Archiv nach Monaten: August 2008

Nun sind es noch 8 Tage. Gestern waren es noch 9 Tage. Logisch, nicht wahr? Aber gestern war außerdem meine Abschiedsfete. Ich habe einiges gelernt: Es ist immer schwierig verschiedene Cliquen auf einer Fete zu vermischen. Es bilden sich eh wieder Grüppchen, die sich eindeutig in gewohnten Mustern formieren.

Außerdem ist es eigenartig Gastgeber zu sein, weil du überall zugleich sein willst, um auch allen das Gefühl zu geben, dass du sich um sie kümmerst und natürlich auch um mit ihnen Zeit zu verbringen. Dieses Gefühl ist mitunter sehr eigenartig, aber trotzdem will ich es nicht missen, weil auf der anderen Seite das Gefühl steht, zu jedem Grüppchen gehen zu können und sich wohl zu fühlen. Das macht es wieder wett.

Nun zu den Fakten.

Es wurde relativ wenig getrunken. Es sind viele nicht gekommen, die zugesagt haben. Ich sind wenige gekommen, die nicht zugesagt haben. Es haben wenige an die Fotos gedacht, um die ich aus Erinnerungszwecken gebeten hatte. Es war trotzdem toll.

Es war eine gelungene Veranstaltung, weil ich mich zwischen den Menschen, die mir was bedeuten, wohl gefühlt habe. Aber ohne Wehmut geht man wahrscheinlich selten aus einer Abschiedsfete. Wie heißt es doch poetisch? Das ist mein Wermutstropfen. Der Wermutstropfen, der dem wohlschmeckenden Getränk „Abenteuer Mexiko“ eine gewisse Bitterkeit verleiht. Menschen hierzulassen. Viele haben mich darauf hingewiesen, dass ich dort sicher auch Menschen kennenlernen werde, die mir was bedeuten. Und vielleicht ist es das, was mich erneut zwiespältig fühlen lässt. Freude, angesichts der neuen Bekanntschaften und die Angst, dass dies auf Kosten der bereits geschätzten Freunde geschehen könnte. Zumal mir aufgefallen ist, dass es gut sein kann, dass ich einige gar nicht wieder sehe. Wenn ich aus Mexiko wieder da bin, sind Abi ‘09er vielleicht schon im Ausland und wenn sie wieder kommen, bin ich schon wieder woanders studieren. Aber wahrscheinlich sollte ich mir nicht darüber Gedanken machen, was in 2 Jahren sein wird, sondern vorerst die nächsten Wochen fixieren.

Noch 8 Tage. 8 Tage bis einige Ungewissheiten nach Konfrontation schreien. Ich fühle mich sehr durcheinander und weiß nicht genau mit meinen verschiedenen Gefühlen umzugehen. Es geht mir alles irgendwie etwas zu schnell. Aber da ich weiß, dass viele mich beneiden, sollte ich mich wahrscheinlich lieber Glücklichkeit einreden. Auf der anderen Seite haben sie gut reden, weil ich es bin, der sich in kaltes Wasser wagen muss und sie weiterhin im warmen Wasser der Gewohnheit schwimmen dürfen/müssen. Jedes Problem birgt eine Chance, aber jede Chance ein Risiko.

(Anmerkung des Autors: 7 Tage inzwischen) Nach einem Tag des Blog ruhen lassens, weiß ich nun nicht mehr, was ich gestern habe sagen wollen, aber ich hoffe man verzeiht es mir in diesen bewegten Stunden. :) Daraus lerne ich zumindest, dass man einen Blogeintrag in einem Rutsch schreiben und veröffentlichen sollte.

Ich bin gerade dabei Klamotten, die ich mitnehmen möchte, zu sortieren und auszulegen. Dabei höre ich Rage, Symphony X und My Chemical Romance. So packt es sich eindeutig leichter als bei beispielsweise James Blunt und Xavier Naidoo. Naja, ist wahrscheinlich Anssichtssache.

Wie dem auch sei. Ich packe jetzt weiter…

Bis demnächst, herzliche Grüße an alle Lesenden und ein fröhliches „Yippie-ya-yeah-7-Tage!“

Meiner Meinung nach gilt das Argument „Keine Zeit“ in keinster Weise. Wenn dir etwas wirklich wichtig ist, dann stellst du alles andere zurück und nimmst dir Zeit. Prioritäten setzen ist die Devise. Natürlich ist das mal wieder leichter gesagt als getan. Anstatt mir die Mühe zu geben und einen (möglicherweise letzten vor Mexiko) Blogeintrag zu verfassen, könnte ich mich schließlich auch vor den Fernseher setzten und einen mehr oder weniger sinnvollen Film (Nicht, dass ein falscher Eindruck entsteht; ich mag Filme sehr gerne, aber selten berühren sie dich so, dass du das Gefühl hast, es habe sich gelohnt) schauen oder Caesar III (Klasse Retro-Strategiespiel!) spielen. Aber nein. Ich habe im Kopf schließlich die Hoffnung, dass ich in Mexiko mindestens einmal pro Woche einen virtuellen Tagebucheintrag verfasst bekomme. (Hoffnung ist was Schönes!) Auch für die Hinterbliebenen. Vorausgesetzt es interessiert sie und sie wissen von dieser Informationsbeschaffungsmethode. Wenn ich ehrlich bin, glaube ich nämlich nicht, dass ich die Zeit haben werde, eine Mail zu schreiben. Mist… jetzt hat sich die Schlange selbst in den Schwanz gebissen. …. Ich korrigiere… ich glaube nämlich nicht, dass ich mir die Zeit nehmen werde, an alle mir wichtigen Menschen eine persönlich angepasste Mail zu schreiben. Und Kettenmails finde ich absolut grausam. In diesem Blog hingegen fühle ich mich irgendwie freier und ungefesselter als in einer Mail. Und trotzdem behaupte ich, dass auch hier eine gewisse Grundstimmung transportiert wird, wie man es von derartigen Mail in erster Linie erwartet: Das Befinden des Weggefahrenen aufzufangen.

