laufen. Mal abgesehen davon, dass es schon dunkelte und Mexiko trotz aller positiver Erfahrungen nichts an seiner gefühlten Gefährlichkeit verloren hat, kannten wir den Weg nicht hundertprozentig. Also hatten wir nach jeden Hügel das Gefühl wir müssten in Hundert Metern da sein. Und dann kam der Nächste. Es war also eine kleine Odyssee durch die Nacht, die glücklicherweise wohlbehalten endete. Wir wurden auch schon besorgt erwartet und wieder erst mal gefüttert.

Nach dem Essen setzten wir uns zusammen mit dem Direktor vor die Haustür und redeten ein Bisschen vor uns hin. Dieser Mann besitzt eine Lebensansicht, die ich gerne auch so konsequent durchsetzen würde wie er. Er sagte, dass er bewusst auf einen Ganztagsjob verzichtet hat, um Zeit für seine Familie zu haben. Denn eine Familie macht glücklich, Geld alleine nicht. Und er meinte außerdem, dass man seine Kinder umsorgen muss, damit sie sich an einen binden und man später ihre Aufmerksamkeit weiterhin genießen kann. Er möchte für sie da sein und an ihrer Erziehung beteiligt sein, denn ehe man es sich versieht sind sie erwachsen und haben eigene Leben. Außerdem ist er der erste mexikanische Mann, den ich kennengelernt habe, der im Haushalt mit anpackt. Des weiteren diskutieren wir über die verschiedenen Geldwerte in Deutscgland und Mexiko und die unterschiedlichen Haltungen der Jugend von Deutschland und Frankreich, die Wirtschaftssituation in Europa und Bildung von Schülern. Also ein sehr vielfältiger Abend…

Der nächste Morgen begann wie bekannt. Cornflakes, bzw Rührei mit Schinken und Chili und dann in die Schule. Dort konnte ich begutachten, welche Fähigkeiten die Schüler im Volleyballspiel mit sich bringen und musste erkennen, dass sie eindeutig konkurrenzfähig sind. Janina und ich planen ja zur Zeit ein Volleyballturnier für unsere beiden Dörfer. Planen ist eigentlich zu übertrieben. Bisher ist es nicht mehr als eine fixe Idee, da die Vorstellungen unserer Direktoren diesbezüglich (wie auch in anderen Gebieten, dazu später mehr) recht konträr sind. Nachdem wir den Schultag geplättet beendet hatten, nahm uns der Direx mit nach Lazaro Cardenas, weil wir dort Shorts kaufen wollten. Wir benötigten die Shorts um am nächsten Tag mit einem von Janinas Schülern, Abner, fischen gehen zu können. Im großen Supermarkt waren sie alle hässlich. Im Kaufhaus mit sowohl Elektroartikeln, als auch Klamotten in einem Gebäude, waren sie entweder hässlich oder unangemessen… So suchten wir weiter.

Am ersten Stand, den wir fanden, sprachen uns beide sogar einige Shorts an. Janina probierte ihre Favoritin an und es fand Gefallen bei uns beiden. Sie versuchte aber noch zu handeln. „200 por 150, sale?“ Kopfnicken antwortete. Sie ging sich umziehen, will bezahlen, blättert 150 auf den Tresen, nichts… 200! So schnell klein beigeben wollte sie nicht und ging. Ich indes versuchte einem anderen Herren 3 Hosen à 100 Pesos für 270 abzukaufen. Er ließ aber nicht mit sich handeln. Außerdem waren mir die Hosen auch ein Bisschen zu pluderhosenartig, also verließen wir unseren ersten Versuch, um nach billigeren Schönheiten Ausschau zu halten. Es stellte sich heraus, dass wir sowohl qualitativ, als auch quantitativ ein glückliches Händchen gehabt haben. Die anderen Shorts derselben Machart, gingen ab 300 Pesos über die Theke. Wir kehrten also zurück… Der Verkäufer grinste, als hätte er es geahnt… Vielleicht hatte er deshalb in der Zwischenzeit auch eine Hose für Janina in seinem Sortiment nebenan auftreiben können. Sie bat um eine Größe, er suchte sie heraus, gab ihr aber zudem dieselbe Hose 2 Nummern kleiner und siehe da…, sein Vorschlag passte ihr besser. Das hat mich echt beeindruckt. Es ist schön auch mal Professionalität auf den Straßen zu finden… (No Offense!) Nur, dass er mein Angebot von 300, anstatt 320 nicht akzeptieren wollte, fand ich doof. ;) Endlich habe ich mir auch mal etwas anderes als Nahrungsmittel gegönnt. Gutes Gefühl! Erst recht im Nachhinein, jetzt nachdem ich die Shorts echt liebgewonnen habe, weil man sie nicht nur am Strand, sondern auch während des Tages tragen kann.

