Viel ist passiert seit dem letzten Blog. Eine kurze präsentische Rekapitulation bevor ich fortfahre, das mexikanische Geschehen aufzurollen. Momentan befinde ich mich im Zug von Göttingen nach Essen. Essen ist die erste Station auf meiner Reise durch Deutschland. Doch warum reise ich durch Deutschland? Vielmehr; warum bin ich überhaupt wieder in Deutschland? Auf diese beiden Fragen lässt sich simultan antworten. Zeppelin University Friedrichshafen. Eingeladen zu einem Bewerbungsgespräch für den Studiengang Cultural & Communication Management für den 31. Juli 09 entschied ich mich, meinen weltwärts-Freiwilligenjahr vorzeitig zu beenden. Da ich den Einladung am 20. Juli bekommen hatte, hatte ich sehr wenig Zeit mich zu entscheiden und ebenso wenig Zeit mich wirklich von Mexiko zu verabschieden. Die Fahrt nach Friedrichshafen -zwei Wege- kostet nur 200 Euro. Es ist ja schließlich auch einmal durch das ganze Land. Da ist das ja fast verständlich. Umgerechnet ergeben die 200 Euro jedoch ungefähr 3400 Pesos sind, von denen man sicher auch einmal durch das ganze Land käme. Komisch nur, dass Mexiko fast 8mal so groß ist wie Deutschland. An diesem Beispiel lässt sich gut eine Währungsdifferenz erläutern. Und es lässt erkennen, wie schwierig es für einen Amerikaner (nicht US-Amerikaner) ist, nach Europa zu reisen. Wer derartige Preisunterschied zu beachten hat, kann nicht verschwenderisch handeln. Wie dem auch sei. Aufgrund des hohen Preises wurde mir angeboten, doch de una vez in einen Deutschlandpass zu investieren; einen Monat lang kostenlos Zug in Deutschland fahren. Und da ich sowieso momentan einen Monat im „Vorsprung“ bin, hielt ich es für eine lohnenswerte Investition. Nun habe ich meine Reiseliste ausgearbeitet und nach den Kriterien „Uni-Stadt“ oder „Heimstadt eines ‘alten’ Bekannten“ ausgewählt. Mein erstes Ziel ist Essen, in dem ich Miriam, eine wahrscheinlich auch euch bekannt vorkommende Person, treffe. Denn auch sie war Freiwillige in Michoacan. Aufgrund persönlicher Gründe kehrte jedoch auch sie während der A H1N1-Seuchenparanoia nach Deutschland zurück. Nun werde ich sie besuchen, damit wir ein wenig in Erinnerungen schwelgen können. Nach Essen sind meine Zielorte Düsseldorf, Münster, Hannover, Hamburg, Berlin, Dresden, Leipzig und Jena. Ihr seht also, dass ich mir einiges vorgenommen habe. An dieser Stelle werde ich keine Details über das Gespräch an der ZU fallen lassen. Falls großes Interesse bestehen sollte, sprecht mich entweder persönlich darauf an oder hofft, dass ich bei Gelegenheit darauf zurückkomme. Nun geht’s jedoch erst mal zurück in meine Vergangenheit…

*swuuusch*

biepbiepbiep

Ich habe keine richtige Lust aufzustehen, aber ich weiß, dass ich sollte. Zum Einen sollte ich mein nervendes Handy ausstellen, zum Anderen will ich Julia nicht verärgern, wenn ich so schlafmützig bin. Wir wollen schließlich genug mitbekommen von einer der bekanntesten Ausgrabungsstätten Lateinamerikas. Palenque. Wir machen uns also auf den Weg zu der sich zwei Straßen weiter befindenden Busstation und besteigen den Kombi, der uns zur Kult(ur)stätte bringen sollen. Dort angekommen besteigt man einen kleinen Hügel, der natürlich sehr befestigt und ausgebaut ist. Leider sehr touristisch für meinen Geschmack, aber was soll man erwarten bei einem der modernen Weltwunder. Souvenirs und Fressstände en masse wie gewöhnlich. Wir bezahlten den horrenden Eintrittspreis und begannen mit dem weiteren Aufstieg. Treppen über Treppen und das war erst der Anfang. Als wir aus dem Dschungel, der Vegetationsexplosion heraustraten, standen wir einer enormen Maya-Pyramide gegenüber. Schnell wurden wir mit „fachkundigem“ Blick als Touristen erkannt und ein Führer näherte sich mit der Intention uns eine Führung anzudrehen. Doch nicht ausschließlich eine Führung über das Gelände samt Erklärungen, sondern -was uns überzeugte- in den Dschungel hinein und hindurch. Und so wanderten wir also in den Urwald immer den Schritten des Führers folgend. Anders als ich es mir immer vorgestellt hatte, war es einem Wald erstaunlich ähnlich, was Bodenbeschaffenheit und Atmossphäre anging. Doch die Lianen und gelegentliches Arageschrei halfen aus. Dennoch würde ich sagen, dass es sich zwar gelohnt hat, aber ich es sicherlich nicht noch mal für den Preis machen würde. Im Anschluss liefen wir über das riesige Gelände und bestiegen eine Pyramide nach der Anderen. Die Ausblicke waren durchaus sehenswert und auch die architektonischen Meisterleistungen waren anerkennenswert.

Belize Ciudad

Die Hauptstadt des Kleinlands Belize liegt direkt an der Küste. Sie zeichnet sich durch staubige, aber geteerte Straßen und viele aneinandergereihte Lädchen aus. Es ist nicht das in Mexiko übliche Schachbrettstraßenprinzip anzutreffen, weshalb man sich endlich mal ein bisschen verlaufen kann. Auf der Busfahrt hinein ins Inland Belizes musste ich belustigt die englischen Werbungen bemerken. Außerdem sah man immer mal wieder Warnungen zum Umweltschutz in coolem Englisch. Dies war natürlich eine weitere Kuriosität auf die man bald aufmerksam wird. Das Englisch! Als -meines Wissens- einzigem Land, dass Englisch als Landessprache beibehalten hat. Die Bezeichnung „Englisch“ darf nicht allzu ernst genommen werden, weil es eigentlich eher dem gleicht, was ich als Jamaikanisch bezeichnen würden. Das Problem ist, dass die Menschen dich alle verstehen, aber wenn sie dir dann antworten, musst du vier mal darüber nachdenken, was es nun geheißen haben könnte. So zum Beispiel als wir nach einem Hostel fragten. Der angesprochene Passant konnte uns nicht weiterhelfen, fragte also einen weiteren Passanten. Klarerweise konnten wir diesem Gespräch absolut nicht folgen. Und auch die folgende Wegbeschreibung barg durchaus Zweifel für uns. Es ist ein wirklich spannendes Gefühl, wenn du eine so lange Zeit in einem Kulturraum mit spanischer Sprache und Menschen mit bräunlich-hellbrauner Haut verbringst und dann plötzlich in einem Land zu stehen, in dem alle „Englisch“ sprechen und farbig sind. Als wir dann nach einigem Suchen ein preiswertes Hostel („The three Sisters“) gefunden hatten, deren San Salvadorianische Besitzerin froh war, mit uns Spanisch sprechen zu können. Sie fühlte sich offensichtlich nicht ganz wohl in der englischen Sprache. Bald bemerkten wir dass es fast problemlos möglich ist, überall auch Spanisch zu sprechen. Aus dem Grund hat sie es wahrscheinlich nicht nötig Englisch zu sprechen und vermeidet es auch. Nichtsdestotrotz bemerkt man schnell, dass man das spanischsprachige Leben verlassen hat. Das kakophonische Ranchera-Reggaeton-Banda-Durangense-Kumbia-Getöse ändert seinen Charakter und wird zu Reggae.

Die Leute Mexikos sind ja schon eher gemütlich und freundlich. Das Ganze wird noch gesteigert in Belize. Die Freundlichkeit geht sogar so weit, dass sie schon fast aufdringlich wird. Aber ich möchte das nicht verallgemeinern.

Belize City war also durchaus interessant, aber mal abgesehen von seiner Strandpromenade nicht unbedingt DER Hingucker!

Ein lustiges Erlebnis war noch ein recht angegrauter Belizianer, der uns erst Rum probieren ließ und meinte, dass wir selten so süßen Rum finden würde (sein kanadischer Begleiter schaute die ganze Zeit dumm aus der Wäsche), um uns dann auch noch Gras andrehen zu wollen: „Do you smoke Ganja?“.

Doch da wir im großen in Ganzen nicht unbedingt begeistert von Belize Ciudad waren, machten wir uns 1 Nacht später auf zur Insel „Caye Caulker“, ausgesprochen „Kiii Cocker“, um dort, ganz nach Karibikmanier, auszuspannen.