Nun denn… Die Zeit verstreicht. Ein Grund mehr sich Zeit für Dinge zu nehmen, die man lange schon mal (wieder) machen wollte. Die Liste wird schließlich auch nicht kürzer. Nur die Zeitspanne bis zum nächsten Lebensabschnitt. In meinem Fall 2 1/2 Wochen und dann der neue Lebensabschnitt Mexiko. Lebensabschnitt. Was für ein großes Wort… Ein Wort, dass Veränderung und Wandel, Entwicklung und Herausforderung beinhaltet. Alles Elemente, nach denen es sich aus meiner Sicht zu streben, lohnt. Andererseits ist eine Herausforderung selten unverbunden mit der Angst an der Herausforderung zu scheitern. Klar bin ich mir bewusst, dass es nicht einfach werden wird und die ersten 3 Wochen sicherlich sehr an meinen Nerven zerren werden – neue Sprache, Land, Klima, Leute -, aber habe ich denn wirklich realisiert, was ich gerade tue. Manchmal habe ich das Gefühl, dass ich mich selbst vollkommen verzerrt wahrnehme und demzufolge völlig überschätze. Zugegeben, ein wenig Erfahrung im Ausland sollte ich wegen den 2 Jahren Türkei schon gemacht haben, aber da war ich schließlich immer noch unter den Fittichen meiner werten Eltern. In Mexiko werde ich nahezu auf mich allein gestellt sein. Ein Mentor, der meine Sprache nicht spricht, ein Organisationsadministrator, der nur das weiß, was ihm von den Schulleitern gesagt wurde, also aus zweiter Hand und ein Dutzend andere Freiwillige im ganzen Staat Michoacan verteilt, sind alles, woran ich mich vorerst klammern muss. Und dann ist da noch die Sache mit meinem Dorf. Las Canas. Wenn ihr diesen wunderschönen Namen (zu dt. Die Rohre u.a.) einmal googlet/googelt (Wie schreibt man diese verdammte Wortschöpfung der Neuzeit!?), werdet ihr beerken, dass es in Mexiko ca 20 verschiedene Dörfer diesen Namens gibt, davon 2 in dem Staat, in dem ich arbeiten soll. Nun; aus den dazugehörigen Internetseiten dieser Dörfer ( pueblosamerica.com/ ) erfuhr man, dass das eine Dorf 25 Einwohner habe und das andere Dorf 951. Frohen Mutes schloß ich das winzige Dorf aus und gewöhnte mich an die Umstände im größeren Dorf. Dies jedoch fiel mir nicht allzu schwer, da es viele Vorzüge hatte. Es war nicht bergig, dass heißt, dass es nicht zu heiß, aber auch nicht zu kalt wie in den Bergen ist. Es war nicht weit entfernt von einem großen See und Seen sind meist eine Tour wert. Es lag in der Nähe einer Hauptverkehrsstraße von Mexiko und man konnte demnach sowohl die Staatshauptstadt Morelia (4 Std) gut erreichen, als auch die Landeshauptstadt Mexiko City (6 Std.) gut erreichen. Außerdem lag es güngstig, um zur Küste zu gelangen, an welcher ich eine weitere Bezugsperson zu finden, gedachte. Das klingt alles wunderbar, nicht wahr?! Fand ich auch… Demzufolge furchtbar motiviert stürzte ich mich in die Vorbereitungen. Um völlig sicherzugehen, schrieb ich eine Mail an Alberto, den Leiter der Organisation in Mexiko Vive mexiko, auf dass er mir mein niedliches kleines Dorf in Zentralmichoacan bestätige. Pustekuchen! Das Internet ist so verdammt unaktualisiert. dass das Dorf mit 25 Einwohnern inzwischen auch um die 800 Einwohner hat. Also fällt es nicht mehr aus dem Rahmen… Darf ich vorstellen: Las canas 2 (Für mich wird MEIN las canas immer das erste sein…) Mitten in den Bergen an der Staatsgrenze, weit entfernt von jeglicher Großstadt (*übertreib*) liegt es und wartet auf mich. ich weiß nur nicht, ob ich mich dort auch hinsehne….

Irgendwas scheine ich falsch zu machen. Seit jeher sehne ich mich nach einem Abenteuer diesen Ausmaßes, auch um mein Fernweh zu beruhigen und jetzt habe ich diese einmalige Chance, um die mich viele beneiden (Zumal sie für mich nahezu kein Kosten birgt) und zweifele tierisch. Anstatt in Vorfreude schwelgend meinen Reisevorbereitungen den letzten Schliff zu geben, versenke ich mich in Fragen, ob es denn alles funktionieren wird und was mich denn alles hier in Göttingen hält. Das Unterbewusstsein zwingt einen manchmal wirklich zu eigenartigen Gedankengängen.

Um den Bogen zum Beginn zu schlagen und dem ganzen Virtuskript den Anschein zu geben, einem bestimmten System zu folgen, ende ich mit der Erklärung, dass ich diesen Eintrag nun beende, da ich mir jetzt Zeit für andere Dinge nehmen muss, wie zum Beispiel dem Verfassen einer Einladung für die Abschiedsfete, dem Erstellen einer Einkaufsliste, was ich für die Reise noch alles besorgen muss und Wäsche abhängen.

Ich liebe es und hasse es gleichermaßen sturmfrei zu haben… Freiheiten und Verpflichtungen steigen proportional zueinander an.

Äh… Nutzt eure Zeit!