Durch Zufall trafen wir in Lazaro Cardenas auf Aurora, die Geschichts- und Gesundheitslehrerin von Janina, als sie ihren Sohn an latzhosenträgerähnlichen Gurten durch die Stadt laufen ließ. Tolle Erfindung! Er kann laufen, ohne es zu können oder zu fallen und die Mutter kriegt aufgrund des alternativen Bückens, keine Rückenschmerzen. Wir wollten sie nur fragen, ob sie wisse, wo man eine Karte von Michoacan finden könne. Was macht sie? „Esta es mi marido! Vamonos!“ „Das ist mein Mann. Lasst uns gehen.“ Dann haben die uns doch wirklich durch das gesamte Viertel begleitet, um diese mittelmäßig wichtige Karte zu finden. Nachdem wir drei Schreibwarenläden abgeklappert hatten, fanden wir dann endlich einen, indem ich eine Karte erstehen konnte. Sie hat massig Rechtschreibfehler und ist auch sehr simpel, aber für meine Zwecke der Wochenendplanungen und Ortungen der anderen Freiwilligen mithilfe von bunten Pins wird sie ausreichen. Im Anschluß daran, wollten wir noch eine Telefonkarte finden, mit der man billig nach Deutschland telefonieren können. Für 50 Pesos 60 Minuten von einem Haustelefon ist schon ganz in Ordnung, wenn man bedenkt, dass man in einem Telefonierladen 8 Pesos pro Minute zahlen würde. Bevor wir diese doofe Karte aber gefunden hatten, klapperten wir 3 Telefonierläden, 1 Internetcafe und 1 Handygeschäft ab. Ihr seht, sie sind selten… Dann setzten uns Aurora, ihr Sohn und ihr Mann in einen blauen Bus mit Dreieck, der uns angeblich direkt ins Viertel des Direktors fahren würde. Und wieder fuhren wir in die Dunkelheit hinein. Plötzlich sprach uns der Busfahrer an: „So, wir wären dann jetzt in La Mira. Wollt ihr aussteigen oder noch weiterfahren?“ Wir schauten uns ratlos an und ich fragte den Busfahrer, ob wir den jetzt wieder zurück nach Lazaro führen. Er sagte „Nein“ und schwieg, als ob das die einzige Information wäre, die ich benötige. Aus einem eher unterbewussten und zufälligen Geistesblitz heraus, versuchte ich das Wort zu wiederholen, das uns Aurora verbal zusteckte, als sie uns sprichwörtlich in den Bus schmiss. „Campamiento“ Etwas, das wie „Na dann“ klang, murmeld, wendete der Busfahrer den Kopf und brauste weiter. So wirklich beruhigt hat mich das jedoch auch nicht. Unsere Überzeugung das Richtige zu tun sank nochmals immens, als uns dann auch noch ein alter Herr auf Englisch anquatschte, ob wir denn sicher wüssten, wo wir hinwollen, da der Strand in einer anderen Richtung sei. Schmach und Verunsicherung kommen selten Hand in Hand. Diesmal jedoch schon. Umso größer war meine Erleichterung als der Direx bald am Ende der Straße in seinem Vorgarten stehend, auftauchte.

Nach dem wie immer reichhaltigen und schmackhaften Essen, zubereitet vom spitze Kommentare liebenden, aber herzlichen Hausdrachen Maria-Elena senior, bat uns diese ihr bei ihren Hausaufgaben zu helfen. Hausaufgaben? Eine 50-jährige Mutter macht Hausaufgaben? Das soll keine Verleumdung sein, aber meines Erachtens ist das doch eher eine Seltenheit für diese Altersgruppe. Es ist jedoch durchaus möglich, wenn eine Gruppe aus ca 10 Müttern von Schülern der Cecytem Chucutitan sich entschließen, Unterricht nehmen zu wollen. So kommt es dass jeden Samstag von 8-18 Uhr ebendiese Gruppe von denselben Lehrern, die auch an der cemsad unterrichten, belehrt/gelehrt werden. Und dazu gehört eben auch Englisch… Also setzten wir uns an ihre Hausaufgaben. Die nächsten 3 Stunden (3 Seiten in ihrem Arbeitsbuch) wurden sehr unterhaltsam und kurzweilig. Englisch-Exkurse und Erklärungseinheiten, gespickt von Anekdoten aus Maria-Elenas Jugend, bzw Leben. Diese Frau besitzt eine Wärme und Herzlichkeit, durchwirkt von einem frechen, spitzen Humor, die sie mir sehr liebenswert gemacht hat und bei der ich mich freue, sie wiederzusehen. Als wir dann um halb1 ins Bett gingen, schliefen wir alle drei grinsend, geschafft, aber zufrieden ein. Bei den anderen beiden kann ich es nur vermuten, aber zumindest ging es mir so.

[Zur Beruhigung von einigen Personen, die sich schon besorgt nach mir erkundigten, werde ich den Blog halbfertig hochstellen, obwohl ich noch nicht im Präsens bin. Der nächste Blog wird dann nochmals über das vergangene Wochenende gehen. Wie ich das hasse... Morgen fängt doch schon wieder das nächste Wochenende an... * seufz * Wie dem auch sei. Schreibt mir Kommentare! ;) ]

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