Caye Caulker

Wir nahmen also am nächsten Morgen eine kleine Fähre, die uns auf die Insel schipperte. Dort angekommen, quatschte uns ein kauender Mann an, ob wir denn nicht eine billige Übernachtungsmöglichkeit direkt am Strand begehrten und da wir etwas geschafft waren, waren wir froh über diese Hilfsbereitschaft. Anfangs wirkte er nämlich ganz kompetent, aber schon auf dem Weg wurde ich skeptisch, da er mit vollem Mund mit uns redete und das echt nicht die feine englische Art ist. Ich dachte Belize sei englische Kolonie ;)

Im Laufe unseres Aufenthalts hörten wir auch mehrmals von anderen Inselbewohnern, dass er wohl regelmäßig Touristen übers Ohr haut, weshalb wir die von ihm angebotene Schnorcheltour auch ausschlugen und lieber alleine weitersuchten. Die Insel kann man durchaus als touristisch bezeichnen, zumindest gibt es etliche Touristeninformationen, Tauch- und Schnorchelausstatter. Außerdem hat man das Gefühl es weht einem stetig ein grüner Geruch um die Nase und unzählige Insulaner blicken einen auch aus entsprechend gerötet-grinsenden Augen an.

Wir ließen uns davon aber nicht beeindrucken und zogen unser Ding durch. Das heisst in diesem Kontext. In der Hütte abhängen, am Strand (den ich etwas enttäuschend fand) gammeln und unsere eigene Schnorcheltour verfolgen. Wir liehen uns Schnorchelsets aus und schwammen auf eigene Faust los. Dementsprechend wenig Spektakuläres ließ sich antreffen, weil wir direkt bei der Insel blieben, anstatt uns von Begleitern an Korallenriffe und Ähnliches führen zu lassen. Aber dafür waren wir zu geizig. Bereue ich es? Vielleicht ein Bisschen… Es ist immer netter, wenn man etwas zu erzählen hat und wann wird man schon mal nach Belize kommen?

Besonders gut gefallen hat mir die Währung. Das Antlitz einer jungbrunnenverjüngten Elisabeth, die seltsamerweise im Spanisch einfach mal in Isabel umbenannt wird, welche im Deutschen zumindest zwei unterschiedliche Namen sind. Sehr verwirrend!

Orange Walk, Corazal

Nachdem wir dann auch von dem Inselleben genug hatten, machten wir uns wieder zurück auf Festland, weil wir noch ein wenig mehr von Belize kennen lernen wollten.

So fuhren wir also wieder zurück nach Belize, um von dort nach Orange Walk zu fahren, das Janina diese Stadt im Durchfahren so gut gefallen hat, dass sie sie gerne noch einmal näher begutachten wollte. Wir lagerten unser Gepäck in einem japanischen Restaurant -weiterer Einfluss der hiesigen Asien-„Invasion“- und machten uns a pies auf das Stadtzentrum zu erkunden. Viel gab es leider nicht zu entdecken. Wir sahen einige Amish-ähnliche Menschengrüppchen, über deren Nationalität wir uns den Kopf zerbrachen, deckten uns in einer Bäckerei mit Leckerlis aus und ich kaufte für meine damalige Gastmutter Maria-Elena, die First Lady des Königreichs Chucutitan, da ihr König der Direktor ist, ein Gastgeschenk, einen kleinen Geldbeutel mit aufgesticktem „BELIZE“.

Dann fuhren wir weiter nach Corazal, der nächsten Kleinstadt, auf die auf unserem Hinweg aufmerksam wurden und die wir zu erkunden gedachten.

Tagsüber wanderten wir durch die niedliche Stadt mit süßen Häusern. Nichts Aufregendes zu berichten.

Abends: In einem abgewrackten, aber irgendwie gemütlichen Barkneipendings konnte ich es nicht verhindern dass die Mädels mich, Kerben auf meinem Stolzholz hinterlaßend, mehrmals im Billard besiegten. Wir kamen mit einem etwas verrückt, aber doch freundlich anmutenden Menschen ins Gespräch, der uns unbedingt zu einem Bier einladen wollte. (Das belizianische Bier schmeckt mir persönlich klasse. Da ich erst mit 18 angefangen habe zu trinken und Bier auch nie mein Favorit habe ich nicht so einen ausgeprägten Erfahrungshorizont, dass ihr großen Wert auf meine „Bier“Meinung legen solltet, aber wenn ihr es doch wollen solltet, wären meine Empfehlungen das belizianische Bier und das mexikanische Indio)

Allen in der Kindheit eingeflössten Warnungsfloskeln nützten nichts und wir ließen uns von jenem Herren dazu einladen den Abend noch etwas mehr zu sehen, bzw uns zu unterhalten. Nachdem er sich bei einem zwielichtigen Nachtclub mit Marihuana eingedeckt hatte, fuhren wir zu einem luxuriösen Hotel, in dem wir uns über verschiedenste Dinge die Köpfe zerbrachen. Zum Beispiel vertrat er vehement die Meinung, dass man ihn am eigenen Leib erlebt haben müsse, um über Drogenkonsum Kritik äußern zu wollen. Insgesamt ein wirklich interessantes Unterhaltungsgewurschtel, auch wenn mir einiges absolut nicht nachvollziehbar war, was er sagte, da er einiges auch mehrmals in anderen Formulierung, inhaltlich jedoch identisch, wiederholte, was unserer Konfusion Nahrung verschaffte.

An diesem Punkt meiner Erzählung wird meine Erinnerung wieder mal etwas schwach. Tja, das hat man davon, wenn man sich soviel Zeit mit Reportieren lässt. Ich könnte ja jetzt einfach bei Julia oder Janina schummelnd schauen gehen, aber das Risiko ist zu hoch, dass ich mich dann bei gleichen Aufhängern festmache. Und ich bin doch immer darauf bedacht Unikat zu bleiben. *prust*hust*

Das heisst wohl, dass ich jetzt etwas behaupten muss, was sich eventuell mit den anderen Berichten beißt. Also seht ihr entweder darüber hinweg oder hört endlich damit auf, euch durch alle Berichte durchzukämpfen, verehrte Leser! *schmunzel*

Aufgrund einiger besorgter Stimmen aus dem Heimatland werde ich mich nun mal daran machen eine kleinen Bericht aus erster Hand zwischenzuschieben. Die Schweinegrippe, die dieses Land gepackt hat, waltet vor allem in den Staaten des Zentrums: Hidalgo, San Luis Potosi, Queretaro und Mexico. Dementsprechend sieht man hier an der Küste auch kaum Mundschutze und Ähnliches. Außerdem gibts bisher noch keine öffentlichen Erkrankungen in Michoacan, sodass ich relativ ruhig bin. Außerdem ist meine Gastmutter eine so sorgende Frau, dass ich glaube, dass wenn es wirklich sehr ernst hier wäre, sie ander mit dem Zustand umgehen würde.

Außerdem sind die Symptome so eindeutig und man so darauf sensibilisier auf sie zu achten, dass ich bei der kleinsten Spur eines Anzeichen zum Arzt eilen würde. Davon einmal abgesehen, bin ich sicher, dass die Verantwortlichen in Deutschland handelten, würde es sich als nötig erweisen. Wir würden augenblicklich nach Hause geschickt oder geholt werden. Da bin ich mir ausnahmsweise einmal sicher. Also macht euch bitte keine Sorgen; mir geht es gut!

Den Donnerstagmittag packte ich meine Sachen für die bevorstehende Reise nach Belize. Ich traf mich mit Maren und Janina am Lazaro Cardenas Busbahnhof, um den, verglichen mit den anderen Strecken, die Julia, Janina und ich uns vorgenommen hatten, kurzen Weg nach DF anzutreten. Maren würde/ist von Df dann mit einigen anderen nach Guatemala geflogen. Doch zuvor füllten wir noch unsere Mägen, in dem damals und nach wie vor stilistisch schönsten Gastronomiebetrieb Lcs „El Tejado“. Die achtstündige Busfahrt war mit den Filmen wieder leicht herumzubringen, außerdem hatten die Sitze soviel Beinfreiheit, dass man sie soweit zurücksenken konnte, dass sie fast die Waagerechte erreichten und man trotzdem keine Bedenken haben musste, einen Mitfahrer zu belästigen. Die Bedenken haben Mexikaner zwar eh nicht, aber davon mal ganz abgesehen.

04.04.09 → 20.02.09

Wir mieteten uns in einem Hostel direkt am Zocalo ein, was dementsprechend gehobenerer Preisklasse war. Wir lernten einen anderen deutschen kennen, der gerade dabei war, sein Erspartes auf einer Rundreise in Amerika auszugeben. Ein Informatiker. Ein bisschen verplant, der Gute. Ich half ihm noch Guthaben für sein Handy zu besorgen, (während Janina sich schon zur Ruhe legte) was sich nicht so einfach wie erwartet gestaltete, weil wir erst die Nummer brauchten, die wir nicht hatten, weil das Handy oben im Zimmer auflud und als wir es dann runterholten, ging es wieder aus. Aber warum verkaufen die denn bei Oxxo keine Handykarten, sondern laden es über die Kasse aus. Nur gut, dass ich vorher die Nummer eingespeichert hatte. So konnten wir es dann doch aufladen. Anschließend schlenderten wir noch etwas durch das nächtliche Mexiko Stadt, dass viel mehr Charme hat, als das „tägliche“. Die Straßen sind lang nicht so voll und doch hat man noch das Gefühl ein Bisschen verloren zu sein. Weniger von Angst erfüllt, denn von Faszination, wandelt man in der Riesenstadt umher. Wir begegneten einer Gruppe Tanzwütiger, die zu dem treibenden Klang zweier immenser Trommeln Schrittfolgen synchron „abspulten“. Das Beeindruckende dabei war die Alters- und Schichtenvielfalt. Man konnte sowohl einen Businessman, eine Studentin, ein Kind und eine alte Dame finden. Ausdauernd wurde gehüpft, geschrittet, gedreht.

Am Samstag machten Janina und ich uns auf die leidige Suche nach einer Institution, in der wir unsere Flugtickets umbuchen konnten. Beginnend in dem STA-Travel Büro wurden wir von dort direkt ins Iberia-Büro geschickt. Lange Suche, aber dann verhältnismäßig schnelle und reibungslose Abwicklung unser Anliegen. Unsere Nachfrage jedoch, ob man denn nicht von hier irgendwie Druck auf die Gesellschaft in Spanien ausüben könne, um vielleicht noch ein wenig Entschädigung wegen des „länger“ verschwundenen Rucksacks Janinas, herausschlagen zu können, wurden wir nur freundlich aber bestimmt darauf hingewiesen, dass es vollkommen außerhalb ihres Wirkungsbereichs läge. Offensichtlich hatten wir trotzdem Glück mit unserer Servicedame, da andere aus unserer Gruppe wohl erst mal Geld hinblättern mussten, bevor „sie“ umgebucht wurden.

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Nach dem Umbuchen fuhren wir zum Terminal, um uns dort mit Julia zu treffen. Von dort aus wollten wir dann über Veracruz nach Chetumal fahren. Als wir uns jedoch vor Ort erkundigten, stellte sich heraus, dass wir auch eine Verbindung direkt nach Chetumal fahren könnten. „Schlappe 23 Stunden“, dachten wir uns, „das ist doch gar nichts!“ Problemchen jedoch war die Tatsache, dass der einzige Bus dieser Art um 17 Uhr DF verlassen würde. Ortzeit war 11 Uhr morgens. Tja! Wir also Tickets gekauft und wieder zurück mit unserem ganzen Krams (und es war echt nicht wenig, zumal ich noch den Laptop mitschleppte…Wegs Filmen) zur Metro und ins Zentrum. Da Julia noch eine Spritze prophylaktisch gegen einen möglichen Lungenentzündungsrückfall benötigte, verabredeten wir uns mit Maren im Park. (Ich sage „der Park“, um zu verbergen, dass es ungefähr 4-7 Grünflächen in Df gibt, aber ich mich des Namens nicht entsinne) Maren arbeitet schließlich in dem Medizinzentrum Caletas als Aushilfe, als Vorbereitung für ihr Medizinstudium. Wir spazierten ein wenig in dem Park herum, aßen tolle Erdbeeren mit Sahne, andere Früchte und schlenderten die Ständegasse hindurch. Um den Mittag ausklingen zu lassen, setzten wir uns in einer Essensgasse (mit unglaublich nervigen Angebotsschreierinnen, die dich belagerten bis man sich genervt zu einem X-beliebigen setzte) zu riesigen Tortas. Nach getaner Vernichtung der Nahrungsmittel zückte Julia Spritzutensilien. Die umsitzenden Leute begannen unruhig und neugierig zu werden. Doch Maren zog fachmännisch die Spritze auf und in einem irrsinnigen Tempo sagte sie Julia das Zeug in den Arm. Julia ächzte und seufzte schmerzerfüllt. Verzagt fragte ich, ob das denn normal sei. Ach, ich mach das immer so in Caleta. Julia meinte nur mit gesenktem Kopf:

„Und was ist mit dem Rest?!“ -„Welcher Rest? Das war alles.“

-*keuch* Bitte?! Normalerweise braucht meine Gastmutter ungefähr das Vierfache der Zeit. Vielleicht tut es deshalb so weh“ Später erläuterte mir Maren zerknirscht, dass es wohl daran liegen würde, dass auch der Kolben einen viermal so dicken Durchmesser aufwies.

Chetumal

Nach diesem überstanden Abenteuerchen konnten wir uns dann getrost in das Nächste begeben. Abenteuer Busfahrmarathon. Ihm Nachhinein muss ich sagen, dass es gar nicht soo schlimm war und ich trotzdem ziemlich stolz bin. Soweit ich weiß, haben uns bisher nur Ture und Elli mit 32 Stunden (Wirklich so viel?!) aus Guatemala nach DF geschlagen. Wir kamen dann also in Chetumal an und wurden gleich angequatscht, ob wir denn nicht nach Belize wollten, weil wohl in Kürze ein Bus abfahren würde, aber wir entschieden uns für einen Tag Busfahrtenpause. Ein enormer Busfahrschwarzbär ließ uns die morgigen Zeiten in großartigem JamaicanSlang-Englisch wissen. Zu geschafft uns mit Liniebussystem vertraut zu machen, nahmen wir uns nur ein Taxi und ließen uns von dem Fahrer beraten, wo wir denn gut nächtigen könnten. Außerdem handelte er für uns in dem Hotel einen billigeren Preis heraus. Nach einem kurzen Frischmachen, machten wir uns daran, die Stadt zu erkunden. Und wirklich unglaublich, wieviel die vermeintliche Hauptstadt Quintanaroos aufzuweisen hat. (Nun muss man sich fragen; ist jede deutsche Staatshauptstadt einen Besuch Wert?) Völlig ausgestorben, die Stadt, waren die ersten Menschen, die wir bewusst wahrnahmen, ein Grüppchen spielender Kinder auf einem Spielplatz. Unseren Weg fortführend trafen wir auf das Meer, eine nicht hässliche, aber auch nicht als besonders bemerkenswert zu beurteilende Promenade. Außerdem wurden wir auf einige Schilder aufmerksam, die von einem gewissen Karneval sprachen. Aber ist Karneval nicht als Fest des Lärms und der Freude zu verstehen. Bisher war in diesem Großnest von nichts Dergleichem etwas zu spüren gewesen. Doch wir wurden nicht enttäuscht. Am Abend dann zog ein kunterbunter, leicht abgedrehter Fastenzug an uns vorbei. Von leichtbekleideten Damen über strahlende Kinder zu hochgewachsenen Männern in glitzernden Schmetterlingskostümen konnten wir einiges bestaunen. (Quatsch, wie kommt ihr darauf, dass das lächerlich aussah?)

So hat sich der Aufenthalt in Chetumal doch noch ausgezahlt, nachdem wir zuerst wirklich vollkommen enttäuscht waren.

(03.03.09 → 09.01.09)

In dem Bewusstsein 2 Wochen zuvor vom Subdirektor gesagt bekommen zu haben, dass ich erst am 16. Januar anfangen solle, hoffte ich, dass sich trotzdem eine Arbeit für mich finden würde. Bereits jetzt schon einen Monat später anfangend als der Rest der deutschen Freiwilligenschaft hatte ich genug von dem Gefühl ungebraucht und gelangweilt zu sein. So fuhr ich also, ohne Ahnung was mich erwarten würde, in den weitläufigen blauen Gebäudekomplex an der Straße von Lazaro Cardenas nach La Mira. Am Tor fragte mich ein etwas seltsam aussehender Mann mit schiefer Nase, was ich denn hier zu suchen habe. Ich erklärte mich und sein Verhalten änderte sich schlagartig von distanziert-regelbeflissen zu kumpelhaft-hilfsbereit. Er stellte sich als Chepito vor, zumindest sei das sein Rufname, er sei der Präfekt des ersten Turnos. Präfekt sind an höheren Schulen dafür zuständig, dass die Ordnungsregeln eingehalten werden, also Uniform, Haarschnitt, aber auch dass die Schüler sich außerhalb der Klassenräume zu benehmen wissen. Er führte mich zu Carlos, dem Subdirektor, den ich ja bereits kennengelernt hatte und dieser konnte mir noch immer nicht mehr sagen als beim letzten Treffen. Dass er bisher keine Möglichkeit gehabt habe, mir einen Wohnort zu verschaffen, da die Schüler heute ja erst beginnen würden, dass er gerne warten wolle, bis Yesenia, die Englischkoordinatorin aus ihrem Schwangerenurlaub wiederkäme und das er im Moment nicht so richtig etwas für mich zu tun hätte, da er selbst so viel mit Koordination zu tun habe, da das Semester gerade erst begonnen habe. Ich fragte, ob ich denn nicht die Stunden von Yesenia übernehmen könne, um wenigstens ein bisschen eine Idee vom Schulablauf zu bekommen und mich vielleicht erst einmal in einigen Klassen vorzustellen. Der Vorschlag schien ihm zu gefallen und meinte, dass ich doch später noch einmal wiederkommen solle, um mir meinen Stundenplan abzuholen.

Später dann ging ich mit drei Lehrern essen und freute mich gleich zu nett aufgenommen zu werden. Auch innerhalb des Schulgeländes war es beeindruckend wie groß das Interesse an dem, sprich meinem fremden Gesicht war. Einige beschränkten sich auf Gucken, andere riefen mir Dinge zu oder pfiffen. Aber insgesamt war es eine viel offenere Atmosphäre als ich sie aus Las Canas in Erinnerung hatte.

Und so begann meine erste Arbeitswoche bei CECyTEM. Am ersten Tag brachte mich Chepito in die jeweiligen Klassenräume und freute sich sichtlich mich vorstellen zu dürfen. Ich gab in der Woche in drei verschiedenen Viertsemestergruppen und behandelte in allen der Einfachheit halber dasselbe.

  1. Stunde: Vorstellen und vom Projekt und VIVE MEXICO erzählen/Was sind typische deutsche und mexikanische Eigenschaften?/Was ist der Unterschied zwischen Stereotyp und Vorurteil?

  2. Stunde: Mind-Map zum Thema Freiheit/Wann hört eigene Freiheit auf? Welche Rechte haben wir im Zuge unserer Freiheit

  3. Stunde: Lesen

  4. Stunde: Über gelesene Texte sprechen

Wie ihr sehen könnt, habe ich mir Mühe gegeben, nicht puren Sprachunterricht zu geben, also nicht nur Grammatik zu unterrichten. So ergab sich aber die Schwierigkeit, dass auf Englisch nicht alle Schüler folgen konnte, (meist nur jene, die neben der Schule Unterricht nehmen, was nicht wenige sind) was mich zu einer anstrengenden, aber gewohnten Mischung beider Sprachen zwang. Zumindest die Tafelbilder waren immer auf Englisch.

In allen Gruppen war das Interesse an mir sehr groß, das es wegen meiner Andersartigkeit oder meiner Person an sich ist, sei mal dahingestellt. Zumindest bekam ich Dienstag nach meiner ersten Stunde die Frage gestellt mit wem ich denn das am darauf folgenden Tag stattfinden werdende Fußballspiel USA:Mexiko ansehen würde. Da ich in der Tat noch keine Pläne hatte, nahm ich die Einladung es mit dieser Gruppe Jungens Typus „liebenswerter Raufbold“, zu verbringen, gerne an.

Mittwoch dann bekam ich die Einladung am Donnerstagabend Cena essen zu gehen, also Abendessen (Gibt es im Deutschen kein gutes Wort dafür? Nachtmahl? Abendbrot? Wieso eigentlich immer Brot? Abendtortilla! :P Und ja, doch, ich vermisse gutes Brot!)

Gegen 5 Uhr trudelte ich dann am verabredeten Treffpunkt, der La Mira’ischen Galleonsfigur, dem Monument ein, in der Erwartung dort mit dem Auto abgeholt zu werden, um dann zu einem Schüler zu fahren, bei dem wir alle zusammen das Spiel schauen wollten. Das mit dem Auto war ein Missverständnis, was mich etwas wurmte, weil mein Abholer dann ja gar nicht das Busgeld hätte bezahlen müssen. Bus fahren und an betreffendem Ort aussteigen hätte ich auch alleine hinbekommen, vorausgesetzt dort hätten sie mich dann abgeholt. Sei’s drum. Bei dem Spiel oder vielmehr dem Zeit verbringen mit dieser Truppe machte ich bereits eine Erfahrung, die sich auch in den folgenden Tagen wiederholte: Es ist ein sehr spannendes Gefühl Bindeglied zwischen Lehrer- und Schülerschaft zu sein. So bekommt man zur gleichen Zeit Gerede von Schülern über Lehrer, als auch vice versa, mit. Es ist sehr verwunderlich, dass das Fazit auf Schüler über Lehrer-Seite derart niederschmetternd ist, bedenkt man, dass diese CECyTEM-Schule als eine der besten im ganzen Land gilt. Aber ebenso wie bei der Schülerschaft im Großen und Ganzen eine Gauss-Kurve zu verzeichnen ist, gilt das wohl auch für die Lehrer: Viele Mittelstreckenläufer, eine Handvoll Genies und ein Paar Versager.

Da uns das Wohnzimmer des Kumpels zu eng wurde, da wir inzwischen ca 10 Leute waren, fuhren wir ins Zentrum, um neben dem Fußballspiel unseren Hunger mit einigen Stücken Pizza zu beruhigen. Das Spiel verlief ernüchternd bei einem Endstand von 2:0 für USA, nach verheerendem Torwartfehler in den letzten 10 Minuten von einem Hüter, der eigentlich solides Spiel gemacht hatte. Zuvor dachte ich, dass der Abend nun vorbei sein möge, das Fußballgucken war ja nun hinter sich gebracht. Aber nein, nun ging das Planen los. Wer von den Fahrern muss wann wieder zuhause das Auto abliefern und wer kann noch eines beschaffen und was wollen wir dann eigentlich machen? Wir lieferten zwei Jugendliche zuhause ab, luden einen weiteren ein, brachten zwei Autos zurück, besorgten zwei Ersatzfahrzeuge, kurvten noch ein wenig umher, um uns dann zu entscheiden nach La Mira zu fahren, um dort noch ein wenig selbst zu kicken. Es gibt nämlich dort einen einfach Sportplatz, der täglich belegt ist. 2 Basketballkörbe und einen Fußballkäfig für „futból rápido“. Wir gewannen noch einige Partien und gegen 11.15 bat ich darum, dass mich jemand nach Hause führe, weil ich auch nicht allzu spät in meine Leihgastfamilie reinplatzen habe wollen.

Und wieder zeigte sich ein kleines Problemchen in meiner Brückenfunktion. Obwohl ich die einmalige Chance habe, tolle Verhältnisse zu Schülern aufzubauen, die ja eigentlich auch eher meine Altersklasse sind, muss ich immer aufpassen, dass ich mir ihren Respekt auch als Lehrerfigur bewahren kann. Wenn man in dieser Altersklasse rumspäßelt, kommt es dann schnell zu einem derberen Humor und dementsprechend nimmt auch das Sprachniveau rapide ab. Und man passt sich dann halt irgendwie auch an…

Am Mittwoch dann ging es Abendessen mit den beiden Mädels. Komischerweise tauchten im Laufe des Nachmittags immer mal wieder andere Mädchenduos auf, die wohl mitbekommen hatten, dass ich mich mit den beiden treffen werden würde. Darüber waren wiederum die, die mich wirklich eingeladen haben, nicht so richtig erfreut. Kin, eine Halbjapanerin und Yessica, zeigten mir ein Bisschen ihre Gegend, den Park in dem sie regelmäßig abhängen und ich lernte noch 2 ihrer Freunde kennen. Es war ganz nett, aber irgendwann reichte es mir. Naja… ich hielt durch und wurde mit tollen Sopas belohnt. Später dann fanden wir heraus, das ein kleiner Luftballon 5 Pesos Gewicht braucht, um weder wegzufliegen, noch stetig zu sinken. Das war spannend.

[Puebla, den 6. März

Ich werde das, was ich bisher habe schon mal hochladen. Es ist mir auch bewusst, dass dieser Eintrag weder komplett noch vollständig ist. (Wo ist der Unterschied? Denk drüber nach!) Ich möchte nur schon mal irgendwas aus Lazaro Cardenas an Eindrücken übermitteln. Ich werde versuchen in Bälde stückchenweise fortzufahren. Es fehlt schließlich auch noch die Ausreise-Reise. (Lazaro-Mex DF-Chetumal-Belize City-Caye Caulker-Orange Walk-Corazal-Palenque-San Cristobal de las Casas-Puebla)]

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Was gibt es noch aus meiner bisherigen Cardenas-Zeit zu berichten? Wollte ich das Wochenende eigentlich erst mit einem Lehrer nach Acapulco auf eine Hochzeit in einer schwarzen Dorfgemeinschaft fahren, stellte sich dann heraus, dass er von seiner Arbeitsstelle nicht die Erlaubnis dazu bekam. So blieb ich also in Lazaro und konnte anderen Bewerbern meiner Zeit doch noch eine positive Rückmeldung geben. Außerdem hatte ich das Vergnügen dem Geburtstag meiner Gastmama (Eigentlich ist sie ja nur zeitweise Selbiges, weil ich bald die Familie wechseln werde, um nicht weiter der Familie von Janinas Direktor auf den Geist zu gehen und dem Ursprungsgedanken des Auslandsjahrs „Geben und Nehmen /Lernen und Lehren“ wieder zu folgen) am Freitag, dem 13. Februar, beizuwohnen. Morgens bereits fing Maria an Essen vorzubereiten. Bevor ich zur Schule fuhr, fragte ich verwundert, ob sie denn Menschen eingeladen habe. „Glaubst du wirklich, sie ließen mich in Frieden mit der Familie feiern?“ „Also in Deutschland kommt man nur für länger, wenn man eingeladen wird“ „Hier ist das anders“ „Aber wieso machst du etwas zu essen? Es ist doch dein Geburtstag…“ „Soll ich sie draußen stehen lassen und ihnen nichts Schmackhaftes servieren?“ „Naja… Wenn du sie nicht ausdrücklich eingeladen hast, dann…“ Etcetera, etcetera. Und wie sie es schon vorausgesehen hatte, trudelten am Nachmittag an die 20 Frauen an ihrer Pforte ein, größtenteils „Senoras“, also bereits gealterte Damen, die an Maria-Elenas täglichen Tanzstunden teilnehmen. Tanzstunden bedeutet in diesem Fall Aerobic und jegliche Art der Bewegung zu Musik. Diese zeigten großes Interesse an meiner Person, sodass Maria-Elena mich nach kurzer Zeit bat, mich doch zur Gruppe nach draußen zu setzen. Also nahm ich mir auch eine Schüssel Pozole (eine Art Suppe mit jungem Mais und Fleisch) und setzte mich zu den Frauen hinaus. Offensichtlich wurde vorher schon eifrig über mich gesprochen, denn die Damen beobachteten mich mit mehr oder weniger unverhohlenem Interesse. Später erzählte mir Nena (Maria-Elena) von dem größten Lacher des Nachmittags. Die älteste Frau der Gruppe mit irgendwas um 70 herum, meinte nur, als sie mich von der Schule kommend, aus dem Auto steigen sah, „Ich bin zwar alt, aber sehen kann ich noch ganz gut und ich sehe ganz genau, was da auf uns zu kommt.“ Und später: „Hätte ich gewusst, was uns hier erwartet, hätte ich mich besser angezogen“. Es war schon witzig, zwischen den etwas älteren Damen zu sitzen und sie erst, tuscheln, dann lauthals loslachen zu sehen, gerade so wie ich es inzwischen auch vermehrt in der Schule zu beobachten habe.

Am Samstag dann wurde ich eingeladen. Chucky ist eine der spannendsten Figuren in der Institution Cecytem. Es würde ein leicht ironischer Unterton in meiner Stimme liegen, könntet ihr sie hören. Er ist ca 1,60 groß und hat wirklich Ähnlichkeiten mit der Horrorpuppe Chucky. Er gilt als der Abenteurer in der Schule. Er hat einen enormen Jeep, dem er einen weiteren Spitznamen Ace Ventura zu verdanken hat und hat viele Gerüchte über Krokodiljagden und Ähnliches um sich gesponnen. Ich weiß nicht genau, ob ich ihn eingebildet finden soll oder bewundern soll mit welchem Selbstbewusstsein er durch diese Welt wandelt. Ich möchte nicht unfair sein, weil er mich sehr cool behandelt und der Tag echt nett war, aber dazu komme ich ja jetzt.

Er holte mich um 11 an der Glorietta (Kreisverkehr) von la Mira ab und dann zeigte er mir Guacamayas, den Ort in dem die Schule liegt und in dem er wohnt. Man könnte es vielleicht als Vorort Lazaro Cardenas’ bezeichnen. Wir gingen über den gar nicht mal hässlichen Markt Guacamayas’ (Verglichen mit Oaxaca ist er natürlich etwas mickrig) und tranken ein Agua con Sabor aus irgendeinem Kraut – es war grün – das gar nicht schlecht säuerlich schmeckte und sehr erfrischend war. Im Anschluss wollten wir eigentlich mit zwei anderen Lehrern zusammen einen Grillnachmittag machen, doch die anderen beiden Lehrer haben es sich mexikanischer Weise kurzfristig anders überlegt, sodass Chucky dann seine Familie zusammentrommelte und wir mit seinen Geschwistern, samt angetrauter Eheleute zusammen feierten. Sein Neffe und seine Nichte machten mir, erst einmal zum Spielen gekriegt – waren sie doch am Anfang verwunderlich schüchtern – das Entspannen schwer. Die Biester haben aber auch immer eine Ausdauer!

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Im Anschluss an dieses nette Beisammensein, fuhr ich wieder nach La Mira, um mich dort nochmals mit der ersten Jungengruppe zu treffen, die mich zum Fußballspiel gucken, eingeladen hatten, da sie erneut „futbol rapido“ spielen wollten. Da es aber ein Wochenende war, an dem es eine Veranstaltung auf dem „Zocalo“, La Miras Platz von den „Secundaria“s gab, gab es eine Gegner für uns. Also meldete ich mich direkt bei Mario, einem anderen Schüler, der mich eingeladen hatte, mit ihm und zwei Kumpels wegzugehen. Er hätte mich nach dem Spiel abholen sollen. So tat er es halt vor dem Spiel(, welches nie stattfand). Zuerst fuhren wir zu einer Hochzeit, um Adrian abzuholen, nachdem wir Waldemar bereits eingesammelt hatten. Das „Abholen“ wurde dann zu einer Partie Scrabble, Abendessen eingeschlossen. Dann wollten wir eigentlich in einem Rockschuppen Livemusik anhören, aber der Preis war derart überteuert, dass wir uns umentschieden und dann in eine Bar gehen wollten. Blöderweise war diese von rot beleuchtenden, blöd grinsenden Päärchen erfüllt – Vergehe Valentinstag! – und ein schnulziger Schlumpf säuselte Seichtes ins Mikrophon. A propos „rotleuchtend“ kamen die drei Kumpels dann auf die großartige Idee mir das Rotlichtviertel Lazaros zeigen zu müssen. Lazaro scheint eine Transvestiten-Hochburg zu sein. Man sah viele, schlanke, aber für Frauen zu breitschultrige, bebrüstete Wesen und etliche Clubs, die auf Leuchtreklamen verheißungsvolle Nachtverkürzungsversprechungen gaben. Diese jedoch waren dann wieder allen Geschmäckern angepasst. Jedenfalls fühlte ich mich sehr unwohl und weder genötigt, noch gewillt meinen Abend in einer derartigen Institution ausklingen zu lassen. Und dieses merkte ich auch an… Ich weiß nicht, ob man mich verstehen konnte oder es aber nachvollziehen, aber das war mir ausnahmsweise einmal völlig gleichgültig. Also fuhren wir doch wieder zurück in die Nocturna-Gasse, dort wo sich das gesamte Nachtleben Lazaro Cardenas’ abspielt und haben uns die Nacht mit einer weiterer Partie Scrabble verkürzt. Auch diese gewann ich. Jedoch gewann ich die erste wegen eines Wortes, das eigentlich gar nicht als Verb existiert und die zweite, weil mir Mario ein Wort „zuschob“. Sei’s drum…

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Den darauf folgenden Sonntag verbrachte ich nachmittags auf der schon erwähnten Ausstellung der Secundarias in la Mira (nachdem ich morgens meine Wäsche wusch und mit meiner Familie telefonierte). Es gab Arbeiten aus den Kunstfächern: Malen, Basteln, Textilarbeiten. Außerdem ein Paar englische Valentinskarten und eine Ausstellung zum Wassersparen. Diese war aber sehr geschickt gemacht, weil sie aus Sicht eines Kindes von Jetzt in 90 Jahren spricht und die grausame Situation schildert. Auch Luft muss bezahlt werden und Wasser wird literweise zugeteilt. Sehr beeindruckend von Bildern unterlegt.

Außerdem gab es wie immer Tanzgruppen und eine Pantomimegruppe, was ich erfrischend neuartig, aber in sich nicht ganz überzeugend fand.

Abends dann stieg ich blöderweise noch in eines der Jahrmarktsmaschinen: Ein Mordskarussel, dass mir schon nach 2 Runden völlig den Kopf verdrehte und als ich nach dem dritten Mal hinausstolperte machte sich das zuvor genossene Schokoladeneis bemerkbar. Aber zu meinem Glück rief es nicht nach Freilassung.

Montag, der 16. Februar. Mein erster Acto civico am enormen Plantel Guacamayas. Die sonst schon militärisch wirkende Veranstaltung bekommt von der Kapelle, die Banda de Guerra, also Kriegsgruppe, heisst, begleitet, einen noch viel beklemmenderen Beigeschmack. 4 Trompeten und 5 Trommler bilden diese Kapelle. Dazu gibt es wie immer eine marschierende Kleingruppe, die neugierdeerweckenderweise nur aus Frauen zusammengesetzt ist, den Escolta.

Außerdem wird nicht nur die mexikanische Hymne geschmettert, sondern auch die Hymne der CECyTEM-Institution, die sich „La Excelencia“, also den Slogan der Einrichtung, zum Inhalt gemacht hat.

Als ich der Schülerschaft dann von dem Direktor vorgestellt wurde, wurden einige Augen groß vor Staunen über so einen seltsamen (seltenen) Besuch, während einige, die schon die Bekanntschaft mit mir gemacht hatten, das mexikotypische Pfeif-Ruf-Heul-Getön anstimmten.

Am Nachmittag dann ging ich Mary-Elisa, einem etwas hyperaktiven und manchmal sich im Ton vergreifenden Mädel zu ihren Englischstunden in der Quincy-Privatschule. Ich nahm an einer Stunde teil und der Lehrer bot mir gleich an dort Unterricht zu geben. Und in der Tat habe ich darüber nachgedacht, um vielleicht noch eine kleine Taschengeldspritze zu bekommen oder vielleicht im Gegenzug ein Cambridge-Zertifikat. Aber da ich inzwischen eine Möglichkeit gefunden habe, mit ein Spanischzertifikat geben zu lassen, ziehe ich das vor und beides schaffe ich zeitlich wohl nicht.

Danach ging es zu ihr nach Hause, um etwas zu essen. Ich verstand mich sehr gut mit ihrer Mutter, die zwar auch die quirlige Art, die sie ihr Tochter vermacht hat, besitzt, aber ihr fehlt die nervtötende Komponente. Vor 10 Minuten drückte sie mir zum Beispiel auf, dass sie meinen Gang sehr eigenartig findet. Nun gut, einige würden ihre Art wahrscheinlich weniger als nervtötend sondern eher als ehrlich bezeichnen, aber auch Ehrlichkeit sollte sich nicht Respektlosigkeit annähern.

Anschließend wollte ich in die Stadt fahren, um mir eine neue Kamera zu kaufen, um auch für die Reise nach Belize ausgerüstet zu sein, die in Kürze bevorgestanden war. (Es ist echt eine schwierige Zeitfrom: In der Vergangenheit von einer Zukunft sprechen, die in der Gegenwart schon Vergangenheit ist) Also rief ich bei Pelon an, der mir eigentlich gesagt hatte, dass er Lust habe mich zu begleiten. So wollte ich mich mit ihm in der Stadt treffen, um mir von ihm vielleicht einen anderen Elektrowarenladen empfehlen zu lassen. Als ich ihn aus Mary-Elisas Haus anrief, ließ er aber nur ein „Hab keine Lust mehr, spiel grad Computer“ verlauten. Ich ärgerte mich ziemlich über diese Unzuverlässigkeit. So fuhr ich allein ins Aurerra Bodega und kaufte für lumpige 2000 Pesos, also 170 Euro eine ziemlich gute Digitalkamera. Als ich dann abends Jaime Junior mit Ignoranz strafte, weil ich mir echt etwas abgebügelt vorkam, vertraute mir seine Mutter an, dass er gedacht hatte, dass ich zwischendurch nach Hause kommen würde und so seine Fahrtkosten übernehmen könnte/würde. Und dass er nicht genug Taschengeld bekomme, um es selbst zu übernehmen. Das ändert natürlich die Sachlage, aber dann brauche er mich trotzdem nicht anlügen. Aber das ging wohl nicht über seine Ehre und er schämte sich. Ehre vor Ehrlichkeit ist die Devise. Ganz nach dem Motto: Wenn ich den Weg nicht weiß, sag ich irgendeine Richtung, nur um den Gegenüber nicht zu beschämen, weil er den Falschen gefragt hat.

27.03.09  >> 17.02.09

Den nächsten Tag hing ich nur bei Mario ab, spielte ein wenig Schach und ging abends wieder mit den Lehrern zusammen Fußball spielen. Dazu gäbe es jetzt noch einige Geschichtchen zu erzählen, aber die werde ich an anderer Stelle wieder aufgreifen, falls ihr erlaubt. Es bleibt euch ja sowieso nichts anderes übrig.

(Nicht zum letzten Mal werde ich sagen: Fortsetzung folgt!)

Hallo verehrteste Blog-Leser!

Ich hoffe, ihr seid nicht verärgert, dass ich eure Geduld so auf die Probe gestellt habe. Nun angekommen an meinem neuen Arbeitsort finde ich noch weniger Zeit als bisher sowieso schon und bin recht gut beschäftigt. Doch bevor ich euch darüber berichten werde, was sich hier in Lazaro Cardenas so abspielt, werde ich ergänzen, was zwischen unserer Zeit in Morelia und LazCar noch abspielte.

Ein interessantes Wagnis aus Morelia muss ich noch hinzufügen. Angeregt von dem Drang nach Extremem zweier Dänen, ließen wir uns dazu anhalten, zum Skorpionessen mitzukommen. Es gibt eine Bar in Morelia, die Martinis mit Skorpionen garniert, anbietet. Bei Skorpionen ist im Spanischen zwischen dem vollständig giftigen „Alacran“ und dem ausschließlich im Schwanz Gift tragenden „Escorpion“ zu unterscheiden. Hatte ich schon bei den wesentlich kleineren Happen der Grashüpfer Hemmungen, fiel es mir hier noch sehr viel schwieriger. Erst – nach Verspeisen des „Fleisch“losen Kopfes – dachte ich mir, dass es ja weniger schlimmer sei, als ich gedacht hatte, aber dann überredeten mich die verrückten Weibchen, dass wir doch wir doch noch wenigstens etwas vom Körper probieren müssen. Schlechte Idee… Eine cremig-zähe Masse mit einem wenig angenehmen Geschmack erfüllte meine Geschmacksnerven. Bis hierhin und nicht weiter, dachte ich angewidert und musste staunend beobachten wie Trine und Edna, die Schwedinnen,  auch dem Rest ihrer Leckerbissen eiskalt den Garaus machten.

Mit der anfänglichen Zielsetzung in meiner freien Zeit, bedingt von dem späteren Schulanfang, mir kleine Orte im Norden Morelias anzuschauen, musste ich mir eingestehen, dass ich mit ausschließlich Patzcuaro meine Mission nur bedingt als komplettiert ansehen kann. Also nahm ich mir Julia ins Schlepptau und wir visierten Guanajuato an. Donnerstagmittag machten wir uns auf den Weg zu der Route, die in diese Richtung führen sollte. Mit der ausgesprochen bemerkenswerten Hilfe eines Combifahrers, der uns ca. 2 km früher herausließ als es ihm möglich gewesen wäre. So liefen wir also erst einige Zeit an der Straße, um uns dann verwirrt zu fragen, ob wir denn überhaupt noch in die Richtung laufen. Da traf es sich ganz gut, dass eine junge Frau von der gegenüberliegenden Straßenseite wild gestikulierend versuchte unsere Aufmerksamkeit zu erregen. Sie rief nach einem gewissen „typischer mexikanischer Name“ (deshalb ist er mir entfallen), nennen wir ihn einfach mal „Francisco“ und bedeutete uns eine Einfahrt zu betreten, die eine Autowerkstatt zu beherbergen schien, um nach besagtem Herren zu schauen. Er war auch dort anzutreffen, aber seine Verwirrung war bedeutend, als ich ihm versuchte, zu erklären, dass wir zweierlei Anliegen haben, wovon eines nicht einmal unser eigenes war, sondern wir nur auf „Bitte“ einer Dame von gegenüber handelten. Er meinte stur, dass da niemand sei, den er kenne, bis dann die „Francisco – Francisco“-Rufe von dem Verkehr kurzzeitig nicht geschluckt wurden. Was auch immer er dann zu besprechen hatte, kam er schnell zu uns zurück und konnte uns Auskünfte über Guanajuato geben. Ja, wir seien auf dem richtigen Weg, hätten aber noch 2 Km vor uns, bevor wir an eine Stelle gelängen, an der die gewillten Autofahrer ausharren können. Danach verwickelten wir uns in eine Diskussion über Auswanderung und Einwanderung, Bush und Obama, die – ihm zufolge – beängstigende Ausmaße annehmende Faulheit Michoacaner und die Schönheit Guanajuatos. Wir verabschiedeten uns sehr erfreut über die angenehme Unterhaltung höflich von ihm und er meinte, dass wir ja nun wüssten, wo wir einen befreundeten Autobastler fänden, wenn wir denn mal Bedarf hätten, während er uns mit seinen schalkhaften, wachen und komischerweise dunkelmeerblauen Augen fixierte. Und wir führten unseren (Gewalt)Marsch durch die Hitze fort. Dann kamen wir nach einer gefühlten Endlich-keit an einigen Läden an, die Haltemöglichkeit boten. Nach einer weiteren Weile erbarmte sich ein junger Mann in einem schicken, weißen Honda und nahm uns auf. Er warnte uns vor, dass er uns nur bis zum Autobahnkreuz Celaya/Salamanca bringen könne, aber wir hatten genug von BeifahrerBettelBrutzeln und willigten ein. Aus welchem Grund auch immer hat sich Julia den Beifahrersitz ausgesucht, was mir die nicht zu unterschätzende Möglichkeit gab, die Augen zu schließen, anstatt Radio zu spielen. So wiederum hatte Julia die Chance zu erfahren, dass unser anhalterfreundlicher Herr noch zur Prepatoria geht und im Anschluss vor hat, Kinowissenschaften oder so ähnlich zu studieren. Ich wollte ich hätte besser zugehört und mich nicht Todes Bruder hingegeben. So hätte ich jetzt vielleicht eher eine Spur, um seinen Aufenthaltsort ausfindig zu machen. Wieso? Weil der gute Jonas die glorreiche Tat vollbracht hat, seine Kamera im Auto liegen zu lassen. Der Tag war echt ziemlich mies. Erst das ewige Warten auf MFGs, dann Kamera weg, dann nicht wider Erwarten wieder warten, um uns schließlich auf einen Bus einzulassen, der uns dann nach Salamanca brachte, von wo wir über Irapuato nach Guanajuato fahren konnten. Zwischenzeitlich hatte der kleine Zeiger die 2 Striche überschritten, die auf den meisten Chronometern die „7“ darstellen, sprich es dunkelte bereits. Ich war sehr froh, dass uns Domingo eine Freundin in Guanajuato mobilisiert hatte, die uns aufzunehmen gedachte. Ebenjene Karen trafen wir an den beeindruckenden Universitätsstufen Guanajuatos. Die Stadt gefiel mir auf Anhieb. Enge Gässchen, farbige Häuser, bezaubernde Architektur, verwinkelte Straßen und Hügel. Ich finde, dass Erhebungen einer Stadt irgendwie Charakter verleihen. Es sah zwar alles irgendwie ähnlich aus, wunderschön, aber eben ähnlich, aber gerade weil ich mich allein wahrscheinlich hoffnungslos verorientiert hätte, genoß ich es mich Karen anvertrauen zu können. Wir deponierten unser Gepäck in Karens Wohnung, welche in einem antik wirkenden Reihenhaus im zweiten Stock die Welt an sich vorbeiziehen zu sehen scheint. Diese teilt mit 5 anderen Studenten und es ist wirklich sehr urig, das alte Gemäuer. Von dort aus schlängelten wir uns durch die Gassen zu einem kleinen Restaurant und aßen sehr schmackhafte Spaghetti. Bevor jedoch die Pasta angelangte, gab es natürlich etwas für die Kehle; Cappuccino für mich und etwaige Kaltgetränke für den Rest der Bande, sprich Julia, Karen und zwei ihrer Freundinnen. Mit Getränken zusammen, gelangte ein seltsam anmutendes Zuckerstreubehältnis auf unseren Tisch. Meinen Cappu als zu stark empfindend, wunderte ich mich über die erstaunt-angewidert-belustigten Fronten meiner Begleitungen, als ich wie selbstverständlich Parmesan, vermeintlichen Zucker, auf meine Schaumhaube beförderte. Im Anschluss an das wohlschmeckend Mahl, mit Käse auf allen Bestandteilen wurden wir überredet, noch mit zu einer Fete des Seminars zu kommen. Man sollte vielleicht dazu sagen, dass es sich bei allen drei Mädels, die unsere Begleitung zusammensetzte, um Kunststudentinnen handelte, weshalb auch die Fiesta von fast ausschließlich diesem Volksschlag bevölkert wurde. Mit anderen Worten: man traf auf etliche nicht ganz geradlinig gepolte Menschen, sondern auch alternative Kleidungs- und Daseinsformen bei denen wir uns aber sofort wohl fühlten. Es wurde eifrig zu Ska Softpogo praktiziert, sanfte Drogen wie Tequila und Bier konsumiert und Gespräche geführt. (Für die älteren Generationen oder aus anderen Gründen Uninformierte: Pogo ist eine als Tanz bezeichnete, hauptsächlich unter Rockmusik hörenden Jugendlichen, verbreitete Form sich miteinander zu bewegen. Dabei springt man miteinander, gegeneinander und aneinander zum Rhythmus der Musik und kann sich somit gleichermaßen sanft abreagieren als auch gemeinschaftlich im Rausch der Musik zerfließen.)

Des Nächtens zurückkehrend, genehmigten sich Julia und ich noch eine seichte Komödie („Girl next door“, trotzdem zu empfehlen…), während Karen eine Hausaufgabe vollendete.

Den nächsten Tag schauten wir uns die Stadt von einem höheren Standpunkt an, von einer Statue über dem Zentrum. Die Farbenpracht von Guanajuato ließ sich in der Vogelperspektive zusätzlich genießen. Davon abgesehen fehlte uns aber die Zeit noch viel weiteres zu unternehmen. Da ich unbedingt die Schmetterlinge sehen wollte und mich deshalb der Gruppe anschließen wollte, die am Samstagmorgen vom Freiwilligenhaus zu ihnen losfuhr, verließen wir Guanajuato auch am Freitag schon wieder.

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Also nahmen wir die Mühe auf uns, uns am Samstagmorgen gegen 6.30 aus dem Bett zu wühlen. Als wir nach etlichen Busfahrten und nicht gerade wohl gelaunt dann endlich gegen 2 im Schmetterlingspark „El Rosario“ ankamen, erschlugen uns Menschenmassen. Wen wundert es, war es doch an einem Samstag und mitten in der Schmetterlingsstoßzeit. Außerdem war der Weg auf den Berg hinauf, befestigt, bestuft und durchaus als langweilig zu bezeichnen. Im Grunde kann man dagegen ja nichts sagen, da man das bei Touristenattraktionen schon gewohnt sein müsste. Problematischerweise wusste ich nur aus anderen Freiwilligenquellen, dass es auch weniger abgeriegelte Schmetterlingsgebiete zu finden gibt. Nichtsdestotrotz waren die Massen an orange-schwarzen Flecken in der Landschaft und zwischen den Wolken sehr schön anzuschauen und irgendwie faszinierend. Die Natur kann so atemberaubend sein. Verzeiht mein Schwelgen, aber ich finde es wird viel zu selten zugegeben, dass wir um vieles sehr dankbar sein sollen. Wer weiß schon, wem genau… ob uns selbst, der Schöpfung, sprich der Evolution oder einem gewissen Gott oder vielleicht nur luftvoll ziellos Dankbarkeit verströmen sollten. (Der Poet in mir ließ sich nicht zügeln)

Wie dem auch immer sein möge, die Tausenden an Schmetterlingen umflatterten unsere Köpfe, saßen im Gras, an Wasserpfützen und färbten ganze Baumstriche um. Wenn auch kleiner, als ich sie mir vorgestellt hatten, war es ein Erlebnis. Es wäre mir lieber gewesen, sie nicht in so einem überüberwachten, steril gehaltenen Gebiet erlebt zu haben, sondern eher in ihrem wirklichen Lebensraum, aber sei es darum. Soviel zu den Butterfliegen (englisch) , Schmetterdingen, Sommervögeln (dänisch) und Mariposas (was auch immer man daraus machen kann ;) )

Der Abend wurde, wenn ich mich recht erinnere mit „Darjeeling Limited“ beendet, einem kultig-skurrilen, verschroben-subtilen Film beendet und der nächste Tag war ganz der Rückkehr nach La Mira und der Hoffnung in Kürze in der Schule endlich anfangen zu können, anzupacken, gewidmet.

(09.01.09 → 26.01.09 – 31. 01.09)

Also… Was kann ich euch über meine zweite Runde Couchsurfing erzählen?

Wie ich schon sagte, konnte ich mich Nano gleich vielmehr anfangen. Ich bemerkte gleich, dass er sehr interessiert an meinen Erfahrungen und meinen Gedanken über Kulturaustausch und Ähnliches war. Dementsprechend erfüllt von Diskussionen war die Woche. Wir unterhielten uns über die Steuerung einer jeden Entscheidung des Menschen, die wir in Intuition, Instinkt und Intelligenz (also erlerntes Wissen) aufspalteten und Körperteilen zuordneten: Herz, Genital und Kopf bzw Hirn. Außerdem sprachen wir über das gesellschaftsspaltende Phänomen „Emo“, das mehrere divergierende Bedeutungen hat und so sehr einfach Missverständnisse hervorrufen kann. Ich lernte einige seiner Freunde kennen und fühlte mich sehr gut aufgenommen. Wir waren zusammen mit Julia und einer seiner Freundinnen in Patzcuaro und lernten eine weitere wunderschöne Stadt kennen.

Alles in allem eine erneute wunderbare Erfahrung, was CS angeht. Die Familie behandelte mich großartig und es war toll Morelia auch mal aus der Sicht eines Morelianos kennenzulernen, anstatt selbst zu erkunden. Es hat beides eindeutig seine Vorzüge, aber man sollte sich um keine Variante bringen. Wie immer greift auch hier: Ziel goldene Mitte. Genieße beides, soweit möglich!

Das einschneidenste Erlebnis dieser Woche war eine nächtliche Begegnung mit den mexikanischen Ordnungshütern. Nachdem ich mit Nano und Delia (dem Mädchen, das auch mit in Patzcuaro war) in einer Musikkneipe gewesen bin, stand es dann zur Frage, wer das Lenkrad in die Hand nehmen sollte. Da ich seit nunmehr 5 Monaten kein Auto gefahren bin, geschweige denn im chaotischen Verkehr Mexikos sah ich mich nicht dazu in der Lage diese Aufgabe in Angriff zu nehmen. Ich berücksichtigte bei dieser Entscheidung nicht, dass sowohl Delia als auch Nano einige alkoholische Getränke intus hatten. Wieviel wirklich in Nanos Blut steckte, zeigte sich dann als das Alkoholometer, das Pustitron 0,9 von 0,4 erlaubten Promille anzeigte. Hinzu kam, dass es Delias Fahrzeug war. Jenes wurde eingesackt und alle Proteste Nanos und Delias wurden mit Drohungen abgeschmettert. Ein Polizist nahm Nano auf Kamera auf, nachdem dieser sich weigerte, einen Wisch zu unterschreiben, den er nicht einmal durchlesen durfte. Das Auto wurde nebst einem anderen Wagen an einen Schlepper gehängt und innerhalb von 20 Minuten war die ganze Chose beendet und die Straße wie leergewischt. Ein Motorradfahrer ohne Lichtanlage wurde noch fleißig durchgewinkt und das wars dann. Wir wurden von einem Mitarbeiter des nahe gelegenen Restaurants der Eltern nach Hause gefahren. Nano kochte vor Wut auf sich und auf die Polizei und sowieso auf die ganze Welt.

Innerhalb der Woche traf ich mich außerdem mit Julia und wurde von meiner Tante dazu angehalten mit ihr ordentlich einen drauf zu machen. Wir aßen T-Bone-Steak und zündeten eine Kerze in der beeindruckenden Kathedrale Morelias an. Auch wenn ich eigentlich keinen urchristlichen Glaubensweg verfolge und keine große kirchliche Bindung verspüre, so beruhigt mich das Anzünden von Kerzen meist und verschafft mir Befriedigung. Und die guten Wünsche müssen ja nicht mal in Erfüllung, die Zufriedenheit für den Moment ist genügend.

(12.02.09 → 31.01.09)

Die folgende Woche zog ich dann wieder zu Julia ins Freiwilligenhaus. Dort verweilte ich eine Woche. Lasst mich mal überlegen, was in dieser Woche an aufregenden Dingen geschehen ist. Als wir Freitag morgen das Haus verließen, haben wir nicht geahnt wie voll das Haus werden würde. Nach und nach trudelten immer mehr deutsche Freiwillige ein und dann auch noch 5 Dänen. Katha und Ture hatten einen ca älteren Jahre Abenteuer-Ami im Schlepptau, der mit einigem Geld und einem riesigen Wagen samt Bett, seine Zeit verbringt. Von einem Couchsurfing-Abenteuer zum nächsten macht er nun eine Reise durch Amerika. So lernte er dann die US-Amerika-reisende Katha und ihre Begleitungen kennen. Er bat sie bzw bot ihnen an, ein wenig mit ihm zu reisen, damit er kostenfreie Übersetzer und Begleitung hatte. Im Gegenzug hatten sie keinerlei Verpflegungskosten, da er immer flink ein Bündel Scheine zur Hand hatte, wenn es ans Bezahlen ging. Mit ihm zusammen ist dann die ganze Rasselbande, also 5 Dänen und ca. 7 Deutschein seinem Riesenauto zusammengepfercht, aus dem Stadtzentrum in Richtung Freiwilligenhaus gestartet. Ein Ausfahrt verpassend, wurde dann beschlossen, verbotenerweise bei der nächsten Möglichkeit einen U-Turn, eine Kehrtwende in Angriff zu nehmen. Und es kam was kommen musste: Ich hatte meine zweite Begegnung mit der mexikanischen Exekutive. Durch geschicktes Verhandeln, überzeugendes Flunkern und dem Plädieren an eine gewisse Moral konnte Schlimmes abgewendet werden. Nora ließ ihren Charme spielen und unser Lieblingsami konnte mit „Korruption-Korruption“-Rufen auch seinen Teil dazu beitragen, während der Rest im Buckel des Gefährts ausharrte und hoffte, dass die Polizei sich von der Versicherung, dass niemand sonst im hinteren Teil des Autos säße, überzeugen ließe. Die Widersprüchlichkeiten aus dem polizeilichen Gerede sorgten im Rückblick für einige Lacher, auch wenn ihr Auftauchen währenddessen für einige Schauer gut war. Aber ein „Wir sorgen dafür, dass ihr gut dahin kommt, wohin ihr wolltet“ im selben Atemzug mit „Wir können auch ganz anders und bringen sie gleich alle aufs Präsidium“ ist nun doch etwas weit hergeholt und nicht gerade seriös.

Dann fuhren wir zu Hector, in der Annahme, er würde seine „Welcome back“-Party in seinem Haus steigen lassen. So war es uns zumindest gesagt worden. Letzten Endes war es dann ein nettes, aber eher eintönig Abhängen mit Bierchen, aber keine Fete, wie erhofft und erwartet.

Schmetterlinge und Guanajuato, Kunst und Ausblick und eventuell Schulanfang und Atmosphäre sind Bestandteil des nächsten Blogs. Bis dahin… Denkt mal an mich! :)

Puebla, Mexico DF und La Mira werden aufgeschoben. Folgt Las Cañas.

01.02.09 -> 23.-25.01.09

Letztes Wochenende dachte ich mir, dass ich doch einfach auf meinem Weg von La Mira nach Morelia einen kleinen Zwischenstop einlegen koennte, um mein altes Dorf zu besuchen. Aus der geplanten einen Nacht wurde das gesamte Wochenende. Freitagabend verbrachte ich mit Lidio, Nene, Ulises und Noel an der Carreterra. Nicht besonders produktiv, aber zumindest unterhaltsam gestaltete sich das gemeinsame Biergeniessen. Ich in gepanschter Sprite-mix-Form und die Uebrigen in reiner Ausfuehrung. Es war wirklich sehr nett und wir unterhielten uns gut. Ich habe mich sehr wohl gefuehlt in dieser Runde. Diese Tatsache verunsichert mich ungemein, da ich etwas ungerecht finde, dass ich ab dem Zeitpunkt ab dem ich weiss, dass ich das Dorf verlassen werde, Gefallen in ihm finde. Lustigerweise meinte Nene, dass sie genau das geahnt habe. “Ist er die Woche hier, wird er immer wegfahren wollen. Ist er weg, wird er immer wieder kommen.” Und recht hat sie; auch die naechsten Tage wurden wirklich angenehm. Samstag nachmittag ritt ich mit Ramon auf einen Berg in der Naehe. Nicht das wir auf dem Berg irgendetwas spannendes gemacht haetten, aber alleine die Natur und das Gefuehl eines Pferderueckens unter mir, war irgendwie elektrisierend. Erst recht als ich mich dann von Ramon ueberreden liess, zu galoppieren. Es ist ein irres Gefuehl, dass einem gleichzeitig Endorphine und Adrenaline zuhauf durch die Adern pumpt. Ausserdem ist es viel weniger schmerzhaft als der bloede Trab. Ohnehin schmerzten meine Schenkel und mein Ruecken erheblich am naechsten Tag. Aber die Galopp-Erfahrung war das in jedem Fall wert.

Nachdem wir dann wieder im Dorf angekommen waren, entdeckte ich an Ramons Haustisch, dass Schaf absolut nicht zu meinen Lieblingsgerichten gehoert.

Das anschliessende Fussballspiel in La Espinal war sehenswert, wenn wir auch verloren haben, habe ich mich trotzdem irgendwie angehoerig gefuehlt. Und es war schoen dazu zu gehoeren.

Abends wurde erneut getrunken. Schliesslich gibt es bei Sport immer was anzustossen. Verliert man, trinkt man aus Frust, gewinnt man, ist es Feiern. So gab es eine riesige Horde aus mehr oder weniger jungen Maennern aus drei verschiedenen cañanischen Fussballmannschaften, die sich gemeinschaftlich einen hinter die Binde kippten.

Den Sonntag dann verbrachte ich im wunderschoenen kleinen San Simon, 40 Minuten von las Cañas, in welches mich einige Schuelerinnen des primero semestre (jetzt wo ich weg bin… *gr*) einluden. Im Volksmund auch Las Laguna genannt, ist San Simon direkt an einer Lagune liegend, sehr gruen und angenehm aufgrund der Brise, die gelegentlich weht. Man riecht das Wasser und Fische und es ist irgendwie nett dort. Haette ich frueher gewusst, wie schoen es dort ist, waere ich vielleicht nicht mal gewechselt. Ich bin dann mit meinen Schuelern in einem Motorboot auf den See gefahren, wir sind geschwommen, haben Unmengen von gegrillten und gebackenem Fisch verspeist und Eis genossen. Ein sehr vielfaeltiger Tag und ich habe mich absolut prima mit den Maedels und den beiden Jungs verstanden. Auf jeden Fall werde ich irgendwann nochmals dort eintreffen, um dann auch fischen zu gehen.

Am Morgen dann packte ich meine Sachen und begab mich zu den Casetas, um nach Morelia zu kommen. 3 Stunden lang wartete ich auf eine Mitfahrgelegenheit, bis mich zwei Veterinaermedizinstudenten mitnahmen. In Morelia traf ich dann auf meinen Couchsurfer (Sebastian, 21, Bergsteiger und Internethaendler, www.beerbox.com) , der mich seinem Bruder vorstellte (Bernardo, “Nano”, 24, Biologiestudent) und sich dann ausklinkte. Jener wiederum gab mir gleich gute Vibes, aber dazu im naechsten Blog, wenn es dann heisst, “Nano-technik”.

Ich habe keine Lust mehr auf Ferien, Freizeit oder Ähnliches, was darin resultiert nicht richtig was zu tun haben. Klar, ich kann mir Gedanken über meine Zukunft oder mein Studium machen, Reisen planen oder lesen, aber das sind alles Dinge bei denen man keine Resultate sieht. Ich könnte/kann auch weiter reisen und noch mehr von Mexiko entdecken, aber wenn ich ehrlich bin, bin ich dazu zu abhängig von Gesellschaft (nicht “society”, sondern “company”). Ich mag es nicht gerne alleine zu reisen und sämtliche Gefährten sind ja bereits dabei zu arbeiten oder haben selbst Gefährten… Ich jedoch muss noch bis zum 9. oder gar bis 16. Februar rumgammeln bis ich endlich wieder was zu tun bekommen. Und nicht mal dann weiß ich, ob ich mich wohl fühlen werde. Mir ist aufgefallen, dass das Dorfleben, zumindest was Miteinanderleben (Convivencia) anbetrifft sicherlich weniger Hürden aufweist als das Stadtleben. In einer Stadt kennt nicht jeder jeden und man grüßt sich mit allen. Außerdem glaube ich, dass ich in einer Stadt weniger verändern kann, weil dort mehr an allem dran hängt. Ich weiß nicht, ob ich in eine Familie komme, die aktiv miteinander lebt, in der ich die Chance habe, andere Menschen kennenzulernen. Außerdem reisen wir Ende Februar auch schon wieder aus. Das heisst, ich werde allerhöchstens vom 9. (oder 16.) bis 20 arbeiten und mache dann wieder die Biege. Wenn auch unvollständig, belasse ich es bei dem, was jetzt hier steht. Puebla folgt bei Gelegenheit…